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125 Jahren Waldforschung der WSL
von Dr. Andreas Rigling, Eidg. Forschungsanstalt WSL
Jeremias Gotthelf beschrieb 1838 in eindrücklicher Weise eine Wassernot im Emmental. Schiller lässt seinen Tell ein Votum für die Erhaltung der Schutzwälder abgeben: "die Bäume sind gebannt, das ist die Wahrheit. ... und die Lawinen hätten längst den Flecken Altdorf unter ihrer Last verschüttet, wenn der Wald dort oben nicht als eine Landwehr sich dagegen stellte."

Die Wälder und ihre Umwelt standen anfangs des 19. Jahrhunderts unter grossem Druck, sie waren meist stark über nutzt, geschädigt und in ihrer Ausdehnung drastisch reduziert.

Mit dem Forstpolizeigesetz von 1876 wollte der Bund den Wald schützen und seine Fläche wieder vergrössern. Aber wie sollte dabei vorgegangen werden?

Jeremias Gotthelf beschrieb 1838 in eindrücklicher Weise eine Wassernot im Emmental. Schiller lässt seinen Tell ein Votum für die Erhaltung der Schutzwälder abgeben: "die Bäume sind gebannt, das ist die Wahrheit. ... und die Lawinen hätten längst den Flecken Altdorf unter ihrer Last verschüttet, wenn der Wald dort oben nicht als eine Landwehr sich dagegen stellte."

Die Wälder und ihre Umwelt standen anfangs des 19. Jahrhunderts unter grossem Druck, sie waren meist stark über nutzt, geschädigt und in ihrer Ausdehnung drastisch reduziert. Mit dem Forstpolizeigesetz von 1876 wollte der Bund den Wald schützen und seine Fläche wieder vergrössern. Aber wie sollte dabei vorgegangen werden?

Um diese Frage zu beantworten, beschloss das Parlament 1885, die "Centralanstalt für das Forstliche Versuchswesen" zu gründen. Daraus entstand später die WSL, die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, die dieses Jahr ihr 125-jähriges Jubiläum feiert.

Entsprechend der damaligen Herausforderungen lag der Fokus anfangs auf der Holzproduktion, dem Forstschutz und der Schutzwirkung des Waldes gegen Hochwasser. Kurz nach der Gründung wurde ein umfassendes Forschungskonzept erarbeitet, wie der Wald wieder herzustellen sei. Die Grundlage dazu wurde 1888 vom ETH-Professor Anton Bühler gelegt und Philipp Flury baute in der Folge in wenigen Jahren landesweit hunderte von Waldversuchsflächen auf. Ein eng geflochte-nes Netzwerk in alle Regionen und in die Forstpraxis war entstanden. 1905 entstanden die ersten Versuchsflächen in Plenterwäldern, u.a. im Toppwald.

Die WSL ist heute ein modernes Forschungszentrum mit gegen 550 Mitarbeitenden an den Standorten Birmensdorf, Davos, Lausanne, Bellinzona und Sion. Wir befassen uns seit 125 Jahren mit der Nutzung und dem Schutz von Lebensräumen. Ein spezielles Augenmerk gilt dabei nach wie vor dem Wald. Die Rahmenbedingungen haben sich in den vergangenen 125 Jahren stark verändert und die Herausforderungen der Zukunft werden sich sicherlich deutlich von denjenigen der Vergangenheit unterscheiden. In diesem sich stetig wandelnden Umfeld ist die WSL bestrebt, aktuelle Fragen zu beantworten aber auch für die Zukunft gewappnet zu sein. Dafür brauchen wir eine moderne, zukunftgerichtete Waldforschung und diese steht auf drei Säulen:

1 Umweltmonitoring (langfristig)
2 Experimente (kurz- bis mittelfristig)
3 Modellierung (zukunftsgerichtet)

In diesem Konzept spielen Versuchsparzellen wie der Toppwald auch heute noch eine zentrale Rolle, denn sie sind wichtige Elemente des Umweltmonitorings, sie sind Experimentierflächen und sie sind Grundlage für die Eichung von Waldwachstumsmodellen, die es uns erlauben die zukünftige Entwicklung abzuschätzen.

