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Verbauungs- und Aufforstungsprojekt Brienzer Wildbäch
Arbeiten am Generationenprojekt Brienzer Wildbäche 2017
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Hochwasserschutz in der Region Brienz (Kanton Bern)

Verbauungs- und Aufforstungsprojekt Brienzer Wildbäche

An den steilen Südflanken des Gebirgskammes, welcher vom vom Tannhorn (2'221 m ü.M.) im Westen über den Brienzergrat zum Brienzer Rothorn(2'348 m ü.M.) und weiter über den Höch Gummen(2'204 m ü.M.) zum Wilerhorn(2'205 m ü.M.) im Osten führt, entwässern zahlreiche Bergbäche wie der Milibach, der Trachtbach, der Glyssibach, der Schwanderbach, der Lammbach, der Estlibach u.a. in den Brienzersee. Die Bäche führen dem See vor allem nach Starkregenfällen oder während der Schneeschmelze grosse Wassermassen zu. Mit dem Wasser verschieben sich auch grosse Mengen von Gesteinsmaterial talwärts den Dörfern Brienz, Schwanden b. Br., Hofstetten und Brienzwiler entgegen. Die vier Dörfer haben gelernt mit diesen Naturgefahren zu leben und ihr Schadenspotenzial mit vereinten Anstrengungen zu minimieren. Die vier Dörfer haben ihre Schwellenkorporation organistorisch aufeinander abgestimmt.

Die Schwellenkorporationen sind dafür verantwortlich, das Schutzbauwerke wie Geschiebesammler, Sperrentreppen, Schutz- und Leitdämme usw. in den Rinnen und entlang der Läufe der Wildbäche mit Unterstützung des Kantons Bern und des Bundes geplant, finanziert, gebaut und unterhalten werden.

Die Schwellenkorporationen haben jedem Wildbach einen Schwellenmeister zugewiesen. Der Schwellenmeister hat die Aufgaben, den Bachlauf kontinuierlich zu überwachen. Er ist dafür verantwortlich, die Schutzbauwerke zu kontrollieren und die Beseitigung von Hindernissen wie Baumstämmen, Lawinenschutt usw. zu veranlassen. Die Schwellenmeister gehen regelmässig auf Kontrollgänge. Das Amt des Schwellenmeister wird nebenberuflich ausgeübt.

Die Schwellenmeister haben über einen grossen Erfahrungsschatz im Umgang mit ihren Wildbächen angesammelt. Jeder Wildbach verfügt über eine eigene Charakteristik und zeigt unterschiedliche Verhaltensweisen nach Starkregenereignissen.

Die Anrissgebiete des Glyssibachs und des Lammbachs liegen in einem geologische instabilen Gebiet mit starker Erosion. Nach heftigen Regenfällen fliessen mit dem Bachwasser grosse Geröllmengen und Felsstücke talwärts. In den Bachläufen beider Wildbäche stehen zahlreiche Schutzbauwerke. Besonders stark verbaut ist der Lammbachgraben.

Das Einzugsgebiet des Schwanderbachs ist weniger von Erosionsvorgängen betroffen. Im oberen Teile fliessen seine Zuflüsse meistens durch mit Gras bewachsenen Flächen. Im unteren durchquert der Schwanderbach ein waldreiches Gebiet. Im Schwanderbach sind keine Schwellen verbaut.

Die Vebauungsarbeiten über den Dörfern Brienz, Schwanden, Hofstetten begannen bereits im 19. Jahrhundert. Von 1896 bis 1913 bewilligten der Kanton Bern und der Bund drei Wasserbauprojekte am Schwanderbach und am Lammbach. Die Sperren im Lambachgraben sind heute teilweise über 100 Jahre alt. An den Bauwerken wurden Schwächen festgestellt. Im Laufe der Zeit wurden daher immer wieder Neubau- und Sanierungsprojekte an den Abhängen des Brienzer Rothorns geplant und ausgeführt.

