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Gesellschaft in Nepal
Dalits - Menschen am Rande der Gesellschaft

Dalits sind Angehörige der tiefste Kaste im Kastensystem der hinduistischen Gesellschaft. Sie werden als «Unberührbare» bezeichnet. Unberührbar heisst, dass ein Hindu einer höheren Kaste niemals mit einer oder einem Angehörigen dieser sozial geächteten Schicht in Kontakt kommen sollte. Auch Gegenstände, welche von Dalits berührt wurden, gelten für die höher eingestuften Hindus als unrein. Über 85% der Bevölkerung von Nepal bekennt sich zum Hinduismus. Offizielle Zahlen der Regierung besagen, dass 13% der Gesamtbevölkerung von Nepal den Dalits zugerechnet werden. Nichtregierungsorganisationen schätzen, dass der Anteil der Dalits an der Gesamtbevölkerung sogar rund 20%oder rund 5,5 Millionen Angehörige beträgt. Jeder fünfte Nepali ist ein oder eine Dalit.

Das Wertesystem der hinduistischen Gesellschaft wird Menschen, welche von einem humanitären und sozialen Gedankengut geprägten sind, als äusserst ungerecht und unsozial eingestuft.

Seit Jahrhunderten werden die Dalits als Kastenlose diskriminiert, ausgenutzt, missbraucht oder gedemütigt. Die Dalits müssen eine Reihe von Einschränkungen erdulden. Sie dürfen keine in Hindu-Tempel betreten.Während religiösen Feierlichkeiten und bei Familienfesten wird ihnen kein Essen und keine Getränke angeboten. Den Angehörigen von höheren Kasten ist es verboten, von den Dalits Lebensmittel und Milch zu kaufen.

Nur wenige Dalits besitzen Land. Ungefähr 85-90% der Madhesi-Dalits besitzen kein Land. Madhesi werden oft als Zweitklassbürger oder gar als Nichtnepali betrachtet. Von den Musahar besitzen lediglich 3-5 % Landrechte.

Die Mushar leben von der Weidewirtschaft oder sie sammeln die Überreste von Getreidekörner nach der Ernte auf dem Land von anderen Besitzern.

In den Gebieten der Dalits haben sich während den Wirren des Bürgerkriegs bewaffnete Widerstandsgruppen gebildet. Einige dieser Gruppen sind in irgend einer Form noch heute aktiv.

Die Dalits sind vielfach vom Bildungs- und Gesundheitssystem ausgeschlossen oder sie erhalten die Angebote in einer minderen Qualität. Dalits bewohnen meistens tiefliegende Landstriche entlang der Flüsse abseits der Dörfer der höheren Kasten. Dieses Land ist besonders stark den Auswirkungen von Naturkatastrophen und dadurch auch von Epidemien ausgesetzt. In den Dörfern der Dalits herrschen Hunger, Fehl- und Mangelernährung. Die Dalitbevölkerung ist daher sehr anfällig auf Krankheiten.

Die meisten Häuser der Dalits in der von den Erdbeben am stärksten betroffenen Distrikten wurden zerstört. Viele ihrer Häuser waren «Kutcha»-Häuser, deren Aussenmauern aus mit Erde gebundene Natursteinen oder Backsteinen bestehen. Häuser, welche mit der traditionellen «Kutcha»-Bauweise errichtet wurden, können stärkeren Erdbeben nicht widerstehen.

Die Regierung und das Parlament hat sich nie ernsthaft darum bemüht, die Lage der Dalits mit Gesetzesanpassungen zu verbessern. Im Gegenteil: Untersuchungen haben gezeigt, dass 58 rechtsgültige Gesetze gegenwärtig in Nepal die Dalits diskriminieren. Die Anliegen der Dalitgemeinschaft wurden in der Übergangsverfassung teilweise berücksichtigt. Im Übergangsparlament sitzen nur 5,4 % Vertreter der Dalits. Der Anteil der Dalits an der Gesamtbevölkerung beträgt hingegen gegen 20%. Die Regierung von Nepal hat einige internationale Verträge unterzeichnet, welche die Diskriminierung der Dalits ausschliessen. Die ausführenden Gesetze wurden nie in Angriff genommen.

