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| Die traditionelle Bewässerung wird immaterielles Kulturerbe der UNESCO |
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Die UNESCO hat am 5. Dezember 2023 die traditionelle Bewässerung in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit eingetragen. Die Schweiz beteiligt sich mit ihren Traditionen der Suonengeteilschaften und der Wässermatten an dieser multinationalen Kandidatur unter der Federführung von Österreich.
Das Zwischenstaatliche Komitee für die Bewahrung des immateriellen Kulturerbes hat an seiner 18. Sitzung in Kasane in Botsuana die traditionelle Bewässerung in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. In ihrem Entscheid hat die UNESCO den beispielhaften Charakter der Kandidatur unterstrichen.
Das im März 2022 vorgelegte Dossier Traditionelle Bewässerung: Wissen, Technik und Organisation wurde von Österreich koordiniert und mit Beteiligung von Belgien, Deutschland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden und der Schweiz erarbeitet. Die Kandidatur will traditionelle Modelle der Bewässerung und der Wasserwirtschaft aufwerten, insbesondere die Bewirtschaftung in Geteilschaften (historische Genossenschaften, die Gemeingut lokal und partizipativ verwalten).
In der Schweiz sind die Wässermatten des Oberaargaus in den Kantonen Bern und Luzern sowie die Suonengeteilschaften im Wallis (Oberwalliser Sonnenberge, Geteilschaften von Ayent, Lens, Trient, Nendaz und Grächen) in diese Kandidatur eingebunden.
UNESCO-Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes
Mit dem Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes, das sich von der Welterbekonvention unterscheidet, will die UNESCO ein Kulturerbe thematisieren und schützen, das weniger mit Bauten oder Räumen zusammenhängt, sondern in erster Linie mit der Zeit sowie mit gemeinschaftlichen Praktiken und gesellschaftlichen Interaktionen. Dieses Erbe umfasst lebendige Traditionen wie mündliche Ausdrucksformen, darstellende Künste, gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste, Wissen und Praktiken im Umgang mit der Natur und dem Universum sowie Fachwissen über traditionelle Handwerkstechniken. Es widerspiegelt somit die kulturelle Vielfalt und zeugt von der menschlichen Kreativität.
Kandidaturen der Schweiz
Im Oktober 2014 hat der Bundesrat eine Vorschlagsliste von acht lebendigen Traditionen der Schweiz verabschiedet, deren Kandidaturen der UNESCO laufend für eine Aufnahme in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit vorgelegt werden. Auf dieser Vorschlagsliste festgehalten wurden das Winzerfest in Vevey (2016 in das Kulturerbe der UNESCO aufgenommen), die Basler Fasnacht (aufgenommen 2017), der Umgang mit der Lawinengefahr (gemeinsame Kandidatur mit Österreich; aufgenommen 2018), die Historischen Prozessionen in Mendrisio (aufgenommen 2019), Uhrmacherhandwerk und Kunstmechanik (aufgenommen 2020), die heute aufgenommene Alpsaison, Schweizer Grafikdesign und Typografie sowie der Jodel. Vor der Aufnahme der traditionellen Bewässerung beteiligte sich die Schweiz bereits an den multinationalen Kandidaturen Kunst des Trockenmauerbaus (aufgenommen 2018), Alpinismus (aufgenommen 2019) und Bauhüttenwesen (aufgenommen 2020).
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| Walliser Suonen und Wässermatten Oberaargau sollen Immaterielles Kulturerbe der Menschheit werden! |
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Multinationale Kandidatur "Traditionelle Bewässerung in Europa" bei der UNESCO eingereicht
Am 30. März 2022 wurde der Antrag "Traditionelle Bewässerung in Europa: Wissen, Technik und Organisation bei der UNESCO zur Aufnahme in die "Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit" eingereicht. Österreich hat den Antrag federführend gemeinsam mit Belgien, Deutschland, Italien, Luxemburg, der Niederlande und der Schweiz vorbereitet. Die UNESCO wird die Kandidatur in einem mehrmonatigen Verfahren evaluieren. Ein Ergebnis über die Aufnahme ist für den Dezember 2023 zu erwarten. In der Schweiz sind die Wässermatten Oberaargau und die Hangbewässerungslandschaft der Oberwalliser Sonnenberge sowie fünf weitere Walliser Wassergenossenschaften beteiligt.
