RAOnline EDU: Klima und Wetter in Österreich: 2018 mit grosser Wahrscheinlichkeit wärmstes Jahr der Messgeschichte 2018
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Klima und Wetter Österreich
Österreich 2018 wahrscheinlich wärmstes Jahr der Messgeschichte 2018
Österreich 2018: Wärmster April seit dem Jahr 1800 2018
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2018 mit grosser Wahrscheinlichkeit wärmstes Jahr der Messgeschichte

In der vorläufigen Klimabilanz der ZAMG liegt 2018 um 1,8 °C über dem vieljährigen Durchschnitt und ist das wärmste Jahr in der 252-jährigen Messgeschichte Österreichs.

Info: Diese vorläufige Klimabilanz basiert auf der ersten Auswertung der rund 270 Wetterstationen der ZAMG sowie auf der räumlichen Klimaanalyse an 84'000 Datenpunkten in Österreich mittels SPARTACUS . Die Daten der Wetterstationen reichen zum Teil bis ins 18. Jahrhundert zurück. Die SPARTACUS-Daten sind flächendeckend bis ins Jahr 1961 verfügbar.

Das Jahr 2018 im Überblick

2018 geht als aussergewöhnliches Jahr in die Klimageschichte ein. "Ganz markant waren die vielen überdurchschnittlich warmen Wetterlagen. Sechs Monate waren unter den Top 10 der jeweiligen Messreihe", sagt Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). "Wir erlebten heuer den drittwärmsten Jänner der Messgeschichte, den zweitwärmsten April, den viertwärmsten Mai, den sechstwärmsten Juni, den fünftwärmsten August und den neuntwärmsten Oktober. In der Jahresbilanz zeichnet sich derzeit sogar das wärmste Jahr der 252-jährigen Messgeschichte ab. Berücksichtigt man die Prognosen bis zum Jahresende, liegt 2018 um 1,8 °C über dem vieljährigen Mittel."

Viele sehr warme Jahre in der jüngsten Vergangenheit

2018 bestätigt den Trend zu einem immer wärmeren Klima. Von den 20 wärmsten Jahren der gesamten 252-jährigen Messgeschichte in Österreich liegen 14 in den 2000er-Jahre.

Die Top 5 der wärmsten Jahre sind: 2018 (+1,8 °C über dem Mittel 1981-2010), 2014 (+1,7 °C), 2015 (+1,4 °C), 1994 (+1,2 °C) sowie 2016, 2002 und 2000 (jeweils +1,0 °C über dem Mittel).

B - Burgenland O - Oberösterreich T - Tirol
K - Kärnten S - Salzburg V - Vorarlberg
N - Niederösterreich St - Steiermark W - Wien

Neue Rekorde bei Zahl der Sommertage

Die seit April fast durchwegs überdurchschnittlichen Temperaturen haben heuer auch extrem viele Sommertage gebracht (Höchstwert mindestens 25 °C). Die Zahl der Sommertage war grösstenteils doppelt so hoch wie in einem durchschnittlichen Jahr, in den meisten Regionen gab es neue Rekorde. An der Spitze aller ZAMG-Messstationen lag Andau im Seewinkel (B) mit heuer 127 Sommertagen. Der alte Rekord betrug 120 Sommertage im Jahr 2003 in Leibnitz (ST).

Stellenweise sehr trocken, vereinzelt Rekorde

Markant war 2018 auch die Trockenheit in vielen Regionen Österreichs, vor allem in Vorarlberg, in den nördlichen Regionen Salzburgs, in Oberösterreich und im Grossteil von Niederösterreich. Hier gab es 2018 um 20 bis 40 Prozent weniger Niederschlag als in einem durchschnittlichen Jahr. "In einigen Regionen sind sogar neue Trockenheitsrekorde zu erwarten", sagt ZAMG-Klimatologe Orlik, "in Linz zum Beispiel zeichnet sich mit einer Niederschlagsmenge von etwa 520 Millimeter das trockenste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn im Jahr 1852 ab. Das bedeutet hier rund 40 Prozent weniger Niederschlag als in einem durchschnittlichen Jahr."

