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19.-21. Jhd. Landesgrenzen der Schweizerischen Eidgenossenschaft
Verlauf der Landesgrenzen, Enklaven (Exklaven)
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Geschichte der Schweizerischen Eidgenossenschaft
Landesgrenzen der Schweizerischen Eidgenossenschaft

Das Staatsgebiet ist ein territorialer Bereich, in welchem ein Staat seine Staatsgewalt ausübt und dort seine Verwaltungs- und Rechtsordnung durchsetzt. Ein Rechtsstaat übt in seinem Einflussbereich das Gewaltmonopol mit Hilfe von staatlichen Organen wie Polizei und Armee usw. aus. Der Staat achtet darauf, dass auf seinem Gebiet lebenden Menschen und dort angesiedelte Unternehmen sowie Institutionen nach dem in seinem Recht festgeschriebenen Normen verhalten.

Der Einflussbereich eines Staates endet an seiner Landes- bzw. Staatsgrenze.

Die europäischen Grossmächte anerkannten am Wiener Kongress 1814-1815 die Neutralität der Schweiz und bestätigten die noch heute gültigen Landesgrenzen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, welche abgesehen von einigen lokal begrenzten Änderungen noch heute gültig sind.

Der Verlauf der Landesgrenzen orientiert sich mehrheitlich an topografischen Merkmalen wie Bergspitzen, Bergkämmen und -grate, Fliessgewässern und Seen. An einigen Orten wurde die Landesgrenze auch nach nichttopografischen Vorgaben gezogen.

In der Regel verläuft die Landesgrenze entlang von Graten von Bergspitze zu Bergspitze oder in der Mitte von Gewässern. Abweichungen von dieser Regel gibt es in Gebieten, wo alte Alp- und Weiderechte über die Bergkämme greifen oder historisch gewachsene Grenzen wie u.a. jene der Bistümer oder von ausländischen Staaten (Exklaven/Enklaven) berücksichtigt wurden. Abweichungen von der ursprünglich gezogenen Staatsgrenzen gab es auch nach Naturereignisse Flussläufe verändert haben oder der Klimawandel Gletscher zum Verschwinden brachte. An einigen Stellen waren es wirtschaftliche Gründe wie der Bau von Staumauern, welche zu Änderungen im Verlauf der Staatsgrenzen führten.

Einige Möglichkeiten, die Landesgrenze zu ziehen
Schweizer Landesgrenzen mit besonderem Verlauf
Beispiele:
Büsingen D, Kreuzlingen TG / Konstanz D, Val Fenga GR, Lago di Lei GR,Lago di Livigno - Punt dal Gall GR, Lac d'Émosson VS, Dos de Rollin - Testa Grigia - Zermatt VS, Valle Onsernone und Valle di Campo TI, Molinazzo di Menteggio an der Tresa TI, Stabio TI, Valle di Muggio TI, Le Doubs bei Biaufond JU/BE/NE, Lucelle JU
Vertraglich geregelte Grenzlinien bieten Sicherheit

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Einige Möglichkeiten, die Landesgrenze zu ziehen
Vertraglich geregelte Grenzlinien bieten Sicherheit

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Schweizer Landesgrenzen mit besonderem Verlauf
Auswahl

Büsingen - Enklave auf Schweizer Staatsgebiet

Die deutsche Gemeinde Büsingen am Hochrrhein ist vollständig von Schweizer Staatsgebiet umgeben. Für die Schweiz ist Büsingen eine Enklave, für Deutschland eine Exklave. Die Gemeinde Büsingen gehört zum deutschen Bundesland Baden-Württemberg. Auch nach dem Wiener Kongress von 1814/15 verblieb Büsingen beim Grossherzogtum Baden. Die rechtliche Situation Regel der Gemeinde regelt ein Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Deutschland.

Kreuzlingen CH und Konstanz D: Grenzverlauf am Schweizer Ufer

Die Grenzlinie zwischen der Schweiz und Deutschland auf dem Schweizer Ufer des Bodensees ist rund 3 km lang. Die Grenze trennt die beiden Städte Konstanz in Deutschland (Bundesland Baden-Württemberg) und Kreuzlingen (Kanton Thurgau) in der Schweiz.

Im Jahr 2020 geriet der rund 350 m lange östliche Abschnitt dieser Grenze in den Fokus der Medienberichterstattung. Die Behörden der Bundesrepublik Deutschland verordneten als eine Folge der Corona-Pandemie eine Grenzschliessung gegenüber der Schweiz.

Am 16. März 2020 liessen die deutschen Behörden im betreffenden Grenzabschnitt einen nicht überwindbaren Zaun errichten, um den Grenzübertritt in den bei der Bevölkerung beider Städte äusserst beliebten Kreuzlinger Seeburgpark zu verunmöglichen. Am 3. April 2020 zogen auch die Schweizer Behörden parallel zum deutschen Zaun in einem Abstand von 2 m einen zweiten Zaun hoch.

