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Armut in der Schweiz
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2010: Working-Poor - Erwerbsarmut - Armut trotz Erwerbstätigkeit
2010 waren 120'000 Erwerbstätige in der Schweiz von Armut betroffen

Aufgrund der geänderten Datengrundlage sowie konzeptionellen Änderungen sind die Analysen zur Situation der erwerbstätigen Bevölkerung nicht vergleichbar mit der bis anhin durch das BFS publizierten Working-Poor-Quote.

In der Schweiz waren 2010 rund 120'000 Erwerbstätige von Armut betroffen. Zwischen 2008 und 2010 ist die Armutsquote der erwerbstätigen Bevölkerung von 5,2 Prozent auf 3,5 Prozent zurückgegangen. Dies zeigt die neuste Publikation des Bundesamtes für Statistik (BFS) auf der Grundlage der überarbeiteten Armutsstatistik.

Die Erwerbsarmut hat zwischen 2008 und 2010 abgenommen

In der Schweiz waren 2010 3,5 Prozent aller Erwerbstätigen von Armut betroffen. Dies entspricht rund 120'000 Personen. Im Vergleich zu 2008 (5,2 Prozent) ist die Armutsquote der erwerbstätigen Bevölkerung somit deutlich gesunken. Dies kann mit der positiven Arbeitsmarktsituation in den Jahren 2006 bis 2008 erklärt werden, da die Armutsquote jeweils mit einiger Verzögerung der Arbeitsmarktentwicklung folgt. Die mediane Armutslücke der Erwerbstätigen ging im beobachteten Zeitraum ebenfalls von 31,6 Prozent auf 18,9 Prozent zurück. Die Armutslücke misst den mittleren Abstand der Einkommen der armen Bevölkerung zur Armutsgrenze und gibt dadurch an, wie stark diese von Armut betroffen ist.

Alleinerziehende und Personen in unsicheren Arbeitsverhältnissen sind besonders betroffen

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Mit einer Armutsquote von 19,9 Prozent sind Personen in Einelternfamilien mit Kind(ern) am häufigsten von Erwerbsarmut betroffen. Weitere besonders betroffene Gruppen sind alleinlebende Erwerbstätige (6,7 Prozent), Frauen (4,8 Prozent), Erwerbstätige ohne nachobligatorische Schulbildung (6,7 Prozent) und Personen in Haushalten mit nur einer/einem Erwerbstätigen (7,3 Prozent). Bei zwei Erwerbstätigen im Haushalt beträgt die Armutsquote dagegen lediglich 1,4 Prozent.

Die Einkommenssituation der Erwerbstätigen wird auch wesentlich durch die Arbeitsform und-bedingungen bestimmt. So sind Personen, die nur einen Teil des Jahres einer Erwerbstätigkeit nachgehen (7,4 Prozent) und überwiegend Teilzeitangestellte (5,2 Prozent) besonders von Armut betroffen. Dasselbe gilt für Selbständige ohne Angestellte (9,9 Prozent), Personen mit befristeten Arbeitsverträgen (6,3 Prozent), Erwerbstätige mit atypischen Arbeitsbedingungen wie Wochenendarbeit, Nachtarbeit und/oder fremdbestimmten unregelmässigen Arbeitszeiten (3,4 Prozent) sowie Personen, die im Gastgewerbe (7,7 Prozent) oder in privaten Haushalten (8,3 Prozent) tätig sind.

Schweizer Erwerbstätige sind weniger armutsgefährdet als der europäische Durchschnitt

Um die Situation in der Schweiz mit anderen Ländern vergleichen zu können, wird die international gebräuchliche Armutsgefährdungsquote verwendet.

Im europäischen Vergleich liegt die Schweiz mit einer Armutsgefährdungsquote der Erwerbstätigen von 7,7 Prozent unter dem Durchschnitt der Europäischen Union von 8,4 Prozent. Bis auf Italien (9,4 Prozent) weisen die direkten Nachbarstaaten tiefere Armutsgefährdungsquoten aus als die Schweiz (Deutschland 7,2 Prozent, Frankreich 6,2 Prozent, Österreich 4,9 Prozent).

Auch im Hinblick auf die materielle Versorgung, die durch die Quote der erheblichen materiellen Entbehrung gemessen wird, sind die Erwerbstätigen in der Schweiz gut gestellt: Die Quote der Schweiz liegt mit 1,1 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt aller europäischen Länder (5,2 Prozent) und auch unterhalb derjenigen der direkten Nachbarländer (Italien 4,4 Prozent, Frankreich 3,6 Prozent, Deutschland 2,7 Prozent, Österreich 2,6 Prozent).