Brienz: Schadensgebiet 1 Jahr nach dem Hochwasser 2005
Die Schwellenkorporationen Brienz, Schwanden, Hofstetten, Brienzwiler orientieren und informieren in ihrer Publikation «Bach-Blettli» regelmässig über ihre u.a. Aufgaben, Projekte, Arbeiten. Die Onlineausgaben des Magazins können als PDF-Dateien von der Website der Schwellenkorporationen «www.schwellenkorporationen.ch» heruntergeladen werden.
Berglandwirtschaft
Alpwirtschaft in der Region Brienz - Hofstetten (Kanton Bern) Bilder

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Arbeiten am Generationenprojekt Brienzer Wildbäche

Referat von Christoph Ammann, Regierungsrat und Volkswirtschaftsdirektor

Wir befinden uns hier in Irtschelen, 1'515 Meter über Meer. Seit über 100 Jahren arbeiten im Einzugsgebiet der Brienzer Wildbäche Menschen. Sie arbeiten hier im Gebirgswald, um die Siedlungen, die Infrastruktur, aber vor allem die Menschen unterhalb zu schützen. Auf dem Weg hierher durch den Lammbachgraben konnten Sie feststellen, wie steil das Gelände ist. Die Topografie, die Geologie und das Klima an diesen Südhängen schaffen die Voraussetzungen für Naturgefahren, die zu verheerenden Ereignissen führen können: Wildbäche, Murgänge, Übersarung, Lawinen, Steinschlag, Felssturz, Rutschungen und Erosion bedrohen die unterhalb liegenden Gebiete.

Die Katastrophe in Bondo am 23. August 2017 hat uns schmerzlich die grosse Zerstörungskraft von Bergstürzen und Murgängen vor Augen geführt. Und dieses Jahrhundertereignis hat die Grenzen des Schutzes aufgezeigt: Deshalb verfolgen wir einen integralen Ansatz beim Schutz vor Naturgefahren. Es geht darum, die richtige Kombination von Massnahmen zu wählen - dazu gehört auch die Raumplanung. Die Fachleute der Abteilung Naturgefahren werden im Anschluss den integralen Schutz vor Naturgefahren vorstellen. Wir sind beim Thema Naturgefahren sehr aktiv, tauschen uns mit andern Kantonen aus und beteiligen uns an nationalen und internationalen Forschungsprojekten.

Naturkatastrophen lassen sich nicht verhindern

Dass es trotz Schutzmassnahmen zur Katastrophe kommen kann, haben wir 2005 schmerz-lich erfahren. In der Nacht vom 22. auf den 23. August 2005 waren es verheerende Murgän-ge, die in Brienz zwei Menschenleben kosteten und gewaltige Zerstörungen und Schäden an Gebäuden und Infrastruktur anrichteten. So kann man das Hochwasserereignis 2005 in einem Satz auf Verwaltungsdeutsch formulieren. Wer dabei war, wie der damalige Gemeindepräsident von Brienz und heutige Grossrat Peter Flück, oder ich selber als Gemeindepräsident von Meiringen damals, dem fällt es heute noch schwer, diese Bilder und Eindrücke in Worte zu fassen: Bilder und Eindrücke von Naturgewalt, Zerstörungskraft, Macht und Ohnmacht der Betroffenen, Hilfsbereitschaft von Nachbarn und manchmal auch Opportunismus, Einsatzbereitschaft und Leistung bis an die Grenzen der Belastbarkeit der Feuerwehr, der Polizei, des Zivildienstes, der Armee, der Gemeindebehörden und vielen, vielen mehr - Freiwilligen etwa, aus der ganzen Schweiz. Bilder und Eindrücke, wie sie auch bei mir mit Blick auf das Einzugsgebiet der Bäche, auf das Siedlungsgebiet wieder hochkommen und immer noch Emotionen und damit eine gewisse Sprachlosigkeit hervorrufen.

