Klima im Wandel - Berichte zum globalen Klimawandel
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Ein ähnliches Schicksal wie der Aralsee im westlichen Zentralasien erleidet der Tschadsee in der Sahelzone. Die Seefläche wird wegen der Übernutzung und durch eine verstärkte Verdunstung des Seewassers als Folge des Klimwandels allmählich kleiner.

2008 war im Vergleich zu 1960 nur noch der 20.Teil der Seefläche vorhanden.

siehe auch: Folgen des Klimawandels Regen in der Wüste (Hochwasser: Sahel (Senegal, Burkina Faso, Mali, Niger)

Von 1900 bis 1938 schwankte der Seespiegel des Tschadsees zwischen 281 m und 282 m über dem Meeresspiegel.

1960 erreichte die Seeoberfläche kurzzeitig die Marke 282,5 m über dem Meeresspiegel. Die Seefläche betrug zu diesem Zeitpunkt rund 25'000 km2.

Von 1960 bis 1984 fiel der Wasserspiegel um rund 4 m. Um den Jahrtausendwende umfasste die Seefläche noch rund 1'300 km2, wobei das Seeufer teilweise nicht mehr klar abgrenzbar war.

Bis 2005 stieg der Seespiegel wieder um ca. 1 m an. Die Angaben stammen aus einem Datensatz von Churchill Okonkwo, welche durch den NASA-Forscher Joshua Steven graphisch aufgearbeitet wurde. Der Datensatz belegt ausserdem, dass zwischen dem Ansteigen und Abfallen des Seespiegels und der Summe der Regenfälle ein Zusammenhang besteht.

Bis etwa 1980 hatte die Entnahme von Seewasser für Bewässerungszwecke durch die lokale Bevölkerung wenig Einfluss auf das Wasservolumen im Tschadsee.

Ab 1983 erfolgte eine verstärkte Wasserentnahme. Bewässerungsprojekte am Tschadsee und an den Flüsse wie dem Chari oder dem Logone verminderten den Zufluss von frischem Wasser in das Tschadseebecken. Der Wasserbedarf der Bevölkerung stieg ebenfalls markant an. Der Tschadsee ist heute als See mit klaren Kontouren nicht mehr existent.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass rund 50% der Verkleinerung des Wasservolumens auf die Wasserentnahme durch Menschen zurückzuführen ist. Der Rest des Seewassers verschwand als Folge von von klimatischen Einflüssen (weniger Regen, höhere Verdunstung). Immer grössere Viehherden beweideten im grössere Weideflächen. Die Wälder und das Buschland mussten den Weideflächen weichen. Die Überweidung zerstörte immer mehr Grasland. Ein trockeneres Klima war eine der Folgen dieser Entwicklung.

Der ehemalige See hat sich zu einer Art Seenplatte mit zahlreichen Seen und Inseln zurückgebildet. Wuchernde, invasive (gebietsfremde) Pflanzen verkleinern die Wasserfläche zusätzlich. Die Landschaft ist stark segmentiert und enthält unzählige grössere und kleinere Stillgewässer sowie sehr viele kleine Inseln. Die Landschaft verändert sich vor allem während und nach Regenzeiten mit vielen Niederschlägen stark. Die Seen im Tschadseebecken verbinden sich in diesen Zeiten wieder zu grösseren Wasserflächen.
Klimadiagramme aus Zentralafrika Tschad
Subtropisches Klima Algerien, Bénin, Burkina Faso, Kamerun, Libyen, Niger, Mali, Senegal, Südsudan, Sudan, Demokratische Republik Kongo

Der Rückgang der Seefläche war von schwerwiegenden Wirkungen auf die Bevölkerung und die Umwelt begleitet. Die lokale Bevölkerung litt zunehmend unter Wassermangel. Menschen und Tiere mussten sich das Wasser teilen. Die Versorgung mit Fischen aus dem See kam weitgend zum Erliegen. Die Anzahl Ernten mit geringen Erträgen nahm zu. Armut und Hunger hielten im Tschadseebecken Einzug.

Verstärkt wurde die Not durch die Überfälle von Boko Haram, einer islamistischen Terrorgruppe. Boko Haram hatte sich in der "Province Lac", in der Seeprovinz, im Tschad festgesetzt und überfiel immer wieder die Posten der Sicherheitskräfte, zahlreiche Dörfer oder auch nur einfache Familien. Die Region im und um dem Tschadsee ist unwegsam und für die Sicherheitsorgane schwierig zu kontrollieren. Die Armee organierte immer wieder "Säuberungsaktionen" gegen die verstreuten Gruppen von Boko Haram. Die Bevölkerung fürchtet solche Strafaktionen und flüchtet immer wieder in die umliegenden Zonen. Im Nordosten von Nigeria und im Südosten von Niger treiben kriminelle Banden ihr Unwesen. Der Staat vermag den Menschen in diesen Landesteilen keinen ausreichenden Schutz zu bieten.

Die instabile Sicherheitslage verstärkt die Hungerprobleme in der Region.