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Armutsgefährdung im europäischen Vergleich 2010: Diagramme
Armutsgefährungsquoten der Erwerbstätigen Materielle Entbehrungen der Erwerbstätigen
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Die Armutsstatistik des BFS wurde überarbeitet

Die präsentierten Resultate stammen aus der gleichzeitig erscheinenden Publikation «Armut in der Schweiz: Konzepte, Resultate und Methoden», die erstmals eine umfassende Analyse zur Armut der Schweizer Wohnbevölkerung auf Basis der überarbeiteten Armutsstatistik darstellt und auch besonders auf die Situation der erwerbstätigen Bevölkerung eingeht. Neu basiert die Armutsstatistik auf der Erhebung über die Einkommen und Lebensbedingungen (SILC), die repräsentative Ergebnisse für die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz liefert. Aufgrund der geänderten Datengrundlage sowie konzeptionellen Änderungen sind die Analysen zur Situation der erwerbstätigen Bevölkerung nicht vergleichbar mit der bis anhin durch das BFS publizierten Working-Poor-Quote.

Definitionen und Konzepte

Armut: Finanzielle Armut kann nach zwei geläufigen Ansätzen definiert werden: dem absoluten und dem relativen Ansatz. Die Armutsquote basiert auf einer «absoluten» Schwelle: Als arm gelten demnach Personen, die nicht über die Mittel verfügen, um die für ein gesellschaftlich integriertes Leben notwendigen Güter und Dienstleistungen zu erwerben. Dieser Definitionsansatz bezieht sich somit auf das soziale Existenzminimum. Damit bildet die Armutsquote eine Grundlage für die Evaluation der Sozialpolitik.

Armutsgrenze: Die Armutsgrenze setzt sich zusammen aus einem Pauschalbetrag für den Lebensunterhalt, den individuellen Wohnkosten sowie monatlich 100 Franken pro Person ab 16 Jahren für weitere Auslagen. Im Jahr 2010 betrug sie durchschnittlich rund 2250 Franken pro Monat für eine Einzelperson und rund 4000 Franken für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren.

Armutsgefährdungsquote: Die Armutsgefährdungsquote basiert auf einer «relativen» Schwelle: Als armutsgefährdet gelten Personen mit einem verfügbaren Äquivalenzeinkommen, das deutlich unter dem üblichen Einkommensniveau in dem betreffenden Land liegt. Armut wird somit als eine Form der Ungleichheit betrachtet. Vereinbarungsgemäss setzt die Europäische Union die Armutsgefährdungsgrenze bei 60 Prozent (OECD: 50%) des Medians des verfügbaren Äquivalenzeinkommens an. 2010 belief sie sich auf rund 2350 Franken pro Monat für eine Einzelperson und rund 5000 Franken pro Monat für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren.

Materielle Entbehrung: Die Quote der erheblichen materiellen Entbehrung wird beschrieben als finanziell bedingter Mangel in mindestens vier von neun europaweit koordinierten Kategorien: in der Lage sein, unerwartete Ausgaben in der Höhe von 2000 Franken zu tätigen; in der Lage sein, eine Woche Ferien pro Jahr weg von zu Hause zu finanzieren; keine Zahlungsrückstände (Hypothekenraten oder Miete, laufende Rechnungen, Ratenzahlungen für Mietkauf oder andere Darlehensrückzahlungen); in der Lage sein, jeden zweiten Tag eine fleisch- oder fischhaltige Mahlzeit (oder vegetarische Entsprechung) zu haben; in der Lage sein, die Wohnung ausreichend zu heizen; im Besitz einer Waschmaschine sein (oder Zugang zu einer Waschmaschine haben); im Besitz eines Farbfernsehers sein; im Besitz eines Telefons sein; im Besitz eines Autos sein.

Häufigster Erwerbsstatus: Als Erwerbstätige gelten hier alle Personen ab 18 Jahren, die während des Kalenderjahres vor dem Interview (= Referenzperiode der Einkommen in SILC) mehrheitlich, d.h. in mindestens der Hälfte aller Monate, angestellt oder selbständig erwerbend waren.

Median: Der Median oder Zentralwert teilt die nach Grösse geordneten Beobachtungswerte in zwei gleich grosse Hälften. Die eine Hälfte der Werte liegt über, die andere unter dem Median.

Verfügbares Haushaltseinkommen: Das Bruttohaushaltseinkommen fasst alle Einkommen sämtlicher Mitglieder eines Privathaushalts zusammen (Einkommen aus unselbständiger und selbständiger Erwerbstätigkeit, Renten und Sozialtransfers, Vermögenserträge usw.). Die in SILC 2010 erhobenen Einkommensdaten beziehen sich auf das Jahr 2009. Das verfügbare Haushaltseinkommen wird berechnet, indem man vom Bruttohaushaltseinkommen die obligatorischen Ausgaben, d.h. Sozialversicherungsbeiträge, Steuern, Krankenkassenprämien für die Grundversicherung, Alimente und andere zu leistende Unterhaltsbeiträge abzieht.

