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Antarktis Eis- und Klimaforschung
Larsen-C-Schelfeis Ein gigantischer Eisberg ist entstanden 2017
Beeindruckender Eisberg löste sich vom Larsen-C-Schelfeis 2017
Larsen-C-Schelfeis Abgespaltener Eisberg A-68 driftet nach Nordosten 2020
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Larsen-C-Schelfeis: Ein gigantischer Eisberg ist entstanden

Es war nur noch eine Frage der Zeit: In der Antarktis hat sich ein riesiger Eisberg vom Larsen-C-Schelfeis abgelöst. Der Gigant ist fast sieben Mal so gross wie Berlin. Was bedeutet das für die Region? Eine Einschätzung von Daniela Jansen vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). Die Glaziologin hat das Phänomen seit Monaten beobachtet.

Zurzeit schaut alle Welt auf die Antarktische Halbinsel. Der Eisberg, der sich nach Angaben unserer Partner vom Projekt MIDAS (www.projectmidas.org ) vom Larsen-C-Schelfeis abgelöst hat, ist etwa 175 Kilometer lang und an seiner breitesten Stelle 50 Kilometer breit. Das heisst, seine Gesamtfläche beträgt rund 5'800 Quadratkilometer. Die Entstehung liess sich mit Hilfe von Satellitenaufnahmen bestens aus der Ferne beobachten. Da es über grosse Teile der Antarktischen Halbinsel oft bewölkt ist, kamen hier neben optischen Bildern vermehrt Radaraufnahmen der Satelliten TerraSAR-X und Sentinel-1 zum Einsatz. Diese haben den entscheidenden Vorteil, auch bei Wolkenbedeckung und während der Polarnacht Daten zu liefern.

Der Riss im Schelfeis hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter vorgearbeitet und gerade im letzten Jahr hat er einige grosse Sätze nach vorne gemacht. Zuletzt trennten nur noch wenige Kilometer die Rissspitze von der Schelfeiskante. Es stellt sich die Frage: Ist dies nur ein spannendes Naturschauspiel oder wird es weitere Folgen für die Region haben? Und gibt es eventuell Auswirkungen auf den Meeresspiegel?

Schelfeise sind ein essentieller Teil der antarktischen Landschaft. Es handelt sich um dicke, schwimmende Platten aus Eis, welche die Küste um die Antarktis säumen. Sie entstehen dadurch, dass Eis durch die Auslassgletscher vom Inland in den Ozean fliesst. Dort, wo das Eis das Land verlässt, an der sogenannten Gründungslinie, beginnt es aufzuschwimmen. Wenn mehrere Gletscher in eine Bucht münden, können diese sich zu einem Schelfeis vereinen. Die schwimmenden Schelfeise bedeuten einen direkten Kontakt des Eises zum Ozean. Durch sie können sich Veränderungen im Südozean bis in das Inlandeis fortpflanzen. So wurde zum Beispiel beobachtet, dass Eisschilde im Inland an Masse verlieren, wenn deren Gletscher in Schelfeise münden, welche wiederum in Kontakt mit wärmerem Wasser kommen.

Das Larsen-C-Schelfeis ist das viertgrösste Schelfeis der Antarktis. Es hat eine Fläche von fast 50'000 Quadratkilometern und ist damit etwa so gross wie Niedersachsen. Seine Dicke beträgt in der Nähe der Gründungslinie bis zu 700 Meter, nimmt aber zur vorderen Kante hin auf 200 Meter ab. Da es schwimmt, ragt nur etwa ein Siebtel dieser Mächtigkeit über die Wasseroberfläche hinaus.

Schelfeise schieben sich langsam aber stetig vorwärts Richtung Meer. Die Kante des Larsen-Schelfeises rückt etwa 700 Meter pro Jahr vor. Deshalb ist das Kalben von Tafeleisbergen etwa alle 15 bis 20 Jahre ein natürlicher Teil des Massenhaushaltes. Doch bei den nördlichen Nachbarn des Larsen-C-Schelfeises wurde dieses Gleichgewicht gestört: Statt des regelmässigen Kalbens mit Zeitintervallen, in denen die Kante wieder vorstossen konnte, begann sich die Front immer weiter zurückzuziehen. Dieser Prozess mündete schliesslich in dem kompletten Zerfall der Schelfeise.

