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Geomorphologie Schweiz |
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Landschaft des Jahres 2025 |
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Solidarisches Handeln für eine Kulturlandschaft im Klimawandel
Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL-FP) zeichnet das Valle Bavona TI als «Landschaft des Jahres 2025 aus. Preisträgerinnen sind die Fondazione Valle Bavona und die Gemeinde Cevio. Damit würdigt die SL-FP einerseits die langjährige Pflege der traditionellen Kulturlandschaft im Valle Bavona und andererseits die Absicht der Fondazione Valle Bavona und der Gemeinde, die Zukunft des von Unwettern betroffenen Gebiets gemeinsam mit der Bevölkerung zu gestalten.
Die Auszeichnung in Kürze
Seit 2011 ernennt die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL-FP) jedes Jahr eine «Landschaft des Jahres». Die SL-FP beleuchtet damit die Werte der schweizerischen Landschaften und würdigt das lokale Engagement für die Landschaftspflege.
Gestiftet wird der Preis vom Migros-Genossenschafts-Bund und von Balthasar Schmid, Meggen. Die Preissumme beträgt Fr. 10'000.-
Begründung für die Landschaft des Jahres 2025 Val Bavona:
● Langjähriges hohes Engagement für den Erhalt und die Pflege der traditionellen Kulturlandschaft
● Über Jahrzehnte aufgebautes Landschaftswissen
● Langjähriges solidarisches Engagement zugunsten der Landschaft durch eine gemeinnützige Organisation, die lokale Bevölkerung und Externe
● Zusammenführung von staatlicher Verantwortung und gemeinnütziger Erfahrung
● Umsichtiges Handeln für Landschaft und Gesellschaft auch in einer Notfallsituation
● Partizipatives Handeln in der Landschaftsentwicklung- Exemplarisches Vorgehen hinsichtlich der zunehmenden Naturgefahren durch die Klimaerwärmung - Offenheit und Neugierde für landschafts- und klimagerechte Entwicklungen
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Wie karg die Menschen in den Tessiner Bergtälern über Jahrhunderte lebten, ist im Valle Bavona bis heute sichtbar und spürbar. Das noch ursprüngliche Tal zählt sowohl zum Bundesinventar der schützenswerten Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) als auch zum Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS).
Seit 1990 pflegt die Fondazione Valle Bavona diese wertvolle traditionelle Kulturlandschaft, von den Kastanienselven und terrassierten Anbaugebiete über die Wege, Trockenmauern, Wohn- und Wirtschaftsgebäude bis zu den Splüi, den An- und Unterbauten bei grossen Felsblöcken. Damit trägt die Fondazione Valle Bavona grundlegend zur Sicherung der hohen nationalen Schutzziele bei. Diese Landschaftspflege wäre nicht möglich ohne zahlreiche Freiwillige und Spenden aus der nahen und fernen Bevölkerung. Die Schönheit des Tals ist der aktiven Teilhabe vieler Menschen und Organisationen und ihrem gemeinnützigen Handeln zu verdanken. So gelingt es, eine Natur- und Erinnerungslandschaft von seltener Qualität aufrecht zu erhalten.
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Ende Juni 2024 gingen über Teilen des Valle Bavona schwere Unwetter nieder. Besonders der Bach Larecchia im Bereich Fontana-Mondada-Bosco führte der Hochwasser und schob über 300‘000 Kubikmeter Geröll ins Tal. Menschen starben, Häuser wurden auseinandergerissen, und seither bedecken teils gigantische Felsblöcke landwirtschaftliche Flächen und Teile der traditionell gepflegten Kulturlandschaft.
Nach Notfallmassnahmen wie der Sicherung der Wasserleitung und der Strasse stellt sich die Frage nach der Zukunft der betroffenen Gebiete. Teilweise dürfte dafür die aktualisierte Gefahrenkarte des Kantons bestimmend werden, die im Sommer 2025 vorliegen wird. Weiter sollen einige kleinere landwirtschaftliche Flächen so bald wie möglich wieder nutzbar sein.
Doch wie soll die Landschaft zwischen Fontana und Mondada künftig gesamthaft aussehen? Anstatt eilig den vorherigen Zustand wiederherzustellen, wollen die Fondazione Valle Bavona und die Gemeinde diese Frage in einem partizipativen Prozess mit der Bevölkerung beantworten. Sie haben eine Projektorganisation aufgebaut, an der auch der Kanton Tessin beteiligt ist, und führen damit staatliche Verantwortung und langjähriges Wissen und Erfahrung in der Landschaftspflege zusammen.
Die Steuerungsgruppe von Gemeinde, Fondazione Valle Bavona und Kanton hat das Vorgehen sowie Grundsätze und Ziele festgelegt. Unterstützt von Expertinnen und Experten aus Geschichte, Landschaft und Infrastrukturbau soll ein von der Bevölkerung mitgetragener Landschaftsentwurf für das betroffene Gebiet entstehen. Er soll einerseits Spuren der Ereignisse sichtbar halten und andererseits die Bedürfnisse von Menschen und Natur mit Blick auf die Zukunft integrieren. Die Schutzziele des BLN und des ISOS sollen respektiert und Schutzbauten gestalterisch sorgfältig in die Landschaft eingefügt werden. Eine zentrale Rolle spielen die Klimaerwärmung, die zunehmenden Naturgefahren und die Frage, wie man im Valle Bavona mit diesen Unsicherheiten umgehen kann.