Verfügbares Äquivalenzeinkommen: Das verfügbare Äquivalenzeinkommen wird anhand des verfügbaren Haushaltseinkommens berechnet, indem die Grösse und Zusammensetzung der Haushalte berücksichtigt wird. Um den Einsparungen Rechnung zu tragen, die sich aus dem gemeinsamen Wirtschaften eines Haushalts mit mehreren Personen ergeben (eine vierköpfige Familie hat nicht viermal so hohe Ausgaben wie eine alleinlebende Person, um denselben Lebensstandard zu erreichen), werden die einzelnen Personen des Haushalts gewichtet: Dem ältesten Haushaltsmitglied wird dabei das Gewicht 1 zugewiesen, jeder weiteren Person ab 14 Jahren das Gewicht 0,5 und jedem Kind unter 14 Jahren das Gewicht 0,3 (modifizierte OECD-Skala). Das auf diese Weise ermittelte verfügbare Äquivalenzeinkommen wird anschliessend jedem Haushaltsmitglied zugeordnet.

Genauigkeit der Ergebnisse: Alle auf der Basis einer Stichprobe ermittelten Schätzungen sind mit einer Unsicherheit behaftet, da lediglich ein Teil der Population (Stichprobe) verwendet wurde, um ein Merkmal der Gesamtbevölkerung zu schätzen. Diese Fehlermarge kann quantifiziert werden, indem ein Vertrauensintervall berechnet wird, das umso enger ist, je genauer die Resultate sind. Mit dem Begriff des Vertrauensintervalls wird ausgedrückt, dass sich der wahre Wert der Merkmale der Gesamtpopulation mit sehr grosser (95%-iger) Wahrscheinlichkeit innerhalb des Intervalls befindet.

Genauer gesagt bedeutet dies, dass im Durchschnitt 95 Prozent der berechneten Intervalle den tatächlichen Parameterwert der Merkmale enthalten würden, wenn die Stichprobenerhebung viele Male unabhängig und unter gleichen Bedingungen durchgeführt würde. Beispiel: In der Stichprobe beträgt die Armutsquote der Erwerbstätigen 3,5 Prozent (± 0,5). Das bedeutet, dass das Intervall von 3,0 Prozent bis 4,0 Prozent mit einer 95-prozentigen Wahrscheinlichkeit den wahren Wert der Armutsquote für die Erwerbsbevölkerung enthält.

Mithilfe der Vertrauensintervalle lässt sich darüber hinaus bestimmen, ob Unterschiede statistisch signifikant sind. Beispiel: Die Armutsquote der erwerbstätigen Männer betrug 2,5 Prozent (± 0,5), diejenige der erwerbstätigen Frauen 4,8 Prozent (± 0,8). Die Vertrauensintervalle dieser zwei Gruppen betragen 2,0 Prozent bis 3,0 Prozent bzw. 4,0 Prozent bis 5,6 Prozent und überschneiden sich nicht. Der beobachtete Unterschied ist somit statistisch signifikant.

Die Erhebung über die Einkommen und die Lebensbedingungen (SILC)

Die Erhebung SILC (Statistics on Income and Living Conditions) ist eine europaweit koordinierte Erhebung, die in über 25 Ländern durchgeführt wird. Ziel der Erhebung ist die Untersuchung der Einkommensverteilung, der Armut, der sozialen Ausgrenzung und der Lebensbedingungen anhand vergleichbarer Indikatoren. In der Schweiz basiert die Erhebung auf einer Stichprobe von rund 7000 Haushalten mit etwas über 17'000 Personen, die mit einem Zufallsverfahren aus dem BFS-Register der privaten Telefonanschlüsse gezogen werden. Grundgesamtheit ist die ständige Wohnbevölkerung in Privathaushalten. Die an der Erhebung teilnehmenden Personen werden während vier aufeinanderfolgenden Jahren befragt. Auf diese Weise können wesentliche Veränderungen der Lebensverhältnisse einzelner Personen beschrieben und die Entwicklung der Lebensbedingungen untersucht werden.

Quelle: BUNDESAMT FüR STATISTIK BFS 2012

Das soziale Existenzminimum beinhaltet folgende Komponenten:

die Wohnkosten (namentlich die Miete), die im marktüblichen lokalen Rahmen liegen müssen
einen Grundbedarf für die wichtigsten Ausgaben: Nahrung, Getränke, Bekleidung, Gesundheitskosten, Energie, Produkte für die Reinigung, Fahrkosten, etc.
die Kosten der kantonalen Grundprämie der Krankenkasse
Familien: Kinder- und Haushaltsbetreuung Schweiz 2007

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