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Armut - Mikrokredite
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GRAMEEN-Bank Bank der Armen
Das GRAMEEN-Mikro-Kreditsystem
Die GRAMEEN-Familie
Mikro-Kreditarten
Die GRAMEEN-Philosophie
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Gesellschaft, Gesundheit & Soziales
Bangladesh: GRAMEEN-Bank - Die Bank der Armen

Die Idee des Mikro-Kredits stammt aus dem Europa des 19. Jahrhunderts. Die 1892 in Deutschland gegründete Raiffeisen-Bank hat die gegenseitige Kreditvergabe von Mikro-Krediten zwischen Handwerkern und Bauern zum Ziel.

Beim Mikro-Kredit (Kleinstkredite) handelt sich um ein wirtschaftliches Entwicklungsinstrument, das den ärmsten erlaubt, kleine Summen Geld zu leihen. Dieses System ist besonders nützlich in Entwicklungsländern, wo die Mehrheit der Menschen keinen Zugang zu traditionellen Banken hat und auf Wucherer (Geldverleiher) angewiesen ist, welche unerschwingliche Zinsen verlangen.

Das Mikro-Kreditsystem trägt in jenen Entwicklungsländern, wo es erfolgreich umgesetzt wurde, zur Entwicklung der Sektoren Landwirtschaft, Viehzucht, Handel und Dienstleistungen bei. Das System spielt auch in der Emanzipation der Frauen eine wichtige Rolle, da es oft die Frauen sind, welche von der Mikro-Kreditbank die Kredite erhalten, um das Geld im Familienumfeld zu investieren.

Vor allem in islamischen Ländern wie Bangladesh setzte das Mikro-Kreditsystem ein Umdenken der Männer in Gang, welche immer noch im traditionellen Rollenverständnis verhaftet waren. In ersten Raktionen wurde in diesem Land das Mikro-Kreditsystem der GRAMEEN-Bank unüberdacht als unislamisch abgestempelt. Erste positive Erfahrungen haben dann später bei den Männern die Einsicht reifen lassen, dass das System durchaus mit ihren islamischen Wertvorstellungen vereinbar ist.

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Das GRAMEEN-Mikro-Kreditsystem
GRAMEEN-Mikrokredite Hilfe zur Selbsthilfe
Prof. Dr. Muhammad Yunus ist der Gründer der GRAMEEN-Bank
Prof. Muhammad Yunus ist der Gründer der GRAMEEN-Bank. Er ist zugleich der geschäftsführende Direktor des Unternehmens.

1976 hat er die GRAMEEN-Bank gegründet. In diesem Jahr wurde Bangladesh von schweren Hungersnöten heimgesucht. Die Bank zählt heute in Bangladesh über 2 200 Filialen und beschäftigt rund 12 500 Personen. Die Bank verwendet in ihrem Logo die Farben der Staatsflagge von Bangladesh.

Prof. Dr. Muhammad Yunus, Wirtschaftswissenschaftler, hat 2006 für seine Leistung im Zusammenhang mit der GRAMEEN-Bank und ihren Aktivitäten den Friedensnobelpreis erhalten.

In den Jahren 2010 und 2011 wurde der Gründer der GRAMEEN-Idee, Prof. Muhammad Yunus, mit juristischen Winkelzügen als geschäftsführender Direktor des Unternehmens abgesetzt und Schritt um Schritt weitgehend entmachtet.

Beobachter glauben, dass Muhammad Yannus dem Politestablishment in Bangladesch zu einflussreich und zu mächtig wurde.

Muhammad Yannus versucht mit juristischen Mitteln, seinen Einfluss auf die übrigen Zweige des GRAMEEN-Unternehmens zu behalten. Der Ausgang der juristischen Auseinandersetzungen ist gegenwärtig noch ungewiss.