Die Behörden beider Staaten verfolgten die Absicht, direkte Personenkontakte am Zaun zu verhindern, um die Ausbreitung der Coronaviren zu hemmen. Im Juni 2020 wurden die Übertrittsbeschränkungen wieder aufgehoben.

Das Val Fenga (Fenga-Tal GR) ist über eine Strasse aus Österreich erreichbar

Das Talende des Fimba-Tals, einem Nebental des Paznauner-Tals im österreichischen Bundesland Tirol liegt in der Schweiz. Im rätoromanischen Sprachteil der Schweiz nennt man das Fimba-Tal auch Val Fenga (Feng-Tal). Das schweizerische Val Fenga ist von Ischgl in Österreich her über eine Strasse erschlossen. Von Ramosch im Unterengadin aus gelangt man zu Fuss durch das Val Sinestra und anschliessend über den auf 2'609 m ü.M. liegenden Pass Cuolmen da Fenga (Fimber-Pass) ins Val Fenga.

Lago di Lei: Die Staumauer liegt auf Schweizer Staatsgebiet

Graubünden
Landesgrenze zwischen der Schweiz und Italien
Lago di Lei
Staumauer liegt auf Schweizer Staatsgebiet. Die Zufahrt zur Staumauer führt über Schweizer Boden. Der Stausee befindets ich mehrheitlich in Italien. Die Strompoduktion erfolgt im Kraftwerk Ferrera (Kanton Graubünden).

Lago di Livigno: Die Staumauer liegt teilweise auf Schweizer Staatsgebiet

Graubünden
Landesgrenze zwischen der Schweiz und Italien
Punt dal Gall
Die Staumauer des Lago Livigno liegt je zu Hälfte in der Schweiz und in Italien. Ein kleine Fläche am Nordende des Stausee wurde der Schweiz zugewiesen. Der Ausfluss aus dem Stausee erfolgt durch den Fluss Spöl, welche vollständig auf Schweizer Staatgebiet liegt. Die Zufahrt zur Staumauer erfolgt auf der Schweizer Seite von der Zollstation Punt la Drossa her durch den Munt la Schera-Tunnel. Die Stromprduktion geschieht im Schweizer Speicherkraftwerk Ova Spin.

Lac Émosson: Die Staumauer liegt auf Schweizer Staatsgebiet

Valais
Landesgrenze zwischen der Schweiz und Frankreich
Lac d'Émosson
Staumauer liegt auf Schweizer Staatsgebiet. Der Verlauf der Landesgrenze zwiscen der Schweiz und Frankreich wurde in einem Staatsvertrag so geregelt, dass die Staumauer und die Zufahrtsmöglichkeiten zum Bauwerk (Luft- und Standseilbahn) sowie die Strasse zur weiter oben liegenden Staumauer beim Lac du Vieux Émosson vollständig auf Schweizer Boden liegt. Mit dem Wasser der beiden Stauseen wird elektrischer Strom im Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance sowie in Kraftwerken unten im Tal in der Region von Châtelard erzeugt.

Zermatt: Der Klimawandel verändert den Verlauf der Landesgrenze

Valais
Landesgrenze zwischen der Schweiz und Frankreich
Dos de Rollin - Testa Grigia
Schmelzende Getscher verändern die Landschaft. Auf dem Eis festgelegte Grenzlinien befnden sich nach der Eisschmelzeauf dem blanken Fels an einer anderen Stelle. Die Staatsfläche der Schweiz wurde oberhalb von Zermatt grösser.

Campione d'Italia ist eine italienische Exklave in der Schweiz

Ticino
Landesgrenze zwischen der Schweiz und Italien
Campione d'Italia
Das Gebiet der Ortschaft Campione d'Italia am Lago Cerosio (= Lago di Lugano = Luganersee) ist vollständig von Schweizer Boden umgeben. Die Zufahrt erfolgt über Schweizer Gebiet.

Valle Onsernone und Valle di Campo: Talenden liegen in Italien

Ticino
Landesgrenze zwischen der Schweiz und Italien
Valle Onsernone und Valle di Campo
Das Gebiet der Ortschaft Campi0ne d'Italia am Lago Cerosio (= Lago die Lugano = Luganersee) ist vollständig von Schweizer Boden umgeben. Die Zufahrt erfolgt über Schweizer Gebiet.

Im Kanton Tessin wurden die Landesgrenzen zwischen der Schweiz und Italien an einigen Stellen nicht nach topografischen Kriterien (Bergkämme, Flussläufe usw.) gezogen. Das Tessin bestand seit jeher eine starke kulturelle, politische und wirtschaftliche Verflechtung mit der norditalienischen Region Lombardei, insbesondere mit den angrenzenden Provinzen Varese, Como und Sondrio im Süden und Osten sowie der Region Piemont und der Provinz Verbano-Cusio-Ossola im Westen. Durch die enge Verknüpfung der Interessen der Menschen in der Südschweiz und in Norditalien bestanden in einigen Tälern entlang der Grenze enge grenzübergreifende Beziehungen, was sich an einigen Gebieten im Grenzverlauf niederschlug.

