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Zwerggalaxien: Neue Theorie 2008
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Neue Theorie zur Entstehung von Zwerggalaxien klärt offene Fragen
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Astronomen der Universität Zürich postulieren eine neue Theorie zur Entstehung von Zwerggalaxien. In einer Veröffentlichung im «Astrophysical Journal» lösen Elena D'Onghia und George Lake mehrere bisher offene Probleme durch Vergleich von beobachteten Zwerggalaxien mit Supercomputersimulationen ihrer Entstehung (Astrophysical Journal Letters, Volume 686, Nr. 2, p. L61).

Entstehung und Eigenschaften von Zwerggalaxien zu erklären, verursachte bisher grosse Schwierigkeiten. «Vor zehn Jahren hat mein Team an der Universität in Washington herausgefunden, dass unsere kosmologischen Modelle 30 bis 50 mal mehr kleine Objekte vorhersagen, als wir beobachten. Wären die Zahlen ungefähr gleich gewesen, wäre dem Modell ein schneller Erfolg sicher gewesen. Gäbe es keine Zwerggalaxien, hätten wir vielleicht einen Weg gefunden, ihre Entstehung in der Simulation zu unterbinden», sagt der führende Autor George Lake und folgert: «So aber standen wir vor der Frage: 'Wie schaffen wir es, die meisten der Zwerggalaxien an ihrer Entstehung zu hindern, aber nicht alle?'»

Die gängigste Theorie, um die Entstehung vieler leuchtender Zwerggalaxien zu verhindern, ist, dass gewisse Ereignisse im frühen Universum das Gas entfernten, aus dem sich Sterne hätten formen können. Das erste dieser Ereignisse ist die globale Erhitzung und Reionisation des Universums, die sich während einer Milliarde Jahren nach dem Urknall ereignet haben. Gemäss dieser Theorie entgeht der kleine Anteil der Zwerggalaxien, der sich schnell genug gebildet hatte, der Zerstörung. «Obwohl dies eine interessante Idee ist, liefert sie keine Erklärung dafür, dass die meisten Zwerge Sterne haben, welche viel später entstanden sind», sagt Lake.

Der neue Ansatz: Es beginnt mit der Gruppierung

Fragen aufgeworfen hat bisher auch die Formation von Zwerggalaxien: Zwerggalaxien sind nämlich seltsam gruppiert. «Sie sind 'kontaktfreudig' und ordnen sich in Gruppen an - sowohl innerhalb unserer Galaxie wie auch in nahe gelegenen Formationen», fährt Co-Autorin Elena D'Onghia fort. «Man könnte fast meinen, sie würden Schneewittchen kennen, da sieben 'unserer Zwerge' mit den Magellanschen Wolken verbunden sind -den grössten Ablegern der Milchstrasse, die gut sichtbar sind, wenn man das Glück hat, den Himmel aus der südliche Hemisphäre beobachten zu können.»

Dass sich Galaxien im Universum hierarchisch formen, weil viele ihrer Bestandteile in Gruppen von kleineren Objekten eintreffen, haben Forscher bereits früher bemerkt. «Der entscheidende Faktor ist jedoch nicht, dass diese Zwerggruppen Gruppen sind, sondern dass sie einen 'Zwergenführer' oder 'Elternteil' haben. Wenn durch ein Ereignis im frühen Universum Gas aus den kleinsten Objekten heraus geschleudert wird, führt der Zwergenführer dieses Gas mit und ermöglicht so den kleinen Kameraden, es zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzunehmen» sagt D'Onghia.

Lake und D'Onghia haben all diese Teile des Puzzles zusammengefügt und stellen die Theorie auf, dass die Magellanschen Wolken die grössten Mitglieder einer Gruppe von Zwerggalaxien sind, welche vor nicht allzu langer Zeit in den dunkeln Milchstrassen-Halo eintraten. Sieben der elf hellsten Satellitengalaxien unserer Milchstrasse waren Teil dieser Gruppe.

Neue Simulationen, die an der Universität Zürich durchgeführt wurden, zeigen, dass es für Zwerggalaxien typisch ist, sich in Gruppen zu formieren und zu einem späten Zeitpunkt in grosse Galaxien einzutreten. Gezeitenkräfte spalten diese Gruppen und verteilen die leuchtenden Zwerge auf der Milchstrasse. Auf diese Weise entstehen die Satellitengalaxien, welche wir heute beobachten.