Nach Naturkatastrophen wie den verheerenden Erdbeben in Nepal im Frühjahr 2015 werden die Dalits von den Behörden oft vergessen oder als Letze versorgt. Die ausländischen Hilfsorganisationen, welche um eine gerechte Verteilung der Hilfsgüter bemüht sind, kennen sich im sozialen "Dschungel" der nepalesischen Gesellschaft nicht aus. Die Hilfslieferungen und die Hilfeleistungen werden von den Einheimischen ab und zu bewusst umgelenkt, dass Angehörige von höheren Kasten zuerst davon profitieren. Erfahrungen nach der Tsunamikatastrophe im Jahr 2004 haben gezeigt, dass die Hilfslieferungen an Randgruppen in Indien behindert wurden. Einige internationale Hilfsorganisationen haben die Lehren aus den Ereignissen im Jahr 2004 bei ihren Einsätzen 2015 in Nepal zu wenig berücksichtigt.

Das «Dalit Civil Society Massive Earthquake Victim Support and Coordination Committee» hat die Hilfsgüterverteilung an die Dalitgemeinschaften nach den Erdbeben im Jahr 2015 in Nepal untersucht. Die Untersuchungsergebnisse hat das Komitee Ende Mai 2015 im Bericht «The Waiting for Justice: Report of Initial Findings from Immediate Needs Assessment and Monitoring Responses towards Affected Dalit Communities in Nepal Earthquake 2015» veröffentlicht. Mitglieder des Komitees und Angehörige von Menschenrechtsgruppen haben in 37 Dörfern, welche von Dalits bewohnt werden, in 65 Gesprächsrunden und 30 Sitzungen die Verhältnisse in den zehn am stärksten von den Erdbeben heimgesuchten Distrikten abgeklärt.

80% der Dalits haben in Befragungen angegeben, dass sie bei der Zuteilung der Hilfsgüter benachteiligt wurden. 60% glauben, dass die Benachteiligung wegen ihrem sozialen Status erfolgt sei. 65% sagen aus, dass die Behörden ihre Bevölkerungsgruppe bei der Gewährung von Nothilfe und bei der Zuteilung von Hilfsgüter willkürlich ausgeklammert haben. In der Denkweise dieser Behördemitglieder sei fest verankert, dass die Dalits durch ein Erdbeben nichts Zusätzliches zu verlieren hätten, sagte die Mehrheit der befragten Dalits.

Aus dem Dorf Gongambu wurde berichtet, dass ein internationales Rettungsteam verschüttete Dalits aus den Trümmern eines Hauses bergen wollten, als Regierungsvertreter die Hilfskräfte auf das Trümmerfeld eines von Nicht-Dalit bewohnten Hauses gewiesen hätten. Eine arme Dalit-Frau aus dem gleichen Dorf hat beklagt, dass die Polizeikräfte ihre Bitte um Hilfe bei der Bergung ihrer toten Familienmitglieder ignoriert hätten. Die reichen Leute im Dorf wurden rechtzeitig über die Hilfslieferungen informiert. Bei der Ankunft der Hilfskonvois waren diese Leute schon vor Ort und haben alles abgeholt, was sie brauchen konnten. Hilfsgüter wurden von diesen Leuten sofort an ihre Lieben und die nahen Verwandten weitergereicht. Für die später herbeigeeilten Armen und Dalit blieb kaum mehr etwas übrig.

Die Interviews mit Dalits haben weiter ergeben, dass in 80% der Dalit-Dörfer das Material für die Schutzunterkünfte zuerst an die Angehörigen von höheren Kasten verteilt wurde. Die Regierung machte die Zuteilung von Schutzunterkünften vom Landbesitz der Hilfeempfänger abhängig. Dalits besitzen jedoch kein Land, wo sie die temporären Unterkünfte hätten aufstellen können.