Molinazzo di Menteggio an der Tresa - Stabio - Valle di Muggio TI

Lucelle JU: Grenze mitten durch das ehemalige Klostergelände

Die Landesgrenze zwischen Frankreich und der Schweiz wurden 1815 beim Wiener Kongress rechtsgültig festgelegt. Der 1815 festgelegte Grenzverlauf bekräftigte die Grenzvereinbarung von 1757 zwischen dem Fürstbistum Basel und Frankreich. Damals wurde die Grenze zwischen den beiden Hoheitsgebieten über die südliche Klostermauer der Abbaye de Lucelle (Kloster Lützel) gelegt.

Der südliche Teil des ehemaligen Klosterbezirks wurde der Schweiz und damit dem damaligen Hoheitsgebiet des Kantons Bern angegliedert. Seit 1979 gehört Lucelle zu Kanton Jura. Der nördliche Teil mit dem ehemaligen Klosterareal wurde dem Departement Haut-Rhin in Frankreich zugewiesen.

Das zweisprachige Kloster Lützel war über mehrere Jahrhunderte sehr einflussreich im südlichen Elsass. Die der Abbaye de Lucelle war eine Zisterzienserabtei, welche in der Blütezeit im 13. Jahrhundert von rund 200 Mönchen des Zisterzienserordens bewohnt wurde.

Zu Beginn der französischen Revolution (1789-1799) wurde die Abtei Lützel verstaatlicht und der Klosterbetrieb eingeschränkt. Nach dem Verkauf der Klosterliegenschaft wurden 1792 die Klostergemeinschaft weggewiesen. Es lebten damals noch 45 Mönche im Kloster.

Später wurde in Lucelle ein Hochofen gebaut. Im Areal wurde die Eisenproduktion aufgenommen. Das Eisen wurde zum Zeil an Ort in Schmieden verarbeitet. Die meisten Klostergebäude wurden abgetragen und zum Fabrikbau verwendet.

Zwischen Lucelle JU und Kleinlützel SO verläuft eine Strassenverbindung (Lützeltalstrasse), welche mehrheitlich entlang der Lützel (La Lucelle) auf französischen Staatsgebietgebaut wurde, jedoch von der Schweiz aus unterhalten wird. Die Srasse darf von Armeeangehörigen in Uniform nicht befahren werden.

Le Doubs bei Biaufond JU/BE/NE

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Vertraglich geregelte Grenzlinien bieten Sicherheit

Ein vertraglich mit einem ein Staatsvertrag abgesicherter Grenzverlauf zwischen angrenzenden Staaten bietet Rechtssicherheit. Eine Grenzverlaufsvereinbarung ist für ein friedliches, nutzbringendes Zusammenleben von benachbarten Staaten unabdingbar und von grösster Wichtigkeit. Nicht bereinigte Grenzverläufe bergen ein hohes Konfliktpotenzial. Grenzkonflikte können zu blutigen, schadenreichen militärischen Auseinandersetzungen zwischen den Grenzstaaten eskalieren. Vereinbarte, gegenseitig akzeptierte Grenzlinien werden häufig mit Grenzsteinen markiert,

Staaten, welche an ein Weltmeer grenzen, richten ihre Grenzen nach dem Internationalen Seerecht mit der 12-Meilen-Zone und der 200 Meilen-Zone ein.

Weltweit gibt es auch noch zu Beginn des 21. Jahrhundert zahlreiche schwelende Grenzkonflikte entlang von nicht gegenseitig akzeptierten Grenzverläufen.Nicht beigelegte Grenzkonflikte gibt es u.a. im Sahararaum (spanische Sahara), in der Arktis und Antarktis, im Karakorum und im Himalaja (Pakistan, Indien, China, Bhutan), in Osteuropa (Ukraine) , in der Ägäis (Griechenland, Türkei), Arabische Halbinsel usw., usw.

Text: RAOnline
Quellen: u.a. Historisches Lexikons der Schweiz (HLS), Wikipedia d und f

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bereinigte Grenzkonflikte
2022 Grönland: Dänemark und Kanada bereinigen Grenzkonflikt
2024 Chagos-Inseln: Grossbritanniens letzte afrikanische Kolonie kehrt zur Republik Mauritius zurück
nicht bereinigter Grenzkonflikt
Konfliktzone «Karakorum»
1875 Cavaione - das letzte Dorf, das der Eidgenossenschaft beitrat
19. und 20. Jhd. Militärische Sperrstellen von nationaler Bedeutung

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Staatskunde Schweiz
Strukturen der Alten Eidgenossenschaft innerhalb der "modernen" Schweiz
Bewirtschaftung von Alpgebieten - Verlauf der Kantonsgrenzen in der Urschweiz aufgrund von historischen Entwicklungen
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Externe Links
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Schweizerisches Nationalmuseum
Historisches Lexikon der Schweiz
EDI Eidgenössisches Departement des Innern
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