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| Geschichte der Schweizerischen Eidgenossenschaft 1291 - 1848 |
| Die Achsenmächte bedrängen die Schweiz an ihrer Südgrenze |
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18. Oktober 1944: Die Grenzverletzung und das Gefecht bei den Bagni di Craveggia (Italien) westlich von Spruga (Schweiz)
Valle Onsernone
Wer vom Weiler Spruga aus auf der Fahrstrasse nach Westen in Richtung hinteres Onsernonetal, dem Quellgebiet des Flusses Isorno, wandert, trifft nach etwas mehr als einer halben Stunde Fussmarsch am Ende der Fahrstrasse auf die Grenze zu Italien. Das Gebiet weiter flussaufwärts liegt seit Beginn des 19. Jahrhunderts auf italienischem Staatsgebiet.
Das gesamte Quellgebiet gehört zur italienischen Gemeinde Craveggia, welche auf der anderen Seite der rund 2'000 m hohen Bergkette im Val Vigezzo liegt. Das Val Vigezzo ist die westliche Fortsetzung des Centovallitales in Italien.
Der 2. Weltkrieg und die Schweiz
Der 2. Weltkrieg begann am 1. September 1939 mit dem Einfall der deutschen Wehrmacht in Polen.
Die vier europäischen Staaten Schweiz, Schweden, Portugal und Irland verhielten sich während den Kriegsjahren weitgehend neutral. Dazu kam Spanien mit Sympathien für die Achsenmächte. Als Kriegsparteien galten auf der einen Seite das deutsche Reich (das dritte Reich) und seine Bündnispartner Italien und Japan. Auf der Gegenseite agierten die alliierten Hauptmächte Grossbritanien, die USA und die Sowjetunion.
Die Schweiz wurde im Verlauf der Kriegsjahre vollständig von den Einflussgebieten der Achsenmächte eingeschlossen. Die Schweiz war als Durchgangsland u.a. in denWarenaustausch zwischen den Achsenmächten eingebunden. Auch weil das Deutschland von Adolf Hitler die Schweiz mit Angriffsplänen beunruhigte, reagierte die Schweizer Regierung und ihrer Armeeführung mit einem Ausbau der Verteidigungsanlagen und einer Réduit-Strategie. Dazu gehörte auch der Bau von Militärischen Sperrstellen im Raum Gotthard - Grimsel - Furka, wie auch die Werke auf dem San Giacomopass und dem Griespass, welche Angriffe aus der Ossola-Region abwehren sollten.
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| Militärgeschichte der Schweiz |
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Seit Kriegsbeginn war die Schweiz immer wieder Anlaufstelle für Flüchtlinge (aus Polen, Frankreich, Italien usw.). Am 1. September 1939 verfügte der Bundesrat der Schweizerischen Eidgenossenschaft die erste Generalmobilmachung. Mehr als 600'00 Personen traten in den sogenannten Aktivdienst ein.
1944 kamen Widerstandskämpfer der Partisanenrepublik Ossola im Valle Onsernone auf italienischem Gebiet unter Beschuss von Soldaten einer von der deutschen Wehrmacht unterstützten Einheit der italienischen Faschisten. Die das Gefecht überlebenden Partisanen flüchteten über die Schweizer Grenze. Auf Drohungen der Faschisten reagierte die Schweizerische Armee mit einer Truppenverstärkung in der Grenzregion. Die klare Haltung der Schweizer Armee sowie besonnenen Verhandlungen bewog die deutsch-italienische Einheit, sich über den Bergkamm ins Val Vigezzo zurückzuziehen. Die italienischen Partisanen wurden in der Schweiz interniert. Die Partisanenrepublik Ossola konnte sich nur 1,5 Monate lang halten, bevor deutsche Truppen die Widerstandsnester aushoben und vernichteten.
Der 2. Weltkrieg endete am 8. Mai 1945 mit der Unterzeichnung der Kapitulationsdokumente durch Vertreter der deutsche Wehrmacht. Bereits am 2. Mai 1945 kapitulierte die Wehrmacht in Italien durch eine Schweizer Vermittlung.
