Geomorphologie: Massenbewegungen
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Rutschung in Brienz/Brinzauls (Graubünden)
Geomorphologie Massenbewegungen Bergsturzgefahr im Albulatal
Rutschung Brienz: Phase Rot 2024
ab 17 . November 2024, 13 Uhr gilt in Brienz/Brinzals die Phase Rot. Brienz/Brinzauls wird evakuiert.
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Bergsturzgefahr im Albulatal (Graubünden)
Brienz/Brinzauls: Bedrohtes Dorf in der Bergsturzzone

Ab 17 . November 2024, 13 Uhr gilt in Brienz/Brinzals die Phase Rot. Brienz/Brinzauls wird evakuiert.

Seit Sonntag, 17. November 2024, 13 Uhr, gilt die Phase ROT: Brienz/Brinzauls ist evakuiert. Für das Dorf und die rot markierte Zone gilt ein totales Betretungsverbot.

Brienz/Brinzauls ist zum zweiten Mal in eineinhalb Jahren wieder unbewohnt. Wegen der Gefahr eines möglichen Schuttstroms hatte die Gemeinde Albula/ Alvra, zu der Brienz/Brinzauls gehört, die Evakuierung anordnen müssen. Bis Sonntagmittag um 13 Uhr mussten die 91 Bewohnerinnen und Bewohner das Dorf mitsamt ihren Haus-und Nutztieren verlassen. Für alle Bewohner/innen konnten Wohnungen gefunden werden. Der historisch wertvolle Altar der Kirche St. Calixtus war bereits am Freitag weggebracht worden.

Für Brienz/Brinzauls gilt nun die Phase ROT: Das Dorf und das gefährdete Gebiet um das Dorf dürfen bis auf Weiteres nicht mehr betreten werden. Um 13 Uhr gingen Verantwortliche der Gemeinde, des kantonalen Amts für Militär und Zivilschutz, der Polizei und der Feuerwehr das gesamte Dorf noch einmal ab und stellten fest, dass sich niemand mehr in Brienz/Brinzauls befand. Um das Betretungsverbot durchzusetzen und die Sicherheit im Dorf zu gewährleisten, wird der Ort ab sofort elektronisch überwacht. Für Langfinger ist Brienz/ Brinzauls vermutlich sowieso kein lohnendes Ziel: die Bewohner/innen dürften alles, was von grösserem Wert ist, mitgenommen haben.

In der Schutthalde hoch über Brienz/Brinzauls sind seit der zweiten Septemberhälfte rund 1,2 Millionen Kubikmeter Schutt in Bewegung geraten. Der Schutt stammt vom Schuttstrom und Felssturz vom 15. Juni 2023 und bewegt sich in der steilen Schutthalde 20 bis 40 Zentimeter pro Tag talwärts. Die Geologen gehen davon aus, dass sich die Masse von selbst wieder beruhigt, sobald sie flacheres Gelände erreicht hat.

Quelle:Gemeinde Albula-Alvra, 79. Informationsbulletin zum Brienzer Rutsch, 17. November 2024

Die Gemeinde Albula-Alvra hat in Zusammenarbeit mit Experten und Expertinnen von kantonalen Amtsstellen, von Bundesämtern sowie privaten Unternehmen einen Evakuierungs- und Massnahmenplan entwickelt, welcher bei Bedarf über einen Gefahrenstufenplan abgewickelt würde.

Der Gefahrenstufenplan

Der Gefahrenstufenplan fürdie Region Brienz-Brinzauls besteht aus 5 Phasen. Jeder Phasewird je eine Farbe zugeordnet.

In der Phase GRÜN (Gefahrenstufe 1) geht von den Gesteinsmassen am Berg keine unmittelbare Gefahr aus.

Während der Phase GELB rechnet das Expertenteam damit, dass innerhalb von 2 bis 6 Wochen eine gefährliche Massenbewegung am Berg entstehen könnte.

In der Phase ORANGE geht vom Berg noch eine grössere Gefahr aus. Die Behörden fordern die Bevölkerung auf, das Dorf allenfalls mit ihren Tieren zu verlassen. Innerhalb von drei Wochen wird mit einem grösseren Rutschereignis gerechnet.

Während der Phase ROT hat sich am Berg eine Situation aufgebaut, welche das Dorf ernsthaft gefährden kann. gefährden kann. Es wird erwartet, dass das Ereignis innerhalb der nächsten vier bis zehn Tage bevor steht. Die Behörden verfügen ein totales Betretungsverbot für das evakuierte Gebiet.