Ist das Larsen-C-Schelfeis nun auch in Gefahr?

Einiges spricht dafür, denn es wurde noch nie zuvor beobachtet, dass sich die Kante des Schelfeises so weit zurückgezogen hat. Modellrechnungen zeigen ausserdem, dass die neue Front instabil sein könnte. Denn die gesamte Eisplatte steht unter Spannung: Bricht an einer Schlüsselstelle ein Stückchen ab, können sich auch in anderen Teilen Risse ausbreiten, ähnlich wie bei einer Sicherheitsglasscheibe. Dies könnte letztendlich zum Zerfall des Schelfeises führen.

Das Schmelzen von Schelfeisen und Eisbergen würde nichts am Meeresspiegel ändern, da sie bereits im Wasser schwimmen. Allerdings führt der Verlust des Schelfeises dazu, dass die Gletscher direkt ins Meer münden und viel schneller abfliessen können als vorher. Genau das wurde im Falle der nördlichen Nachbarn von Larsen-C beobachtet.

Daniela Jansen hat die Entstehung des Eisbergs als Projektpartnerin des MIDAS Projekts (www.projectmidas.org) beobachtet. Dabei handelt es sich um ein Forschungsprojekt der Swansea University, Vereinigtes Königreich. Glaziologen erforschen hier in Feldexperimenten, Satellitenbeobachtungen und Computersimulationen, wie sich Klimaveränderungen auf das Larsen-C-Schelfeis in der Antarktis auswirken.

Antwort des AWI-Modellierers und Klimaforschers Dr. Thomas Rackow auf die Frage: Wohin wird der neue Eisberg jetzt treiben?

"Wie weit der Eisberg treiben wird, hängt unter anderem von der Bodentopographie ab. Er könnte als ganzer Eisberg erhalten bleiben oder schnell in viele kleinere Stücke zerfallen. Im ersten Fall stehen die Chancen gut, dass er zunächst für etwa ein Jahr entlang der Antarktischen Halbinsel durch das Weddellmeer treiben wird. Dann dürfte er Kurs Richtung Nordosten nehmen. Das heisst, er würde in etwa Süd-Georgien oder die Süd-Sandwichinseln ansteuern und hier verstärkt schmelzen", erklärt Dr. Thomas Rackow.

"Angetrieben wird die Bewegung solch grosser Eisberge vor allem durch ihr Eigengewicht und die Tatsache, dass die Oberfläche des Weddellmeeres keine ebene Fläche ist, sondern durch die vorherrschenden Winde zur Küste hin bis zu 0,5 Meter ansteigt. Vereinfacht gesagt rutschen neu gekalbte Eisberge daher zunächst die schräge Meeresoberfläche hinunter; durch die Corioliskraft, welche auf die Erdrotation zurückzuführen ist, wird ein Eisberg dieser Grösse aber letztlich auf eine Bahn parallel zur Küste gelenkt, ähnlich dem Verlauf des Küstenstroms", erklärt Dr. Thomas Rackow. "Sobald der Eisberg die Spitze der Antarktischen Halbinsel passiert hat, wird er nach dem gleichen Prinzip höchstwahrscheinlich entlang der nördlichen Grenze des Weddellwirbels nach Osten treiben."

Diese Erkenntnisse basieren auf einer aktuellen AWI-Studie zur Eisberg-Drift in der Antarktis.

Quelle: Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung AWI , 12. Juli 2017
Das Larsen-Schelfeis liegt im British Antarctic Territory (Britisches Antarktisgebiet).
Larsen

Eisberge, welche in der Antarktis entstehen, erhalten eine Bezeichnung, welche aus einer Quadrantenzahl und einer die Entstehungsreihenfolge wiedergebenden Zahl bestehen. Zerbricht ein Eisberg, so erhalten seine Bruchteile Grossbuchstaben in alphabetischer Reihenfolge zugeordnet. Die Antarktis wird in 4 Quadranten aufgeteilt. Der Quadrant, in welchem die Antarktische Halbinsel liegt, erhielt den Buchstaben A.
Gletscher- und Meereis in polaren Zonen Eisberge, Dichte u. Salinität von Meerwasser
Abschmelzendes Eis Gletscher, Eisberge, Schelfeise und der Meeresspiegel

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Beeindruckender Eisberg löste sich vom Larsen-C-Schelfeis

In der Zeit vom 10. Juli 2017 bis zum 12. Juli 2017 trennte sich ein Eisberg, welcher etwa der Grösse des US-Bundesstaates Delaware entspricht, vom Larsen-C-Schelfeis in der West-Antarktis. Das Larsen-C-Schelfeis hat sich durch die Abspaltung der nahezu 5’800 km2 grossen Eisfläche um rund 10% verkleinert.