Die GRAMEEN-Bank hat mit der Philosophie der traditionell geführten Bankinstitute gebrochen. Traditionelle Geschäftsbanken sind gewinnorientiert und prüfen die Kreditwürdigkeit ihrer möglichen Geschäftskunden. Das Rechtssystem stützt sie dabei in ihrem Vorgehen. Arme Menschen gelten nicht als kreditwürdig, da sie die im herkömmlichen Bankengeschäft geforderten Sicherheiten nicht erbringen können. Die GRAMEEN-Bank setzt zum Vornherein auf das Vertrauen in die armen Menschen als Eckpfeiler ihrer GRAMEEN-Philosophie ein. Die GRAMEEN-Bank kommt zu dem Menschen und nicht umgekehrt.

GRAMEEN ist überzeugt, dass wohltätige Hilfe keine Antwort auf die Armut ist. Wohltätigkeit erzeugt neue Abhängigkeiten und verhindert die persönliche Initiative der Betroffenen.

Das GRAMEEN-Kreditsystem basiert auf der Erkenntnis, dass Armut nicht aufgrund mangelnder Fähigkeiten der betroffenen Menschen entsteht. Arme haben Fähigkeiten, welche sie selten bis gar nie unter Beweis stellen können. GRAMEEN glaubt, dass Armut durch die Institutionen und die Politik erzeugt wird.

GRAMEEN ist überzeugt, dass Frauen die beste Sozialkompetenz haben, um Geld zu verwalten. 97% der Kreditnehmer sind Frauen.
GRAMEEN ist überzeugt, dass das soziale Gewissen in Gruppen am besten zum Tragen kommt. Die Kreditnehmer und Kreditnehmerinnen müssen sich in Dorfgruppen organisieren, welche bei der Kreditvergabe als Kreditbürgen eingesetzt werden.

Die soziale Kontrolle (in Asien besonders wichtig: "Ja nicht das Gesicht verlieren") in Gruppen hilft mit, dass 99% aller Kredite zurückbezahlt werden.

GRAMEEN-Mikrokredite ermöglichen den Kreditnehmern, eigene Erwerbsmöglichkeiten wie den Betrieb einer Hühnerzucht oder eines Kleintransportunternehmens usw. aufzubauen.

Bis im Mai 2006 haben in Bangladesch 6,7 Millionen Menschen Kredite aufgenommen. 97 % der Kreditnehmer waren Frauen. GRAMEEN betreut mit 2 247 Filialen insgesamt 72 096 Dörfern, was etwa 86% von allen Dörfern in Bangladesch entspricht. Das GRAMEEN-Programm unternimmt Anstrengungen, die Kreditvergaben, die Ausbildung von Menschen und auch neue Technologien wie mobile Telefone, Sonnenenergie und mechanische Geräte in den armen Gesellschaftsschichten zu verbreiten.

Bangladesh: Eines der ärmsten Länder der Welt

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Verschiedene Mikro-Kreditarten

Es gibt heute verschiedene Formen von Mikrokrediten:

1. traditionelle Mikrokredit: Das Darlehen von Geldverleihern, Freunden usw.
2. Mikrokredite durch informelle Gruppen vergeben werden.
3. Mikrokredit durch spezialisierte Banken in besonderen Tätigkeitsfeldern wie Landwirtschaft, Handwerk, Fischerei usw.
4. Mikrokredite von Kooperativen, Kredit- oder Spargenossenschaften usw.
5. Konsumorientierte Mikrokredite
6. Mikrokredite durch NGO-Partnerschaften (NonGovernment Organization NGO = Nichtregierungsorganisation) Hilfswerke usw.
7. Grameen-Mikrokredit
usw. usw.

Bei Diskussionen über Mikrokredite ist jeweils zu Beginn festzulegen, um welche Art von Mikrokredit das Gespräch geführt werden soll.