Im Dorf Dandakhark erhielten nur 36 der insgesamt 57 Dalit-Familien Zelte. Alle Angehörigen der höheren Kasten erhielten ein Zelt.

Zwei Wochen nach dem ersten Hauptbeben hat in den vom Komitee untersuchten Gebieten nur 40% der Dalits Lebensmittelhilfe erhalten. Die 40% Dalits, welche Lebensmittel erhalten haben, wunderten sich, dass Dalits lediglich eine Reispackung erhielten, Nicht-Dalits allerdings deren zwei Stück.

Ein positives Beispiel: In Rasuwa haben Angehörige von höheren Kasten 8 von 10 Reispackungen, welche sie erhalten haben, an Dalits weitergegeben. Die Dalits wären ohne diese Zuteilung in grosse Schwierigkeiten geraten.

International Dalit Solidarity Network, Non-governmental Organization based in Denmark, Mai 2015
Web: International Dalit Solidarity Network
Text: RAOnline
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Dalits oder Parias sind Kastenlose

In der modernen indischen Wirtschaft finden wir heute in den einzelnen Berufsgruppen Angehörige aus jeder Kaste. Im Gesellschaftsleben spielt das Kastendenken eine wesentlich grössere Rolle. Es ist für einen im westlichen Denken verankerten Menschen äusserst schwierig oder fast unmöglich, die Feinheiten und Abstufungen im indischen Gesellschaftssystem zu erkennen und darauf richtig zu reagieren.

Parias (Harijans)

Ein besondere Gruppe stellen die Kastenlosen, die Parias, dar. Mahatma Ghandi, der berühmte gewaltloseKämpfer für die soziale Gerechtigkeit und Staatsgründer von Indien, hat die Parias in Hirijans (= Gotteskinder) umbenennen lassen. In Nepal werden die Parias auch Dalits genannt. Die Hirijans befinden sich auf der untersten Stufe der hinduistischen Gesellschaftsordnung. Ihnen wurden und werden immer noch Arbeiten übertragen, welche in der hinduistischen Wertvorstellungen als unrein gelten. Dazu gehören u.a. die Beseitigung von Müll, das Reinigen von Büroräumen oder von Kleidern, Lederarbeiten usw. Die Kastenlosen gelten als unrein und somit "unberührbar".

Die Hirijans wurden zu Randgruppe im hinduistischen Gesellschaftssystem. Die Hirijans müssen häufig ausserhalb der Dörfer in eigenen Siedlungen leben. Wasser- und Wegerechte besitzen sie in der Regel nicht. Es ist möglich, das Hirijans die kürzeste Verbindung von ihrem Weiler zum Nachdorf nicht benutzen dürfen und einen langen Umweg in Kauf nehmen müssen, weil ihnen ein Landbesitzer einer höheren Kaste den Durchgang verwehrt.

Am 15. August 1947 erlangte Indien seine Unabhängigkeit vom britischen Königreich (Empire). Der gewaltlose Kampf von Mahatma Ghandi für die Unabhängigkeit von der Kolonialmacht fand an diesem Datum sein erfolgreiches politisches Ende. Der Kampf um soziale Gerechtigkeit ist in Indien bis in die heutige Zeit noch nicht abgeschlossen. Nach der Unabhängigkeit wurden die rechtliche Gleichheit aller indischer Staatsbürger in der Verfassung verankert. Keine soziale Gruppe oder Kaste durfte für sich Vorrechte beanspruchen. Die neuen Voraussetzungen haben es auch Harijans ermöglicht, einen politischen oder wirtschaftlichen Aufstieg zu erarbeiten. Im indischen Alltag gibt es bis heute immer noch krasse Benachteiligungen von Randgruppen und Frauen. In der Privatsphäre lebt die hinduistische Klassengesellschaft weiter. Für Angehörige von Randgruppen ist es vielfach immer noch sehr schwierig, ihre Anliegen auf dem Rechtsweg durchzusetzen. In den Köpfen von vielen Hütern der Staatsmacht wie Polizisten, Richter usw. hat sich das traditionelle hinduistische Gedankengut fest verankert.

Text: RAOnline
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