Viele Menschen waren ins Meer gespült worden; andere wurden unter dem Schutt begraben, der sich nach den Flutwellen und Erdrutschen angesammelt hatte. Insgesamt wurden mindestens eine Viertelmillion Menschen obdachlos. Nach dem Hurrikan «Jeanne» wird Haiti von einer Welle der Gewalt heimgesucht. UNO-Blauhelme berichten von Plünderungen von Lebensmittellieferungen und brutalen Schlägereien um die wenigen zu verteilenden Nahrungsmittel. Schon vor dem Sturm war die Sicherheitslage wegen der Nachwehen des Bürgerkriegs Anfang Jahr angespannt. Nun drohen vor allem in der am stärksten heimgesuchten Stadt Gonaïves anarchische Zustände. Hunderte Häftlinge, die aus dem überfluteten Gefängnis entkommen waren, liefen frei in den Strassen herum. Die internationale Hilfe kommt nur zäh in Gang. Gonaïves liess sich auch am Mittwoch (Ortszeit) nur mit Geländefahrzeugen erreichen. Andere überflutete Gebiete im Norden des Landes blieben komplett von der Aussenwelt abgeschnitten. Mindestens 170 000 Menschen sind weiter ohne Wasser und Nahrungsmittel. In der Stadt Gonaïves herrschen katastrophale Zustände. Die Behörden begannen mit der Beisetzung der Opfer in Massengräbern. Angesichts der schlechten hygienischen Bedingungen warnen die Regierung und Hilfsorganisationen vor dem Ausbruch von Cholera und Typhus. Vor allem in den Schulen und Gesundheitszentren müsse die Entsorgung von Abwässern wieder in Stand gestellt werden, betonte er. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) besteht hingegen durch die vielen Leichen keine gesundheitliche Gefahr für die überlebenden. Das Welternährungsprogramm (WFP) brachte inzwischen 93 Tonnen Lebensmittel in die am stärksten betroffene Region von Gonaïves. Die UNO-Organisation konnte bislang Nahrungsmittel an 28 000 Menschen verteilen.
In
der Provinz Provinz Sichuan ergeben sich für die Hilfskräfte
grosse Probleme, die Bevölkerung mit Trinkwasser und Nahrungsmittel
zu versorgen. In den Hochwassergebieten muss desinfiziert werden. Erstmals
seit dem Bau der Staumauer des Drei-Schluchten-Dammes gab es eine Flutwarnung
für das grösste Wasserkraftprojekt der Erde. Der Wasserstand
stieg so hoch, dass Schiffe nicht mehr fahren dürfen. Das Hochwasser
zeigt, dass der Damm nur bedingt in der Lage ist, die Gebiete am Unterlauf
des Jangtsekiang vor überflutungen zu schützen.
Ein Wasserstrom floss durch das Stadtzentrum von Dazhou (Sichuan). Viele Teile der Stadt waren noch ohne Strom, Gas und Wasserversorgung. Im Süden Chinas kam in der Provinz Yunnan bei einem Erdrutsch ein Mensch ums Leben. Fünf wurden in den Erdmassen vermisst. Ebenso gingen heftige Regenfälle über der Provinz Guizhou nieder und richteten Millionenschäden an. Etwa 1000 Menschen sind in diesem Sommer bereits in China durch überschwemmungen und Erdrutsche ums Leben gekommen. Aus vielen Teilen der Erde werden gegenwärtig verheerende Überschwemmungen (Japan, Portugal, Florida USA, Karibik usw.) gemeldet. Vertreter des IKRK vermuten, dass die Häufung der Schadensereignisse auf die Klimaveränderung zurückzuführen ist. Wissenschaftler vermuten, dass die starke Energiezufuhr in die Atmosphäre zu einer grösseren Niederschlagstätigkeit führen wird. |