Viel Regen in kurzer Zeit

2018 brachte in einigen Regionen auch sehr viel Regen in sehr kurzer Zeit, zum Teil mit Überschwemmungen und Muren.

In Graz zum Beispiel gab es am 16. April ein Gewitter, das selbst an einem Sommertag als extrem einzustufen wäre. An der ZAMG-Wetterstation in Graz-Strassgang regnete es an diesem Tag 93,4 mm. Davon kamen 78 Millimeter in nur drei Stunden zusammen. In der Innenstadt von Graz wurden stellenweise bis zu 162 Millimeter gemessen. Zum Vergleich: In einem durchschnittlichen April regnet es im gesamten Monat in Graz rund 50 Millimeter.

Ein weiteres Beispiel: Ende Oktober brachte ein Mittelmeertief in Oberkärnten und Osttirol Regenmengen, wie sie statistisch gesehen hier nur etwa alle 75 bis 150 Jahre vorkommen. Im Gailtal zum Beispiel kamen in nur drei Tagen 550 Millimetern Regen zusammen. Das ist in nur drei Tagen gut ein Drittel eines normalen Jahresniederschlags. In einem durchschnittlichen gesamten Jahr sind im Gailtal rund 1400 Millimeter zu erwarten.

Eines der sonnigsten Jahre der Messgeschichte

Die Zahl der Sonnenstunden lag 2018 in der österreichweiten Auswertung um 11 Prozent über einem durchschnittlichen Jahr. Somit gehört 2018 zu den acht sonnigsten Jahren seit Beginn der Sonnenscheinmessungen im Jahr 1925. Der sonnigste Ort aller ZAMG-Wetterstationen war 2018 Andau im Seewinkel (B) mit bisher 2283 Stunden Sonnenschein.

Phänologie: schwacher Start und enorme Aufholjagd

Der deutlich überdurchschnittlich milde Jänner begünstigte einen frühen Blühbeginn von Hasel, Schneeglöckchen und Winterling. Die relativ kalten Monate Februar und März verzögerten dann die Entwicklung der Vegetation. Die Forsythie begann erst Anfang April zu blühen, sieben bis zehn Tage später als im langjährigen Durchschnitt. In den sehr warmen Monaten April und Mai folgte eine beeindruckende Aufholjagd. Die Marillenblüte begann Anfang April bereits ziemlich genau zu ihrem durchschnittlichen Zeitpunkt. Der Flieder war mit seinem Blühbeginn im Vergleich zum Durchschnitt (um den 28. April) schon eine Woche früher dran. Die überdurchschnittlichen Temperaturen im Sommer verursachten dann extrem kurze Zeitperioden zwischen Blüte und Fruchtreife. So benötigte der Schwarze Holunder für die Fruchtreife 76 Tage - drei Wochen weniger als im langjährigen Schnitt. Durch die sommerliche Trockenheit kam es in einigen Regionen Österreichs zu einem vorzeitigen Vergilben der Blätter mit nachfolgendem Neuaustrieb.

Der Jahr 2018 im Detail

Temperatur

Das Jahr 2018 wird in Österreich mit hoher Wahrscheinlichkeit das wärmste Jahr seit Messbeginn im Jahr 1767 werden. Im Flächenmittel der österreichischen Tieflandwetterstationen ist das Jahr 2018 um 1,8 °C wärmer als das Mittel 1981-2010. Bezogen auf das Mittel des zwanzigsten Jahrhunderts beträgt die Anomalie +2,6 °C. Das bisher wärmste Jahr 2014 wurde damit um 0,1 °C übertroffen. Aufgrund der Prognoseunsicherheit bis zum Jahresende ist nicht ganz ausgeschlossen, dass bei entsprechend kaltem Wetter, das Jahr 2018 noch gleich warm wird wie das Jahr 2014.

Den grössten Beitrag zur hohen Temperaturabweichung im Jahr 2018 trugen die Monate Jänner und April bei. Der Jänner war mit einer Abweichung von +3,9 °C zum Mittel 1981-2010 der drittwärmste der Messgeschichte. Der Monat April war um 4,7 °C wärmer als das vieljährige Mittel und damit extrem warm. Ab April waren dann alle Monate wärmer als das jeweilige Mittel und die Anomalien reichten von +1,4 °C im Juli und +2,6 °C im Mai und August. Daraus ergab sich das wärmste Sommerhalbjahr (Apr-Sep) der Messgeschichte (Abw. +2,5 °C). Dass die Jahresmitteltemperatur in Österreich nicht noch aussergewöhnlicher geworden ist, lag an den Monaten Februar und März, die den Winter deutlich verlängerten. Der Februar war um 2,0 °C kälter als das Mittel und der März um 1,3 °C.