Die Behörden rufen die Gefahrenstufe BLAU aus, wenn sie unmittelbar mit einem grösseren Abbruch rechnen. Der bereits gesperrte Perimeter ROT wird durch einen gesperrten Perimeter BLAU ergänzt. Im Perimeter BLAU liegen u.a. die westlich des Dorfes verlaufende Ortsverbindungsstrasse Tiefencastel auf die Lenzerheide sowie die südlich, entlang des Flusses Albula verlaufende Strassen- und Bahnverbindung von Tiefencastel nach Filisur.

Im Rutschgebiet ist im Sektor "Insel" ein Paket von rund 1,9 Millionen m3 Gestein in stetiger Bewegung in Richtung Dorf. Das Gesteinspaket besteht aus Dolomitgestein und der dolomitartiger Rauwacke. Rauwacke ist ein gelbliche, poröses Dolomitgestein.

Quelle: u.a. verschiedenen Bulletins der Gemeinde Albula-Alvra
Text: RAOnline
Auf der Website der Gemeinde Albula/Alvra (www.albula-alvra.ch) werden alle aktuellen Informationen zum Brienzer Rutsch publiziert.
Das Dorf Brienz (romanisch: Brinzauls) liegt nordöstlich von Tiefencastel (romanisch: Casti) auf rund 1'150 m ü.M. und damit rund 300 m über dem Fluss Albula (romanisch: Alvra). Im Dorf, welches an der Verbindungsstrasse von der Lenzerheide nach Davos liegt, lebten im Jahr 2020 noch rund 100 Einwohner/innen. Zur Gemeinde Albula/Alvra gehören die Dörfer Brienz/Brinzauls, Surava, Tiefencastel und Vazerol.
Die mittelalterliche Festung Belfort wurde im 13. Jahrhundert von den mächtigen Freiherren von Vaz bewohnt. Die Burgruinenanlage ist renoviert und ist zu Fuss zugänglich.

Flyschgestein

Flysch ist ein Sedimentgestein, in welchem sich Sand mit verschiedenen Korngrössen und Ton verfestigt haben. Flyschgesteine entstanden vor allem entlang von Kontinentalrädern, wo Flüsse Erosionsmaterial abgelagert hatten. Die Helvetischen Decken im Alpenraum bestehen zu einem grossen Teil aus Flyschgestein.

Dolomit

Dolomit ist eindem Kalkstein ähnliches, aus Magnesium und Calcium aufgebautes marines Sedimentgestein.

Rauwacke (Zelldolomit)

Gelblicher, poröser Dolomit mit Hohlräumen durch Auswaschung und darin einglagertem Gips.

Allgäu-FM oder Allgäuformation oder Allgäuschichten

Die Allgäuschichten wurden im Erdzeitalter Mesozoikumin den Epochen Lias und Dogger der Jura-Formation in Sedimentationsbecken der Nördlichen Kalkalpen abgelagert. Sie bestehen häufig aus kalk- und tonreichen Mergelgesteinen. Diese Schichten werden vor allem in abgerutschten Steilhängen sichtbar. (siehe auch: Faltenjura im Kanton Aargau)

Bergsturz Ein Bergsturz ist eine Massenbewegung von Felsblöcken, Geröll und Schutt mit einem Volumen von über einer Million m3 Material, das entspricht dem Volumen von 1'000 bis 2'000 Einfamilienhäusern.
Felssturz Von einem Felssturz spricht man, wenn sich Felsblöcke, Geröll und Schutt mit einem Volumen von mehr als 100m3 und weniger einer Million m3 talwärts bewegen, das ist vergleichweise das Fassungsvermögen von 500 bis 600 Badewannen.
Blockschlag Blockschlag entsteht, wenn grössere Felsbrocken bzw. Felsblöcke niedergehen.
Steinschlag Ein Steinschlag ist ein Sturzprozess, bei welchem sich kleinere Mengen von Fels-, Schutt- und Steinmaterial, oft sogar nur einzelne Steine ins Tal stürzen. Grössere Steinschlagereignisse können u.a. Verkehrsverbindungen und Wanderwege kurzzeitig blockieren.
Murgang oder Rüfe Murgänge sind eine Mischung aus Hochwasser, Erdrutsch und Felssturz. Murgänge oder Rüfen sind «Gerölllawinen».
Hangrutsch Von einer Hangrutschung spricht man, wenn festes Material wie Fels und Gestein auf einer festen Unterlage talwärts gleitet. Das kann ein jahrhundertelanger Prozess sein, kann aber auch spontan und schnell ablaufen
Quelle: WSL
Massenbewegungen
Massenbewegung Grundtypen
Massenbewegungen Felsstürze im Hochgebirge
Bergsturz am Pizzo Cengalo im Bergell/Bregaglia (GR)
Massenbewegungen im Kanton Graubünden

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