Das Larsen-C-Schelfeis ist eine schwimmende Eisfläche vor der Ostküste der Antarktische Halbinsel. Larsen-C-Schelfeis ist die viertgrösste Schelfeisfläche entlang der Küsten der Antarktis.

2014 dehnte sich ein Riss im Larsen-C-Schelfeis, welcher sich während Jahrzehnten langsam vergrössert hatte, plötzlich rasch nordwärts aus. Dieser Riss bildete die Ursache für den Eisabbruch vom Juli 2017. Als erstes hat das VIIRS-Instrument (VIIRS= Visible Infrared Imaging Radiometer Suite) an Bord des Satelliten «Suomi NPP» am 12. Juli 2017 die Abspaltung der riesigen Eisfläche festgestellt. Wissenschaftler des Antarktis-Forschungsprojekts «MIDAS» an der Universität Swansea in Grossbritannien haben als die Bildung des neuen Eisbergs als erstes gemeldet. Der neue Eisberg wird vermutlich mit der Bezeichnung «A-68» versehen.

Die Wissenschaftler, welche die Stabilität des Larsen-C-Schelfeises seit Jahren verfolgen, haben noch keine Erklärung dafür, warum sich der Riss so rasch in die Grundschicht des Schelfeises vertieft hat. Die Antarktische Halbinsel war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einer der am stärksten von der Klimaerwärmung betroffenen Regionen dieser Erde. Die starke Erwärmung hat auf der Antarktischen Halbinsel eine tiefgreifende Veränderung der Umweltbedingungen ausgelöst. Die Schelfeise Larsen-A und Larsen B sind als Folge der Veränderungen kollabiert. Vermutlich wird der neue Eisberg «A-68» in dieselbe Richtung driften wie die Eisberge der zerbrochenen Larsen-A- und Larsen-B-Schelfeise.

Quelle: NASA Earth Observatory 2017
Text: RAOnline
Das Larsen-Schelfeis liegt im British Antarctic Territory (Britisches Antarktisgebiet).

Starke Veränderungen beim Larsen-Schelfeis 2017

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Auswahl von Berichten
Berichte über den Eisschild und das Schelfeis in der Westantarktis
BAS 2021 Starke Gletschervorstösse in der Getz-Region
ESA 2020 Eisberg A-68 vom Larsen-Schelfeis driftet nach NO
PIK 2019 Beginnende Instabilität in der West-Antarktis
DLR 2018 1'000 km durch das Ross Schelfeis - mit TerraSAR-X
PIK 2018 Rückgang der westantarktischen Eismassen vor 10'000 J.
AWI 2017 West-Antarktis: Eisabbruch am Pine Island Gletscher
AWI 2017 Larsen-C-Schelfeis Gigantischer Eisberg ist entstanden
NASA 2017 Starke Veränderungen beim Larsen Schelfeis
AWI 2016 Wie stabil ist der Westantarktische Eisschild?
AWI 2014 Rekordrückgang der Eisschilde
BAS 2014 West-Antarktis Starke Abkühlung 2010-2012
OSU 2012 West-Antarktis Starke Erwärmung
UoW 2009 West-Antarktis Starke Erwärmung 1957-2006
AWI 2006 West-Antarktis Rascher Rückzug des Eisschildes
Schmilzt das Eis an den Polen der Erde?
European Project for Ice Coring in Antarctica (EPICA)
West-Antarktis Starke Erwärmung 1957-2006
West-Antarktis Eismasse verringert sich
West-Antarktis Rascher Rückzug des Eisschildes
Rascher Temperaturanstieg über der Antarktis
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