2. Weltkrieg: Ereignisse in Italien
Das südliche Nachbarland war unter der Herrschaft von Benito Mussolini, der im Juni 1940 in den Krieg eintrat, keine tragende Kraft im Kriegsgeschehen. Am 25. Juli 1943 wurde Mussolini abgesetzt. Im Anschluss an dieses Ereignis stiess die deutsche Wehrmacht innert weniger Tage von Süden nach Norden vor und entwaffnete bzw. deportierte die Soldaten der italienischen Armee.
Auf ihrem Vormarsch deutschen Truppen befreiten unterwegs Mussolini und setzen ihn an die Spitze eines Marionettenstaates, der faschistischen Republik von Salò, welche auch dem Namen Repubblica Social Italiana RSI trug. Salò ist eine Stadt am Gardasee. Die RSI unterhielt auch bewaffnete Truppen, darunter die faschistischen schwarzen Brigaden, welche mit den deutschen Verbänden kollaborierten.
Einige Zehntausend Soldaten der ehemaligen italienischen Armee entzogen sich der Verhaftung und schlossen sich der Widerstandsbewegung den Partisanen an, welche vor allem in den unwegsamen Tälern entlang der südlichen Abhängen der Alpenkette ihre Operationsbasis fand. Die Partisanen waren stark zersplittert, schlecht für den Guerillakrieg vorbereitet und äusserst dürftig bewaffnet.
Italienischen Widerstandsbewegung entlang der Schweizer Grenze
Die zahlreichen in die Ossola-Region (in der durch die Linie Dufourspitze - Iselle - Monte Leone - Nufenenpass - Cannobio - Lago Maggiore - Arona - Lago di Orta - Omegna - Dufourspitze begrenzten Fläche) geflüchteten Widerstandsgruppen hatten alle ihre eigenen Kommandostruktur und Operationsbasis. Sie konnten sich auf keine gemeinsame Strategie einigen. Sie entschieden sich nur selten für eine Zusammenarbeit. Die Partisanen waren in viele Fraktionen zersplittert . Einige Fraktionen waren sogar miteinander verfeindet.
Partisanenrepublik südlich der Schweiz
Im Spätherbst 1944 gelang es Partisanenverbänden die Besatzer der Stadt Domodossola einzukesseln und nach Verhandlungen zu vertreiben. Kurz nach ihrem militärischen Erfolg riefen die Partisanen am 10. September 1944 die Partisanenrepublik mit dem Namen Repubblica dell'Ossola in den von ihnen befreiten Gebieten um Domodossola und einigen Seitentälern aus. Ein Hauch von Demokratie und Optimismus ergriff die Region.
Ein grosses Problem für die Partisanenbewegung blieb ihre Uneinigkeit und die schlechte Bewaffnung. Es mangelte an einem koordinierten strategischem Vorgehen, ausreichend guten Waffen und Munition. Mit Schmuggelgut auch aus der Schweiz konnten die Widerstandskämpfer (es gab wenig Frauen unter ihnen) ihre Bestände ergänzen bzw. auffrischen. Vor allem im Kanton Tessin konnten die Kämpfer auf eine weit verbreitete Solidarität zählen. Sympathien gab es auch in den Südtälern im Wallis.
Der Nachschub aus der Luft aus alliierten Quellen erreichte die Partisanen aus verschiedenen Gründen nur in einem ungenügendem Ausmass: Gründen waren vor allem das schlechte Flugwetter, das Misstrauen der Alliierten gegenüber den kommunistischen Gruppen und die Neuausrichtung der alliierten Militärhilfe.
Die faschistischen RSI-Truppen und ihre deutschen Verbündeten vertrieben die Partisanen Schritt für Schritt aus ihren Widerstandsnestern. Sofort errichteten die Eroberer ein Regime der Repression und der Einschüchterung. Willkürlich Exekutionen sollten die Angst in der Zivilbevölkerung schüren. Juden wurden systematische verfolgt und getötet.
Am 14. Oktober 1944 eroberten die Faschisten mit deutscher Unterstützung die Stadt Domodossola zurück. Schon Tage zuvor setzte eine Fluchtbewegung nach Norden in Richtung Schweiz ein. Zivilisten, Partisanen und auch deutsche Deserteure bewegten sich auf die offenen Schweizer Grenzübergänge zu. Die Schweizer Regierung hatte zuvor beschlossen, die Grenze zu öffnen.