Dieses Vorgehen kann für eine Landschaftsform sorgen, die nicht von oben aufgezwungen wird, sondern in den Bedürfnissen der Natur und den Werten der Menschen vor Ort wurzelt. Dabei kann die Bevölkerung auch die Trauer über die Ereignisse verarbeiten. Ein wesentliches Anliegen ist zudem, die Landschaftspflege von hoher Qualität weiterzuführen.
Die Mitwirkung soll im Sommer 2025 starten und der Masterplan bis 2027 vorliegen. Die Umsetzung dürfte über das Jahr 2030 hinausreichen. Die Kosten dafür schätzen die Verantwortlichen auf 5 bis 10 Millionen Franken - zusätzlich zu den 10 Millionen Franken, welche die Gemeinde Cevio für Massnahmen an der Infrastruktur benötigt. Für das Projekt ist eine Fundraisingkampagne geplant.
Auch wenn sich das Valle Bavona kaum mit Alltagslandschaften vergleichen lässt, ist das Vorgehen der Fondazione und der Gemeinde Cevio übertragbar. Es zeigt, dass der Einbezug gemeinnütziger Akteurinnen in die Zukunftsgestaltung ergiebig ist. Die Erfahrung der Fondazione Valle Bavona kamen Landschaft und Gesellschaft bisher zugute, und sie kommen ihnen in dieser schwierigen Situation zugute. Gemeinde und Bevölkerung können darauf abstützen und aufbauen. Relevant ist zudem das Netzwerk der Fondazione Valle Bavona aus freiwilligen Helferinnen und finanziellen Unterstützern. Mit dieser «Landschaft des Jahres» unterstreicht die SL-FP darum auch ihre Anerkennung für gemeinnützige Akteurinnen und Akteure und für solidarisches Handeln in der Landschaftspflege. Der Erhalt einer Natur- und Erinnerungslandschaft von der Qualität und Schönheit des Valle Bavona gelingt, wenn sich viele Menschen und Organisationen beteiligen. Das gilt auch für die Zukunft: Solidarisches Handeln für eine Kulturlandschaft im Klimawandel bedeutet, an die anderen zu denken - an die von Naturgefahren betroffenen Menschen und Landschaften, und sie zu unterstützen. So bleibt Landschaftspflege auch in wirtschaftlich wenig genutzten und peripheren Tälern möglich. Und davon profitieren viele: Wenn in diesen Tagen etwa der Tourismus im Valle Bavona wieder aufblüht, dann verdankt er seine Grundlage - die schöne Landschaft - dem solidarischen Handeln.
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Fondazione Valle Bavona
Seit 1990 engagiert sich die Fondazione Valle Bavona für den Erhalt, den Schutz und die Förderung der Landschaft im Val Bavona. Sie hat zahlreiche Aufwertungsprojekte im Kulturland und in den Siedlungen des Tals umgesetzt und vermittelt den grossen Wert dieser traditionellen Kulturlandschaft im Rahmen vieler öffentlicher Aktivitäten.
www.bavona.ch
Stiftung Landschaftsschutz Schweiz SL-FP
Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL-FP) ist die Stimme der Landschaft in der Schweiz. Zusammen mit ihren Partnern und der Bevölkerung engagiert sie sich für die Vielfalt und die Qualitäten unserer Landschaften. Die SL-FP will sowohl die Landschaftsperlen erhalten als auch Landschaften, die in ihrem Charakter beeinträchtigt sind, aufwerten. Dies immer mit dem Ziel, den Landschaftswandel aktiv mitzugestalten und neue Landschaftsqualitäten zu schaffen. Die SL-FP agiert auf allen Staatsebenen, in ländlichen und städtischen Räumen. Sie fördert einen Ausgleich der Anliegen von Mensch und Natur in der Landschaft und handelt im Sinne eines umfassenden Landschaftsverständnisses und einer starken Nachhaltigkeit. In ihrer Arbeit wirkt die SL-FP als unabhängige, vermittelnde und lösungsorientierte Partnerin auf dem gemeinsamen Weg zu Landschaften, in denen sich alle wohlfühlen.
www.sl-fp.ch
Die Landschaften des Jahres
Seit 2011 ernennt die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL-FP) jedes Jahr eine Landschaft des Jahres. Sie kommuniziert damit die Werte der schweizerischen Landschaften informiert über deren Gefährdungen und honoriert das lokale Engagement für die Landschaftspflege.
Gestiftet wird der Preis vom Migros-Genossenschafts-Bund und von Balthasar Schmid, Meggen. Die Preissumme beträgt Fr. 10'000.-
Bisherige Auszeichnungen:
2011 Val Sinestra GR
2012 Birspark-Landschaft BL
2013 Campagne genevoise GE
2014 Val di Muggio TI
2015 Innerrhoder Streusiedlung AI
2016 Wildheulandschaft Isenthal UR
2017 Energieinfrastrukturlandschaft am Aare-Hagneck-Kanal BE
2018 Le paysage sacré des abbayes et monastères du bassin de la Sarine FR
2019 Moorwälder der Ibergeregg SZ
2020 Hangbewässerungslandschaft der Oberwalliser Sonnenberge VS
2021 Tourismusinfrastrukturlandschaft Chäserrugg / Toggenburg SG 2022 Paysages d'allées du Val-de-Ruz NE
2023 Klettgau SH - Agrarlandschaft im Zeichen der Biodiversität
2024 Weilerlandschaft am Frienisbergplateau BE
2025 Valle Bavona TI - solidarisches Handeln für eine traditionelle Kulturlandschaft im Klimawandel
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