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Winterrückblick des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF

Von schneearm bis zu neuen Rekordwerten, eiskalt bis überdurchschnittlich warm, mit abgeschnittenen Tälern und einer aussergewöhnlichen Gleitschnee-Situation - so präsentierte sich der letzte Winter. In den Schweizer Alpen starben 15 Menschen in Lawinen.

Winterverlauf

Aus der Tagespresse im Januar: "Andermatt versinkt im Schnee. Schneeräum-Equipen sind im Dauereinsatz. Wegen Lawinengefahr ist das Tal von der Umwelt abgeschnitten."Solche Schlagzeilen waren diesen Winter wiederholt zu lesen. Der Winter begann jedoch bis weit hinauf äusserst schneearm. Ein Blick in die langjährige Schnee-Statistik des SLF zeigt: So wenig Schnee wie Anfang Dezember 2011 lag das letzte Mal Anfang Dezember 1953. Am 3. Dezember setzten dann die Niederschläge ein. Vom Schneemangel schlug die Situation bis Ende Dezember überraschend ins Gegenteil um.

Im Januar schneite es weiter - und das reichlich. Zeitweise mussten Strassen und Bahnlinien gesperrt werden. Erinnerungen an den Lawinenwinter 1999 kamen auf. Mit Ausnahme des zentralen Alpensüdhanges, des Oberengadins und des Puschlavs lag auf 2'000 m Ende Januar mit über 200 cm überdurchschnittlich viel Schnee. Besonders Gleitschnee und Gleitschneelawinen führten in den nördlichen Gebieten zu Sachschäden.

Die Temperaturen sanken Ende Januar deutlich, der Februar war bis zum 20.2. sehr kalt. Darauf folgten zwei Warmphasen, die die Schneedecke anfeuchteten. Am 29.2. stieg die Nullgradgrenze auf über 3000 m. Der Spätwinter war mild. An Ostern schneite es noch einmal bis in tiefe Lagen.

Neuschnee und Schneehöhen - neue Rekordwert

Zwischen Anfang Dezember und Ende Januar wurde an mehr als der Hälfte der SLF-Stationen zwei bis drei Mal so viel Neuschnee gemessen wie im langjährigen Mittel während dieser Zeit. Die Neuschneesummen der 30 Tage- vom 11.12. bis 9.1. waren an vielen Stationen rekordverdächtig. An wenigen Stationen wurden die bisherigen Rekorde sogar gebrochen, z.B. Ulrichen (1350 m): 456 cm, Samedan (1750 m): 192 cm.

Auch die Schneehöhen erreichten im Januar Höchstwerte. An vielen Orten in der Schweiz lag am 25.1.2012 so viel Schnee wie noch nie zu diesem Zeitpunkt seit Messbeginn vor 60 Jahren: Am Weissfluhjoch Davos wurden 270 cm registriert. Dies übertrifft den bisher höchsten Wert vom 25.1.1951 (250 cm) um 20 cm.

Im November, Februar und März schneite es sehr wenig. Deshalb ist die Neuschneesumme des gesamten Winters nur durchschnittlich. Der 3 bis 4 °C zu warme März hat die grossen Schneemengen vielerorts auf ein normales Niveau schmelzen lassen.

Schneedecke und Lawinen

Als es im Dezember ausgiebig auf den noch schneefreien Boden schneite, war dieser noch relativ warm. Die Folge war ein ausgeprägtes Schneegleiten während des ganzen Winters in den nördlichen Gebieten. Mehrere Meter mächtige Gleitschneerisse waren zu beobachten und immer wieder lösten sich mittelgrosse Gleitschneelawinen. Sie gefährdeten zum Teil exponierte Strassen und Skipisten.

Der Winter 2011/12 war bezüglich der Einschätzung der Lawinengefahr im Lawinenbulletin durchschnittlich gefährlich. Die Gefahrenstufe "gross" (Stufe 4) galt an 13 Tagen. Dies in Gebieten des Alpennordhanges, des Wallis und Graubündens. Die ergiebigen Schneefälle und Sturmwinde hatten Perioden hoher Lawinenaktivität zur Folge. Die jeweils grossen Schneemengen führten aber zu einem eher günstigen Schneedeckenaufbau. Die Schneedecke war im Allgemeinen in den tieferen Schichten gut verfestigt. Im Februar bildeten sich im oberen Bereich der Schneedecke Schwachschichten, dort lösten vor allem Personen Lawinen aus. Durch die warmen Temperaturen Ende Februar wurde die Schneedecke angefeuchtet. Dies führte zu hoher Aktivität von Nassschneelawinen. Im März herrschte für Schneesportler oft eine günstige Lawinensituation. Mit Schneefällen stieg die Lawinengefahr im April etwas an.

15 Lawinenopfer

Im Vergleich zu anderen Jahren kam es diesen Winter zu mehr Sachschäden, aber zu weniger Lawinenunfällen mit Personen. Dem SLF wurden 83 Lawinen mit 109 erfassten Personen gemeldet. 24 Personen wurden in Lawinen verletzt und 15 Personen haben bei14 Lawinenunfällen ihr Leben verloren. Die Anzahl der Todesopfer bis Mitte April liegt deutlich unter dem langjährigen Mittelwert für ein ganzes Jahr (25 Lawinenopfer).

Lawinenbulletins

Das SLF startete die Herausgabe der täglichen nationalen Lawinenbulletins am 6. Dezember 2011.Vom 14. Dezember 2011 bis 15. April 2012 publizierte es zudem die regionalen Lawinenbulletins. Das nationale Lawinenbulletin erscheint bis auf Weiteres täglich. Es kann über www.slf.ch oder mit der App "White Risk Mobile" bezogen werden. Zudem kann es über Telefon 187 (0.90 CHF Anruf/Min.) oder Teletext 782 abgerufen und per RSS abonniert werden. Zudem weist über den Sommer ein SMS-Service auf das Erscheinen eines Lawinenbulletins hin(SMS mit dem Inhalt START SLF SOMMER an 9234 senden, Service stoppen: SMS mit dem Inhalt STOP SLF SOMMER an 9234 senden, Fr. 0.20 pro SMS).

Quelle: Text WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF , 17. April 2012

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Eidgenössische Forschungsanstalt WSL
Eidg. Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF
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