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Traditionelle Bewässerung ist eine landwirtschaftliche Bewässerungsart, die auf strategischer Nutzung der Schwerkraft und manuell angelegter Konstruktionen wie Kanälen und Gräben beruht, um Wasser in die Wiesen, Reben oder Gärten zu leiten. Für das Wässern bestehen spezifische Regelwerke und gemeinschaftliche Organisationsformen.
Die Schweiz stand Pate für die Idee einer europäischen Kandidatur der traditionellen Bewässerung für das Immaterielle Kulturerbe der Menschheit. Ein Programmbeirat unter der Leitung von Prof. Christian Leibundgut und der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL-FP) hatte seit 2013 diese Kandidatur vorbereitet. Ziel ist, das mit der Bewässerung verbundene Wissen, die kulturelle Bedeutung und sozialen Praktiken auch international sichtbar zu machen. Die typische genossenschaftliche Organisation rund um die Bewässerung, die Erhaltung und Weitergabe des Wissens und die damit verbundenen Techniken können nur unter Zusammenarbeit aller Beteiligten stattfinden. Vor allem der internationale Austausch und die damit einhergehende Kooperation sind wichtige Strategien, um zum Erhalt dieses immateriellen Kulturerbes beizutragen.
Traditionelle Bewässerung - eine tausend Jahre alte, heute bedrohte Tradition in Europa
Heute ist die traditionelle Bewässerung, sei es die Flachlandbewässerung oder die Hangbewässerung, von der Aufgabe bedroht. Technische Beregnungssysteme haben vielerorts die Tradition der schonenden Berieselung von Wiesen, Reben und Gärten zum Verschwinden gebracht. Dennoch sind international grosse Bemühungen sichtbar, diese bis zu tausend Jahre alte Kultur zu erhalten, respektive zu reaktiveren. Klimawandel und Biodiversität, aber auch soziale Integration sind neue wichtige Funktionen der traditionellen Bewässerungstechniken.
In der Schweiz sind seit 1970 in den 108 ha grossen Wässermatten im Oberaargau und seit Mitte der 1980er Jahre im Wallis Rettungsaktionen für die traditionelle Bewässerung erfolgreich durchgeführt worden. Heute sind im Oberaargau rund 160 Personen in der Bewässerung konkret engagiert, an den Oberwalliser Sonnenbergen sind es mehrere Hundert Personen in den Gemeinden Ausserberg und Baltschieder sowie in den rund 30 Wassergenossenschaften in der Gemeinde Naters. Dazu kommen weitere fünf in der UNESCO-Kandidatur aufgeführte Genossenschaften der Suone Eggeri in Grächen, der Grand Bisse de Lens, der Grand Bisse d'Ayent, der Bisse du Trient und der Bisse Vieux de Nendaz.
Entscheid voraussichtlich im Dezember 2023
Die Vertragsstaatenkonferenz ist das oberste Organ der 2003er UNESCO-Konvention zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes, der bisher 180 Staaten beigetreten sind, und wählt u.a. das Zwischenstaatliche Komitee. Jeweils 24 Mitgliedstaaten sind für eine Amtszeit von vier Jahren im Zwischenstaatlichen Komitee vertreten und entscheiden über die Aufnahme von Elementen in die drei internationalen Listen. Das Komitee tagt einmal jährlich und wird voraussichtlich bei ihrer 18. Sitzung im Dezember 2023 über eine Aufnahme der traditionellen Bewässerung in Europa abstimmen.
Die SL-FP freut sich, als zentrale Trägerorganisation der Kandidatur mitzuwirken und hofft, damit für die bedrohte traditionelle Bewässerung in der Schweiz und Europas eine Renaissance einläuten zu können.
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| Traditionelle Bewässerung in UNESCO-Listedes Immateriellen Kulturerbes aufgenommen |
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Landwirtschaftliche Kulturtechnik steht für nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen
Die UNESCO hat 5. Dezember die Traditionelle Bewässerung zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt. Die jahrhundertealte landwirtschaftliche Kulturtechnik wurde von Belgien, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und Deutschland zur Aufnahme in die UNESCO-Liste vorgeschlagen. Der Zwischenstaatliche Ausschuss zum Immateriellen Kulturerbe tagt noch bis zum 9. Dezember in Kasane, Botswana.
"Die Entscheidung der UNESCO zeigt, wie wichtig es ist, sich über Ländergrenzen hinweg für die nachhaltige Nutzung unserer natürlichen Ressourcen einzusetzen. Die Traditionelle Bewässerung ist ein lebendiges Erbe, das einen entscheidenden Beitrag dazu leistet, die biologische Vielfalt unserer Kulturlandschaften zu erhalten. Ich gratuliere allen, die sich für den Erhalt dieser Kulturtechnik stark machen, zu ihrem Erfolg", erklärt der Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission Christoph Wulf.