Viele Fluchtwege führten über unwegsame Bergpfade in die Kanton Wallis und Tessin. Auf diesen Wegen waren Pässe von über 2'000 m Höhe zu überwinden. Wichtige Fluchtrouten führten entlang des Lago Maggiores, durch das Onsernonetal und in Richtung Simplonpass über die Grenzstelle Gondo.
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| Fluchtweg vom Val Formazza (Italien) ins Val Bedretto (Schweiz) über den Griespass (2'453 m ü.M.) |
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| Fluchtweg vom Val Formazza (Italien) ins Val Bedretto (Schweiz) über den Griespass (2'453 m ü.M.) und den Cornopass (2'485 m ü.M.) |
Schwerwiegender Grenzzwischenfall im oberen Onsernonetal
Zu einer dramatischen Situation kam es am 18. Oktober 1944 bei den Bagni di Crevaggion auf italienischem Boden im hinteren Onsernonetal. Rund 200 gut ausgerüstete faschistische Kräfte verfolgten zusammen mit ihren deutschen Unterstützern ungefähr 450 flüchtende italienische Partisanen und Zivilpersonen, welche sich in Richtungvon Spruga (Onsernonetal, Schweiz) bewegten. Die über flüchtenden 200 Partisanen wurden mit Gewehrfeuer eingedeckt. Gewehrkugel erreichten sogar Schweizer Boden. Der massive Einsatz von Grenadieren Mitraiilleuren der Schweizer Armee und Verhandlungen konnten die gefährliche Lage beruhigen. Die Verfolger zogen sich über die Bergkette wieder zurück ins Vigezzo-Tal, während die Verfolgten auf Schweizer Boden übertreten durften. Die Zivilisten, die Partisanensoldaten und die deutschen Deserteure wurden ins Schweizer Mittelland transportiert. Die Militärpersonen wurden in Lagern interniert.
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Schätzungen gehen von rund 10'000 Menschen aus, welche in diesem Zeitabschnitt die Schweizer Grenze passiert haben, davon rund 3'500 Partisanen.
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| Landesgrenze zwischen der Schweiz und Italien |
| Valle Onsernone und Valle di Campo |
| Den seit Jahrhunderten schwelen Streit um die Weide- und Forstnutzungsrechte im hinteren Teil der beiden Täler wurde durch die Unterzeichnung eines endgültigen Grenzabkommens zwischen dem Napoléonischen Königreich Italien und dem neu dem Bund der Eidgenossen beigetreten Kanton Tessin am 25. Juli 1805 in Mailand (Lombardei) beigelegt. Eine weiteres Abkommen wurde in Aquacalda (Bagni di Craveggia) am 15. Juli 1807 unterschrieben. |
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Wichtige Daten im Zusammenhang mit dem Ossola-Konflikt
| ab Nov 1942 |
war die Schweiz vollständig von Achsenmächten umgeben. |
| 25. Juni 1943 |
Sturz von Mussolini |
| 8. Sept. 1943 |
Friedensvertrag zwischen Italien und den Allierten mit Zustimmung von König Viktor-Emanuel III |
| 10. September 1944 |
Abzug der faschischisten Besatzer aus Domodossola |
| 10. September 1944 |
Gründung der Repubblica dell'Ossola |
| 14. Oktober 1944 |
Einmarsch RSI-Truppen und Soldaten der deutschen Wehrmacht in Domodossola - Rückeroberung der Ossola Region |
| 18. Oktober 1944 |
Grenzzwischenfall bei den Bagni di Craveggia im oberen Onsernonetal |
| 23. Oktober 1944 |
offizielle Auflösung Partisanenrepublik (Repubblica dell'Ossola) |
| 2. Mai 1945 |
Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Italien |
| 8. Mai 1945 |
Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Europa |
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| Text: RAOnline, Informationsquellen: siehe nachstehende Liste |
| Informationen über den 2. Weltkrieg und die Partisanenrepublik Ossola |
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