Die Bandbreite der Forschungsthemen erweiterte sich seit der Gründung der WSL kontinuierlich, denn es wurden stets Fragen aufgegriffen, die sich aus den veränderten Bedingungen in Umwelt und Gesellschaft ergaben. So stieg zum Beispiel mit der zunehmenden Luftverschmutzung in den 1970er Jahren der Bedarf nach Kenntnissen zur Wirkungsweise der Schadstoffe und ihrer Relevanz für die Waldgesundheit. Später, nach den Winterstürmen Vivian und Lothar und den darauf folgenden Borkenkäferepidemien rückte die Forschung übernatürliche Störungen ins Rampenlicht - dieses Thema ist nach wie vor sehr aktuell, denn es ist davon auszugehen, dass Stürme, Waldbrände und Hitzeperioden in Zukunft häufiger werden dürften. Zusätzlich beschäftigen uns heute aber auch Fragen wie: "welche Rolle spielt die Biodiversität für den Erhalt von nachhaltig-stabilen Wäldern?" oder "was bedeutet der Klimawandel für die verschiedenen Leistungen unserer Wälder und wie können wir diese Leistungen langfristig gewährleisten?" Der Umgang mit demKlimawandel ist sicherlich eine der grossen Herausforderungen für die Waldbewirtschaftung der kommenden Jahrzehnte. Es zeichnen sich schon heute weitere Themen von grosser Tragweite ab:

Weltweit steigt die Nachfrage nach dem Rohstoff Holz und schon heute ist die Nachfrage grösser als das Angebot. Zudem steigt auch die Nachfrage nach alternativen, erneuerbaren Energiequellen stetig an. Energieholz wird ein ganz wichtiges Thema werden und das sich abzeichnende Spannungsfeld zwischen intensivierter Holzproduktion, der Erholungsnutzung, der Schutzfunktion und dem Naturschutz im Wald wird uns in Zukunft stark beschäftigen.

Der stetig zunehmende globale Warenhandel führt zu einer erhöhten Gefahr der Einschleppung von invasiven Tier- und Pflanzenarten. Diese Entwicklung ist kaum zu kontrollieren und nur schwer zu überwachen. Die Konsequenzen für die Waldbewirtschaftung können, je nachdem was uns in Zukunft beschert, gravierend sein - das Wirkungsgefüge in unseren Wäldern könnte aus den Fugen geraten.

Die gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald verändern sich sehr schnell und fundamental. Die heutige Freizeitgesellschaft beansprucht zusätzliche Waldleistungen und sie betrachtet deren Erbringung als Selbstverständlichkeit. Den hohen gesellschaftlichen Ansprüchen steht eine geringe Monetarisierung gegenüberund deren Finanzierung stellt die Waldbesitzer und die Öffentlichkeit vor grosse Schwierigkeiten.

Die WSL nimmt sich dieser Forschungsthemen an, mit dem Ziel, gemeinsam mit der Praxis und weiteren Forschungspartnern tragfähige Nutzungskonzepte für die Wälder der Zukunft zu entwickeln.

Fazit: Im Vergleich, z.B. zur Landwirtschaft, hat der Wald ein sehr langes Gedächtnis. Dies ist seine Besonderheit und dies ist eine grosse Herausforderung, sowohl für die Waldbewirtschafter als auch für die Waldforscher. Unsere Wälder reagieren noch heute auf die vergangene Waldbewirtschaftung, gleichzeitig sind sie der aktuellen Umweltsituation ausgesetzt und die Planung unserer Wälder von morgen hat gestern schon begonnen.

Unzählige Fragen wurden in den vergangenen 125 Jahren bearbeitet, viele davon beantwortet und doch kommen laufend neue hinzu. Mehr Wissen führt nicht zu einer Abnahme der Fragen, die Fragen aber werden präziser. In diesem Sinne nehmen wir die nächsten 125 Jahre in Angriff.

Quelle: Text WSL 2011

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