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Die GRAMEEN-Philosophie

Die GRAMEEN-Kredit-Vergabefolgt einigen Leitgedanken:

Ein Kredit ist ein Menschenrecht.
Die Aufgabe des GRAMEEN-Kredits ist es, armen Familien dabei zu helfen, ihre Armut mit Eigenaktivitäten zu überwinden.
Der GRAMEEN-Kredit baut auf Vertrauen und nicht auf rechtliche Absicherungen wie Verträge oder irgendwelche Rechtssysteme.
Er wird vergeben, um den armen Menschen den Aufbau einer eigenen Erwerbsquelle oder einer eigenen Behausung zu ermöglichen. Der GRAMEEN-Kredit wird nicht zur Förderung des Eigenkonsums vergeben.
Das GRAMEEN-Kreditsystem wurde ins Leben gerufen, weil das herkömmlichen Bankensystem die Armen ausgrenzt und als "nicht kreditwürdig" beurteilt. Das GRAMEEN-Kreditsystem bricht mit dem Wert- und Vergabesystem der herkömmlichen Banken und entwickelt seine eigenen Regeln und Wertsysteme.
Das GRAMEEN-Kreditsystem bietet seine Dienstleistungen direkt vor Ort bei armen Bevölkerung an. Ein Armer muss sich nicht zur Bank begeben. Die GRAMEEN-Bank kommt zu ihm.
Um einen GRAMEEN-Kredit zu erhalten, muss sich ein Mensch, welcher Geld leihen möchte, mit anderen Kreditnehmern zu einer Gruppe formieren. Die Gruppe wirkt als Bürgen bei Krediten für andere Gruppenmitglieder. Der Kreditnehmer kann immer wieder neue Kredite aufnehmen. Voraussetzung ist allerdings, dass ein alter Kredit zurückbezahlt worden ist.

Eine Gruppe darf nach ihrer Gründung erst dann wieder neue Kredite aufnehmen, wenn die ersten beiden Gründungsmitglieder ihre Kredite zurückbezahlt haben. Diese beiden Mitglieder wirken dann als Vorbilder.

Die Kreditrückzahlung erfolgt in wöchentlichen oder zweiwöchentlichen Raten.
Ein Kreditnehmer kann gleichzeitig mehr als ein Darlehen aufnehmen.
Der GRAMEEN-Kredit wird mit einem obligatorischen und einem freiwilligen Geldsparprogramm gekoppelt.

Die Darlehen, welche die GRAMEEN-Bank vergibt, werden durch Nichtprofitorganisation oder durch Institutionen, welche den Darlehensnehmern gehören (GRAMEEN-Zentren usw.) , garantiert.

Falls die Darlehen von profitorientierten Unternehmen vergeben werden, so achtet die GRAMEEN-Bank, dass sich die Zinsrate eher an der Nachhaltigkeit des Investitionsprogramms orientiert als am Ziel, den Geldgebern hohe Erträge aus dem Geschäft abzuliefern.

Eine der Grundregeln der GRAMEEN-Bank ist es, die Kredit- bzw. Darlehenszinsen nahe bei den marktüblichen Zinsen der kommerziell arbeitenden Banken anzusetzen, ohne allerdings das Grundziel der Nachhaltigkeit des Programms aus den Augen zu verlieren.

Der GRAMEEN-Kredit soll das Sozialverhalten der Kreditnehmer verändern. Durch die Bildung von Gruppen oder Zentren werden bei den Kreditnehmern Führungseigenschaften gefördert.

Die jährlich stattfindenden Wahlen für die Gruppen- oder Zentrumsleitung sowie die Mitglieder der Leitungsausschüsse erfordern eingehende Diskussionen unter den Mitgliedern. Diese Diskussionen ermutigten die Menschen, Beschlüsse zu fassen, auszuführen oder mitzutragen. Bei diesen Beschlüssen wird ein besonderes Augenmerk auf die Ausbildung der menschlichen Arbeitskräfte sowie die Schonung der Umwelt gelegt.