Diese neuen Forschungsergebnisse von Lake und D'Onghia korrespondieren auch mit Messungen, welche erst neulich von Forschern der Harvard Universität, unter ihnen Nitya Kallivayalil und Gurtina Besla, durchgeführt wurden. Diese weisen darauf hin, dass sich die Magellanschen Wolken schneller bewegen als bisher angenommen und dass sie vielleicht erst kürzlich in die Milchstrasse eingetreten sind. «Das von D'Ongia und Lake vorgeschlagene Szenarium passt gut zu diesen Beobachtungen und könnte viele Eigenschaften des Satellitenbestandes der Milchstrasse erklären», erklärt Lars Hernquist von der Harvard Universität.

Die Theorie von Lake und D'Onghia löst verschiedene Probleme im Zusammenhang mit der Entstehung von Galaxien und macht klare Voraussagen, welche in Kürze getestet werden. Eine dieser Voraussagen ist, dass bei isolierten Zwerg- und Satelliten-Galaxien Begleiter gefunden werden. Tatsächlich wurde seit dem erstmaligen Kursieren ihrer Theorie im Juli entdeckt, dass die Zwerggalaxie Leo IV einen kleinen Begleiter Leo V hat. Auch die Existenz nahe gelegener Zwergengemeinschaften unterstützt diese Theorie.

Spitzenforschung am Physik-Insitut der Universität Zürich

Die Astronomen Lake und D'Onghia sind beide am Institut für Theoretische Physik der Universität Zürich tätig. Dieses Institut ist bekannt für seine Pionierarbeit in der Relativitätstheorie und in der Kosmologie. Erst kürzlich hatte es führende Vorhersagen zu Verteilung und Eigenschaften der Dunkeln Materie im Universum gemacht.

Quelle: Text Universität Zürich, Oktober 2008
Der Himmel wie Planck ihn sieht
Planck fotografiert den Himmel Video Artikel

Der ESA-Satellit Planck kartiert das Universum. Am Ende seiner Mission im Jahr 2012 hat der Satellit den Himmel insgesamt viermal vollständig abgetastet. Der erste komplette Datensatz der kosmischen Mikrowellen- Hintergrundstrahlung steht ab 2012 zur Verfügung stehen.

Dunkle Materie
95 Prozent der bisher gewonnenen Erkenntnissen der Kosmologie bilden so genannte Dunkle Energie und Dunkle Materie, deren physikalische Natur bislang völlig ungeklärt ist. Die Dunkle Energie erfüllt das Universum homogen und bewirkt, dass es beschleunigt expandiert. Die Dunkle Materie macht sich bei vielen astrophysikalischen Beobachtungen durch ihre Schwerkraftwirkung bemerkbar. Quelle: Karlsruhe Institute of Technology
Schwarzes Loch
Supermassereicher Raum im Zentrum einer Galaxie.
Um Schwarze Löcher herum bewegen sich Gaswolken. Wenn das Gas am schwarzen Loch vorbei fliegt, kehrt es seine Bewegungsrichtung um.
Die ersten superschweren Schwarzen Löcher sind kurz nach dem Urknall entstanden. Die superschweren Schwarzen Löcher haben sich vor 13 Milliarden Jahren durch die Kollision von Galaxien gebildet.
Riesige Galaxien und supermassive Schwarze Löcher entstehen schnell. Kleine Galaxien dagegen - wie z.B. unsere eigene Galaxie, die Milchstrasse, und ihr vergleichsweise kleines Schwarze Loch im Zentrum - sind langsamer entstanden. Dieses ist mit etwa 1 Million Sonnenmassen deutlich kleiner als die 1 Milliarde Sonnenmassen, welche die simulierten Schwarzen Löcher wiegen.

Supernova (Mrz: Supernovae)
Explosion eines Sterns am Ende seiner Lebenszeit.
Innerhalb weniger Tage blähen sie sich um ein Vielfaches auf und schleudern einen Grossteil ihrer Materie ins Universum. Solche Phänomene sind oft nur während wenigen Monaten sichtbar und verblassen danach sehr stark. Supernovae emittieren ultraviolettes Licht
Die Materie, aus der die Erde besteht, entstand vor Milliarden von Jahren in einer Supernova und wurde dann bei der Explosion in den Weltraum geschleudert.
Zwerggalaxie
Extragalaktisches Sternensystem, welches in der Morphologie den normalen Galaxien ähnlich ist, aber eine geringere absolute Helligkeit hat.
Magellansche Wolken
Zwei irreguläre Zwerggalaxien in nächster Nähe der Milchstrasse; Teil der Lokalen Gruppe; benannt nach Ferdinand Magellan, dem ersten Europäer, der die beiden Wolken anlässlich seiner Weltumseglung 1519 beschrieb.
1 Lichtjahr
Weg des Lichts, das sich während eines Erdjahres ausbreitet = ca. 365 Tage . 24 h . 3'600 sec . 300'000 km/sec = 9,461 . 1012 km = 9,461 Billionen km

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