Die Regionen, die die höchsten Abweichungen zum klimatologischen Mittel zeigen, sind Vorarlberg, Teile Nordtirols, das nördliche Salzburg, Oberösterreich, weite Teile Niederösterreichs und Wien. Hier war es in den Niederungen und im Tiefland um 1,8 bis 2,3 °C wärmer als im vieljährigen Mittel. Südlich des Alpenhauptkammes lagen die Jahrestemperaturen im Tiefland weitgehend 1,3 bis 1,8 °C über dem Mittel.

Im hochalpinen Gelände, oberhalb von etwa 1500 m Seehöhe war das Jahr 2018 um 1,3 °C wärmer als das klimatologische Mittel. In diesen Gebieten gehört das Jahr 2018 zu den vier wärmsten der hochalpinen Messgeschichte. Vereinzelt, wie am Feuerkogel (O, 1618 m, Abw. +2 °C) oder auf der Schmittenhöhe (S, 1956 m, Abw. +1,7 °C), lagen die Anomalien darüber.

Niederschlag

Der Niederschlag war in Österreich im Jahr 2018 sehr ungleichmässig verteilt. Von Vorarlberg bis ins nördliche Weinviertel war es entlang und nördlich des Alpenhauptkammes ausgesprochen trocken. Während südlich der Alpen deutlich mehr Niederschlag fiel als in einem durchschnittlichen Jahr.

In der Gesamtbetrachtung summierte sich in Österreich um 10 Prozent weniger Niederschlag, also etwas mehr als in den Jahren 2011 (-15 %) und 2015 (-16 %) und deutlich mehr als 2003, wo um 19 % weniger Niederschlag zusammen kam. Jedoch waren die Niederschlagsdefizite in diesen Jahren auf alle Regionen des Landes relativ gleichmässig verteilt.

Im Jahr 2018 waren Vorarlberg, der Flachgau, Oberösterreich, und das nördliche Weinviertel von der Dürre besonders betroffen. In Oberösterreich fiel im Flächenmittel um 20 Prozent weniger Niederschlag, so wenig etwa wie im Jahr 2003. Ausgenommen von Jänner und Dezember waren alle Monate in Oberösterreich flächendeckend oder zu einem grossen Teil deutlich zu trocken. In Verbindung mit den hohen Temperaturen, die schon im April vorherrschten, war die Verdunstung dementsprechend hoch, was zu einer Verschärfung der Dürre beitrug.

Linz wird mit einer Niederschlagsmenge von etwas mehr als 520 mm das trockenste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn im Jahr 1852 erleben. Das Defizit liegt hier bei rund 40 Prozent. Das bisher trockenste Jahr war das Jahr 1971 mit insgesamt 572 mm. Aber in Ried im Innkreis und Bad Ischl waren um rund 35 Prozent trockener als im Mittel. In Ried wird es das dritt-, in Bad Ischl das sechsttrockenste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn werden.

Ausgeglichen waren die Niederschläge entlang des Alpenhauptkammes von Nordtirol bis zum Semmering, in Unterkärnten, im Burgenland, in Wien sowie in Teilen der Südsteiermark und des Wein- und Industrieviertels.

Deutlich mehr Niederschlag, verglichen mit dem klimatologischen Mittel, fiel in Osttirol, Oberkärnten und in der Steiermark von der Packalpe bis zur Buckligen Welt. In diesen Gebieten summierte sich um 10 bis 27 Prozent mehr Niederschlag. Vor allem die Monate Februar, März, Mai, August und Oktober sorgten hier für diesen Überschuss.

Quelle: Text Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik Österreich ZAMG , 20. Dezember 2018
Schweiz Hitzesommer 2018
2018 ist das wärmste Jahr in Deutschland seit Messbeginn 1881

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