Entwicklung der Alpenregion - Landwirtschaft im Alpenraum
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Leben mit Grossraubtieren

Nach Schätzungen des Bundesamtes für Umwelt lebten 2012 rund ein Dutzend Wölfe in der Schweiz. Im gleichen Jahr entstand im Gebiet der Calanda das erste Wolfsrudel in der Schweiz. 2021 schätzte das Bundesamt die Anzahl Wölfe innerhalb der Schweizer Grenze auf rund 80 Tiere (eine Zunahme seit 2012 um rund 700%). Mindestens 12 Wolfsrudel streiften 2021 durch die Schweiz. Selbst für die Wildhüter ist de schwierig, sich eine Übersicht über die aktuelle Wolfspopulation und die Anzahl Rudel zu verschaffen.

Die Ausbreitung der Wölfe und das eingeschränkte Beuteschema sowie ihr spezifisches Rissverhalten macht die Bewirtschaftung der Bergregionen mit Schafen und Ziegen immer schwieriger. Schafherden müssen heute praktische in allen Regionen der Schweizer Alpen mit Herdenschutzmassnahmen vor Angriffen dieser Raubtiere geschützt werden. Besonders von zahlreichen Wolfsangriffen betroffen sind Teile der Kantone Graubünden, St. Gallen und Wallis.

Kanton Graubünden: Starke Zunahme der Aktivität von Wölfen
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Aktuell konzentriert sich das Interesse auf Vorkommnisse mit Wölfen. In der Surselva treten gleich drei Wolfsrudel regelmässig in Erscheinung. Dies sind das Beverinrudel, das Ringelspitzrudel und das Val Gronda Rudel. Mit der Bildung von weiteren Wolfsrudeln ist zu rechnen. Ausserdem sind in ganz Graubünden Einzelwölfe unterwegs. Von den Herausforderungen im Umgang mit den Grossraubtieren ist die Landwirtschaft in besonderem Mass betroffen. Es konnte festgestellt werden, dass verschiedene Einzelwölfe die Schutzmassnahmen wie Elektrozaun und Herdenschutzhunde der Tierhalter überwinden bzw. überspringen und somit ein sehr problematisches Verhalten aufzeigen. Den Wölfen zum Opfer gefallen sind bisher vor allem Schafe bzw. Lämmer und Ziegen. Aber auch bei Mutterkuhherden haben Landwirte in jüngster Zeit veränderte Verhaltensweisen festgestellt. Die Tiere wirkten nervöser als normal, in Einzelfällen sind verängstigte Tiere aus ihrem Gehege ausgebrochen. Es wird vermutet, dass dies auf die erhöhte Wolfspräsenz zurückzuführen ist. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich damit ein neues Gefahrenpotenzial für die Sicherheit der Personen, die mit den Tieren arbeiten, sowie für Menschen, die sich in die Nähe der Herden begeben, auftut.

Quelle: Kanton Graubünden , Amt für Jagd und Fischerei Graubünden (AJF), 11. Juni 2020
Antwort der Regierung der Kantons Graubünden auf einen parlamentarischen Vorstoss (Fraktionsauftrage der Mitte-Partei)
22. Oktober 2021

Die Regierung teilt die im Auftrag beschriebene Beurteilung der Auswirkungen der Grossraubtierpräsenz in Graubünden im derzeitigen Ausmass. In Graubünden nimmt die Anzahl an Wölfen Jahr für Jahr zu. Hinzu kommt das problematische Verhalten der Raubtiere, zumal sie aufgrund des Schutzstatus ihre natürliche Scheu vor den Menschen und ihren Einrichtungen und Infrastrukturen verlieren. Weiter lernen sie nach und nach, Herdenschutzmassnahmen zu umgehen. Dieses Problemverhalten wird ohne Eingriffe von Generation zu Generation weitergegeben. Angesichts dieser Situation ist der Herdenschutz nicht mehr wirksam, und die gesetzlichen Vorgaben im Bereich des Wolfsmanagements und der Regulierung verhindern ein angepasstes Entgegenwirken und einen situationsgerechten Umgang mit der Problematik. Dies gefährdet zusehends die Bereitschaft für eine Koexistenz zwischen Artenschutz/Wolf sowie Landwirtschaft, Tourismus und Gesellschaft.

Die tatsächliche Situation ist der Regierung sowie den betroffenen Departementen und Ämtern, die eng zusammenarbeiten, bekannt. Ausserdem steht der Kanton im regen Austausch mit Landwirtinnen und Landwirten, mit der Branche und weiteren Akteurinnen und Akteuren. Weiter wurde eigens eine Fachkommission Grossraubtiere des Bündner Bauernverbands ins Leben gerufen, in welche auch Vertretungen des Kantons Einsitz nehmen.

Die Regierung setzt sich beharrlich beim Bund für ein angepasstes und zielführendes Wolfsmanagement und entsprechende (auch präventive) Regulationsmöglichkeiten ein; sie ist übrigens dezidiert der Auffassung, dass auch im Rahmen des geltenden Bundesgesetzes über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (JSG; SR 922.0) weitergehende Massnahmen möglich wären und der Handlungsspielraum seitens des Bundes, welchen dieser in der Verordnung über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (JSV; SR 922.01) festlegt, nicht ausgeschöpft ist. Ausserdem ist ein neuer Anlauf zur Revision des JSG nach Meinung der Regierung anzustreben. Die auf Bundesebene angedachten Bemühungen zur Anpassung der Rechtsgrundlagen begleitet und unterstützt sie, im Verbund mit den Mitgliedskantonen der Regierungskonferenz der Gebirgskantone (RKGK), aufmerksam und engagiert. Der Kanton hat zudem beim Herdenschutz die äussersten Anstrengungen unternommen. Weitere Massnahmen im Herdenschutz sind weder zumutbar noch zielführend.

Eine Umfrage bei den Landwirtschafts- und Sömmerungsbetrieben vermag die beschriebene Situation kaum zu verbessern. Allerdings kann es von Interesse sein, die Situation der einzelnen direktbetroffenen Landwirtschafts- und Sömmerungsbetriebe im Zusammenhang mit der Grossraubtierpräsenz auszuleuchten. Dies insbesondere als Instrument, um die Veränderung der Bewirtschaftung von Sömmerungsbetrieben mit Fakten zu dokumentieren.

Die Regierung ist folglich bereit, eine Umfrage mittels Beizugs eines externen spezialisierten Unternehmens durchzuführen, um dem Grossen Rat und der Öffentlichkeit eine Antwortübersicht über die an die Heim- und Sömmerungsbetriebe gerichteten Fragen zu präsentieren.

Aufgrund dieser Ausführungen beantragt die Regierung dem Grossen Rat, den vorliegenden Auftrag zu überweisen.

Quelle: veröffentlicht durch Standeskanzlei Graubünden, 4.11.2021
Text: Grosser Rat des Kantons Graubünden, Oktober 2021
Berichte über das Leben mit Wölfen im Kanton Graubünden
Wildtiere Informationen über den Wolf

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