Die Zentren vergeben auch Stipendien an Schüler und Schülerinnen sowie Studentendarlehen.

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Die GRAMEEN-Familie

Zur GRAMEEN-Familie gehören auch ...

der GRAMEEN Fond,
welcher Geldmittel für riskantere, technologieorientierte Projekte bereitstellt.

die GRAMEEN Communications
ein nichtprofitorientiertes Technologie-Unternehmen, welches komplette Systeme für die Informationsgesellschaft wie Internetdienstleistungen usw. entwickelt.

die GRAMEEN Shakti/Energy
liefert erneuerbare Energie in Dörfer, welche bisher noch über keine elektrische Stromversorgung verfügten.

die GRAMEEN Shikkha/Education
verfolgt das Ziel, die schulische Ausbildung in den ländlichen Gebieten mit Geldmitteln und Infrastrukturhilfen zu fördern.

die GRAMEEN Telecom
verfolgt das Ziel, in den nächsten vier Jahren den GSM Mobilphone-Service rund 100 Millionen Bewohnern in 68 000 Dörfern in Bangladesch zugänglich zu machen.

die GRAMEEN Knitwear Limited
ist in der Lage, Strickwaren in hoher Qualität auch für die Exportmärkte zu produzieren.

die GRAMEEN Cybernet Ltd. ...
ist der grösste Internet Service Provider in Bangladesch.

Text: RAOnline nach Informationen der GRAMEEN-Bank 2006
Bangladesh: Naturereignisse vergrössern die Armut
Der Erfolg bei der Armutsbekämpfung hängt von vielen Faktoren ab

Das nach dem Grameen-Prinzip aufgebauten Mikrofinanzsysteme haben sich im Alltag häufig nicht bewährt. Das Mikrofinanzsystem wurde dafür kritisiert, weil es bei seinem Aufbau mehrere Aspekte ausser Acht liess und dabei die Komplexität der Armutsbkämpfung mit einer erleichterten Kreditvergabe unterschätzt hat.

Bei der Kreditvergabe wurde vielfach die Lebens- und Vermögensbedingungen der Kreditnehmer/innen zu wenig berücksichtigt. Eine mehrfache Kleinkreditvergabe an dieselbe Person war häufig möglich. Lokale Ereignisse wie eine Naturkatastrophe, eine Epidemie, Ernteausfälle, der Einbruch der Absatzmärkte usw.trieben die Kreditkunden mit Mehrfachkrediten in eine Schuldenspirale, aus welcher es kaum mehr ein Entrinnen gab und dabei eine grosse Hoffnungslosigkeit zurückliess.

Dem Bereich der Mikrofinanzen wurde daher neu der englische Begriff "Financial Inclusive FI" zugeordnet. Der Begriff macht klar, dass FI mehr bedeutet als nur die Vergabe eines Kleinkredits. Der Betrieb eines Kleinkreditsystems muss von einem funktionierenden Versicherungs- und Gesundheitssystem begleitet sein. Weiter sollte den Menschen Sparmöglichkeiten angeboten werden. Die Kreditnehmer/innen müssen mit klaren Regeln vor einer Überschuldung geschützt werden. Die Kunden werden in ein Beratungs- und Bildungssystem eingebunden. Sie erhalten eine landwirtschaftliche Beratung und eine Bildung über Aspekte des Finanzwesens, welche die Wissensvermittlung über den Aufbau eines Sparvermögens einschliesst.

Der Erfolg eines mit Mikrokrediten finanzierten Kleinunternehmens hängt auch davon ab, ob die Produkte verkauft werden können. Die Produktion und das Verkaufsgeschäft benötigen eine funktionierende Infrastruktur wie u.a. ein Strom- und Strassennetz sowie ein korruptionsfreies und mit wenig Gebühren belastetes Umfeld.

Text: RAOnline 2020
Quelle: DEZA-Magazin "Eine Welt", Nr. 4, Dezember 2019

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