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Organisation des Bildungswesens - eine bildungspolitische Gestaltungsaufgabe
Konzentration auf das Wesentliche statt Reformhektik
von Karl Weber

Das schweizerische Bildungswesen ist ausgeprägt qualifikationsbestimmt und stark geschichtet. Geschichtet meint hier, dass Ausbildungsentscheide früh erfolgen und nur begrenzt korrigiert werden können. Die Ausbildung orientiert sich mehrheitlich an Berufsbildern und die erworbenen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse beeinflussen wesentlich die berufliche Erstplatzierung und die weitere Karriere. Bei zwei Dritteln der Auszubildenden geschieht dies weiterhin über die duale Berufsbildung, die schulische und betriebliche Lernorte kombiniert.

Bisher erfolgreiches Modell

Dieses Modell war bis heute erfolgreich: Es hilft Jugendlichen, sich fachliche Qualifikationen und in der Arbeitswelt notwendige Tugenden wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit anzueignen. Es verhindert damit Arbeitslosigkeit, und es regt beruflich Qualifizierte dazu an sich weiterzubilden. Das erworbene Wissen und Können erlaubt den Ausgebildeten, sich veränderten Anforderungen zu stellen und sich gegebenenfalls neu zu orientieren.

In den letzten Jahren wurde die Spezialisierung der Berufsbilder weiter vorangetrieben. Die
Bildungsinstitutionen verästeln sich horizontal und vertikal immer mehr. Auch in der allgemein bildenden Sekundarstufe II kamen neue Abschlüsse dazu und der Tertiärbereich umfasst heute drei Ebenen: Universitäten, Fachhochschulen und Höhere Fachschulen.


Neue Fragen

Es ist nicht gesichert, dass die traditionelle, an beruflicher Spezialisierung und an institutioneller Ausdifferenzierung orientierte Strategie auch in Zukunft erfolgreich sein wird. Darauf hin deutet Folgendes:

Der moderne Arbeitsplatz (vor allem im Dienstleistungsbereich) verlangt nicht mehr nur nach traditionellen Berufsleuten.

Dass so viele Jugendliche den Weg in eine weiterführende Ausbildung erst über ein Brückenangebot finden, zeigt, dass die Wirtschaft nicht immer genügend Ausbildungsplätze anbieten kann.

Der Dienstleistungssektor hatte immer schon Schwierigkeiten, genügend Lehrstellen bereit zu stellen, besonders im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien.

Die berufliche Erstausbildung wird im Sog der ausdifferenzierten Tertiär- und Weiterbildung abgewertet.

Der Arbeitsplatz selbst wird immer systematischer zu einem Lernort ausgestaltet (zum Beispiel über Qualitätszirkel).

Wie die Arbeitspychologin Gudela Grote gezeigt hat, müssen sich die Beschäftigten den Anforderungen der Arbeitswelt mehr als früh er individuell anpassen. Mit ihrem beruflichen Selbstverständnis lässt sich dies nicht immer einfach in Einklang bringen.

Sicher jedoch ist, dass die fortschreitende Ausdifferenzierung der Bildungseinrichtungen nicht nur die bildungspolitisch erwünschte Profilbildung erschwert (Abgrenzung der Höheren Fachschulen, der Fachhochschulen und der Universitäten). Sie erzwingt auch einen erhöhten und aufwändigen Koordinationsbedarf, fördert den Ruf nach immer mehr Passerellen (Sicherung der Durchlässigkeit) und findet schliesslich im kleinräumigen, föderalistisch organisierten Bildungswesen ihre strukturellen Grenzen.

Empfehlungen

Deshalb zeichnet sich folgender Handlungsbedarf ab:

Definition einer Minimalqualifikation (bezüglich Sprachkenntnissen, Computer-Literacy, Mathematik und sozialer Kompetenzen), über die allein unserem Lande verfügen müssen und die den Anschluss an die Weiterbildung sicherstellt.

Die Ausbildung sollte sich nicht nur an Berufsbildern orientieren. Verstärkt sollten berufliche Funktionen wie das selbständige Lösen von neuen Problemen, das Projektmanagement oder die Nutzung neuer Technologien in den Blick genommen werden.

Um den Bildungsinstitutionen ein unverwechselbares Profil zu geben, sollte überprüft werden, ob im Tertiärbereich wirklich drei Ebenen (Universitäten, Fachhochschulen und Höheren Fachschulen) sinnvoll sind. Namentlich ist sicherzustellen, dass die Bildungseinrichtungen die notwendige kritische Grösse haben.

Schliesslich plädiere ich dafür, die Reformhektik zu stoppen und die Bildungspolitik auf das Wesentliche zu konzentrieren:

Die von der Politik initiierten Reformzyklen sind zu verlangsamen. Dafür sollte öfter überprüft werden, ob die Ziele der Reformen auch erreicht wurden.

Obwohl viel von autonomen Schulen und Hochschulen die Rede ist, nimmt die äussere Kontrolle des Bildungsbereichs ständig zu. Zugunsten eines Gleichgewichts zwischen Selbst- und Fremdsteuerung sollte diese eher wieder abgebaut werden.

Der Sinn und die Wirkung des New Public Management und monetärer Anreizsysteme sind im Bildungs- und Wissenschaftsbereich zu hinterfragen.

Quelle: Schweizerischer Nationalfonds 2004

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Externe Links
Nationale Forschungsprogramm "Bildung und Beschäftigung" (NFP43)
Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung
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