Die Sprachlosigkeit hört aber sofort auf, wenn ich nach vorne blicke und eine Lagebeurtei-lung vornehme: Es ist zu befürchten, dass mit den Auswirkungen der Klimaerwärmung Ereignisse häufiger auftreten und somit die Schutzmassnahmen öfters beansprucht werden. Umso wichtiger ist es, dass in unseren Berggebieten die Schutzbauten funktionstüchtig sind und die Aufforstungen gepflegt werden.

2,5 Millionen Franken für die Etappe 2018 – 2022

Hier, im Einzugsgebiet der Brienzer Wildbäche, konzentrieren wir uns auf die Sicherung der Schutzbauten und die Pflege der Aufforstungen, also auf den Unterhalt. Erweitert wird nur punktuell. Alle fünf Jahre legen wir ein neues Projekt vor. Das nächste für die Jahre 2018 bis 2022. Wir benötigen dafür 2,5 Millionen Franken. Davon tragen der Kanton Bern und die Gemeinden Brienz, Schwanden und Hofstetten 1,5 Millionen Franken. Rund eine Million Franken trägt der Bund. Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass mit einem Aufwand von 500'000 Franken pro Jahr einerseits der Unterhalt gewährleistet werden kann, andererseits ein gewisser Spielraum besteht für die Erweiterung der Aufforstungen und der Verbauungen.

Geschätzte Medienschaffende, ich spreche hier von einem Betrag, der zwischen der gerade noch vertretbaren Minimalvariante und der Optimalvariante liegt. Wir sind weit entfernt von einer Luxuslösung. Der Regierungsrat hat den Kredit für die Jahre 2018 bis 2022 an seiner Sitzung vom 23. August genehmigt. Der Grosse Rat wird im November darüber befinden. Heute sind wir hier, um Ihnen zu zeigen, was wir mit diesem Geld tun werden. Die Details werden Ihnen im Anschluss die Fachleute der Abteilung Naturgefahren des Amts für Wald vorstellen. Ich möchte Ihnen einige Grundsätze darlegen.

Die Zusammenarbeit von Forst und Wasserbau hat eine lange Geschichte

Wichtigster Punkt: Das Projekt Brienzer Wildbäche ist ein Generationenprojekt. Sie sehen hier eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Forst und Wasserbau. Sie sehen forstliche Schutzmassnahmen, die langfristig wirken. Die aber auch laufend unterhalten werden müs-sen. Darum sprechen wir von einem Generationenprojekt: Es ist nachhaltig, wir investieren in den Unterhalt; langfristig soll in vielen Teilen des Einzugsgebiets der Wald die Schutzfunktion wieder übernehmen. Darum sind wir laufend an der Arbeit und darum braucht es alle fünf Jahre einen neuen Kreditbeschluss.
Die Zusammenarbeit von Forst und Wasserbau hat eine lange Geschichte: Bis ins 19. Jahr-hundert waren im Einzugsgebiet der Brienzer Wildbäche grosse Waldflächen gerodet worden. Man versuchte Boden zu gewinnen für Alpweiden und die Wildheuerei. Die Folgen wa-ren teilweise verheerende Hochwasserkatastrophen. 1897 sprach der Bund einen ersten Beitrag für Verbauungen. Die Bedingung war: Es mussten auch Aufforstungen ausgeführt werden. Damit war die Grundlage für die Zusammenarbeit von Forst und Wasserbau gelegt – diese Zusammenarbeit hat sich bewährt und wird bis heute weitergeführt. 1997 ergab eine Evaluation, dass in der Zwischenzeit die Kombination von Sperren und Aufforstungen zu einer Stabilität geführt hatte, die vergleichbar war mit jener im Mittelalter. Diese Zusammenarbeit von Forst und Wasserbau führen wir in der nächsten Projektetappe weiter. Hauptziele dieser Etappe der Jahre 2018 bis 2022 sind die Reduktion von Geschiebe und die Regulierung des Wasserabflusses. Dadurch wird erreicht, dass Murgangereignisse in ihrer Grösse und Häufigkeit abnehmen. Zudem werden die Schutzbauten des Hochwasserschutzes weniger stark belastet.

Quelle: Kanton Bern, Volkswirtschaftsdirektion , 5. September 2017

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