Durch die Nutzung der Schwerkraft werden bis heute landwirtschaftliche Flächen bewässert. Bewässerungsgemeinschaften leiten Wasser aus Flüssen und Kanälen auf Felder und Wiesen um. Dafür werden vorübergehend kleine Gräben ausgehoben oder das Wasser aufgestaut, um künstliche Überläufe zu schaffen. In Deutschland ist diese Form der Bewässerung unter anderem entlang der Flüsse Rednitz, Regnitz und Wiesent in Franken sowie im Gebiet der Queich in Rheinland-Pfalz bis heute lebendig.
"Der Prozess der Bewerbung war mit einem regen Austausch zwischen den Trägergruppen in Europa, gegenseitigen Besuchen und dem Entstehen persönlicher Freundschaften verbunden. Dies stärkte das Bewusstsein für diesen gemeinsamen kulturellen Schatz, den es zu bewahren gilt. Gleichzeitig reifte die Erkenntnis, dass die Traditionelle Bewässerung nicht nur in der Vergangenheit eine existenzielle Bedeutung hatte, sondern auch wesentlich zur Lösung von gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen beitragen kann, wie zum Beispiel beim Hochwasserschutz, beim Klimaschutz, beim Landschaftswasserhaushalt und beim Schutz der Biodiversität. Wir sind glücklich, dass Deutschland mit gleich zwei Regionen an diesem Eintrag beteiligt ist", betont der Koordinator der Interessengemeinschaft Queichwiesen Pirmin Hilsendegen.
Die Traditionelle Bewässerung basiert auf einem umfassenden Verständnis der Landschaft, des Wasserflusses und der Wetterbedingungen. Dieses Wissen bezieht alle natürlichen und technischen Faktoren ein und wird von Generation zu Generation weitergegeben. Dazu zählen etwa Kenntnisse über den Bau und die Wartung von Kanälen, Gräben und Rinnen, Erfahrungen zu Bewässerungszeiten und -mengen sowie über die Richtlinien zur Wasserverteilung, die in sogenannten Wasser- oder Kehrordnungen zusammengefasst sind.
"Die Traditionelle Bewässerung ist eine Quelle der regionalen Identität und der kulturellen Erinnerung. Wässerwiesen als Zeugnis jahrhundertelanger Anpassungen an einen steten Wandel sind lebendige Beispiele für ein ausbalanciertes Gleichgewicht zwischen Natur und Mensch und sind ein Wegweiser für nachhaltiges Handeln heute und morgen", erläutert Roland Lindacher, der beim Landkreis Forchheim in Franken für die Wässerwiesen zuständig ist.
Diese nachhaltige und auf Kooperation basierende Form der Wasserversorgung dient dazu, trockene Gebiete zu kultivieren. Neben dem landwirtschaftlichen Nutzen hat die Technik auch positive Effekte für die Biodiversität. So entwickeln sich in den wechselfeuchten Wiesen kleinteilige Strukturen mit grosser Artenvielfalt. In Deutschland bieten diese Kulturlandschaften etwa dem Weissstorch Nahrung und Lebensraum.
Hintergrund
Zum Immateriellen Kulturerbe zählen lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken. Die UNESCO unterstützt den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt gelebter Kultur seit 20 Jahren. Das Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes wurde 2003 von der Generalkonferenz der UNESCO in Paris verabschiedet. Bis heute haben 181 Staaten den Vertrag ratifiziert. Deutschland gehört der UNESCO-Konvention seit 2013 an.
Einzelne Elemente aus den nationalen Verzeichnissen des Immateriellen Kulturerbes der Vertragsstaaten können für eine von drei internationalen UNESCO-Listen vorgeschlagen werden. Rund 700 Bräuche, darstellende Künste, Handwerkstechniken und Formen des Naturwissens aus aller Welt werden derzeit auf diesen Listen geführt, darunter der Tango aus Argentinien und Uruguay, die traditionelle chinesische Medizin, Reggae aus Jamaika und die Praxis des Modernen Tanzes in Deutschland.
Der Zwischenstaatliche Ausschuss zum Immateriellen Kulturerbe entscheidet jährlich über die Aufnahme neuer Kulturformen in die UNESCO-Listen. Das Gremium setzt sich aus 24 gewählten Vertragsstaaten der Konvention zusammen, darunter Deutschland.
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