Als Folge der unmenschlichen Aktivitäten der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram, welche von ihren Rückzugsorten in Nordostnigeria aus, eine blutige Spur des Elends, des Gräuels und des Hungers durch die vier Staaten Nigeria, Niger, Tschad und Kamerun treibt, strömen immer mehr Flüchtlinge in die Tschadseeregion. Nach Angaben von UNOCHA lebten im März 2020 rund 450'000 Flüchtlinge aus Nachbarstaaten, rund 170'000 in Tschad selbst Vertriebe und rund 120'000 Heimkehrer mit tschadischer Nationalität in den Gebieten um den Tschadsee, welche zum Tschad gehören.

Quelle: NASA Earthobervatory und OCHA
Text: RAOnline

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Regenzeit 2019 im Tschad

Extremniederschläge und akute Notlage für die Bevölkerung

Im Jahr 2019 war die Regenzeit im Tschad ausserordentlich stark. Während Wochen fielen in weiten Teilen des Landes grosse Regenmengen.

Die Schwerpunkte der Niederschlagstätigkeit lagen am Oberlauf der Flüsse Chari und Logone, welche beide in Richtung Tschadsee entwässern. Der Trockenflusslauf des Barh el Ghazel, welcher ebenfalls zum Tschadsee hin verläuft, erhielt Zufluss von Wasser aus den östlich gelegenen Wadis.

In der Regel ist der Höhepunkt der Regenzeit in allen Teilen des Tschads im August. Die Länge der Regenzeit und die Niederschlagsmengen nehmen von Norden nach Süden zu. Im Norden fällt meistens während der Sommermonate sehr wenig Regen. In ausserordentlichen Jahren wie 2019 können in den Wüstengebieten des Nordens allerdings sintflutartige Regenfälle zu prekären Verhältnissen führen. Im Süden fallen von April bis Oktober üblicherweise beträchtliche Regenmengen.

In einer ersten Phase der Regenzeit waren im August 2019 die Regionen (Provinzen) im Norden und Osten (Tibesti mit Hauptort Bardaï, Borkou mit Faya-Largeau, Ennedi-Ouest mit Fada, Batha mit Ati, Sila mit Goz-Beida usw.) von ausgedehnten Überschwemmungen betroffen. Später wurden auch aus dem Süden (Mayo-Kebbi Est mit Hauptort Bongo) und Südwesten (Salamat mit Hauptort Am-Timan) wurden katastrophale Verhältnisse gemeldet. Die Hochwasserverhältnisse blieben bis weit in den Dezember 2019 hinein eine Herausforderung für die betroffene Bevölkerung.

Die Bevölkerung in der Provinz Mayo-Kebbi Est mit dem Hauptort Bongor und der gemeinsamen Grenze mit Kamerun hatte schon zu Beginn im der Regenzeit im August 2019 mit einer Cholera-Epidemie zu kämpfen, welche bis Mitte November 2019 bei 97 aufgezeichneten Infektionsfällen 12 Todesopfer gefordert hat. Rund 80'000 Einwohnerinnen und Einwohner dieser Provinz waren von den Überschwemmungen betroffen. In allen Südprovinzen wurden rund 130'000 von der Katastrophe betroffene Menschen gemeldet. Der Schaden, welcher durch die Regenfälle verursacht wurde, hat die Verletzlichkeit der Menschen gegenüber Krankheit wie Typhus oder Cholera, welche Infektionsherde im Wassererhöht. Die physischen und mentalen Kräfte der Betroffenen schwanden mehr und mehr. Während Regenzeiten herrscht auch ein erhöhtes Malariarisiko.

In der an die Zentralafrikanische Republik angrenzenden Provinz Salamat wurden bereits im August 2017 schwere, durch die Regenfälle verursachten Schäden verzeichnet. Nach Angaben von UNOCHA starben in dieser Phase der Regenzeit 3 Menschen an den Folgen der Katastrophe. 7'215 Haushalte mit insgesamt 21'921 Menschen in 205 Dörfern wurden durch die Ereignisse in Mitleidenschaft gezogen. 2'686 Häuser wurden zerstört. 17'385 Hektaren Kulturland lagen im Wasser. Ende November 2019 wurden in Salamat erneut Hochwasseralarm ausgelöst. Neben dem Gesundheitszustand der Bevölkerung verschlechterte sich die Versorgungslage mit Lebensmitteln von Woche zu Woche.

Zusammen mit der Zentralafrikanischen Republik war Tschad Ende 2019 eines der am stärksten von einer akuten Hungersnot bedrohten Länder in Afrika.

Die Provinzen Kanem mit dem Hauptort Mao, Barh-El-Gazel mit Moussoro, Ouaddaï mit Abéché, Guéra mit Mongo, Batha mit Ati, Hadjer Lamis mit Massakory und Wadi-Fira mit Biltine gehörten zu den am stärksten von der Hungersnot betroffenen Regionen.

Das UNOCHA (UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs) und die Rotkreuzorganisation von Tschad (Red Cross of Chad (CRC)) versuchten zusammen mit nationalen und internationalen Partner die Notlage mit Hilfslieferungen zu lindern.

Quelle: OCHA, CHAD Situation Report, 29 Nov 2019
Text: RAOnline
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