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Kulturerbe Schweiz
Lebendige Traditionen im Kanton Glarus Landsgemeinde und Näfelser Fahrt
2025
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Lebendige Traditionen im Kanton Glarus
Kulturerbe im Kanton Glarus
Landsgemeinde und Näfelser Fahrt

Der Kanton Glarus im Vergleich

Der Kanton Glarus ist nur dünn besiedelt. Die Siedlungen bedecken lediglich etwa 3% der Kantonsfläche.
Zirka 70% seiner Fläche besteht aus Wald und unproduktivem, mehrheitlich gebirgigem Gelände.

Im Kanton Glarus leben rund 42'000 Menschen. Mit dieser Zahl der Wohnbevölkerung liegt Glarus an 23. Stelle der Kantonsrangliste, welche 26 Kantone umfasst. Im Kanton Zürich, dem bevölkerungsreichsten Kanton der Schweiz, leben rund 1,6 Millionen Menschen. Das sind rund fast 39 mal mehr Einwohner als als der Kanton Glarus wohnen.

Mit einer Gesamtfläche von 645 km2 liegt Glarus an 17. Stelle der Kantonsrangliste. Der flächenmässig grösste Schweizer Kanton, der Kanton Graubünden, ist mit km2 Fläche rund 10 mal grösser als der Kanton Glarus.

2023 bekannten sich im Kanton Glarus 29,1% der Wohnbevölkerung ab dem 15. Altersjahr zum evangelisch-reformierten Glauben, 26,8% zum römisch-katholischen Glauben und 9,4% zum islamischen Glauben. 27,1% gaben an, keiner Glaubensgemeinschaft anzugehören. Im gleichen Jahr bekannten sich in der Schweiz 31% zum römisch-katholischen Glauben , 19% zum evangelisch-reformierten Glauben und 36% der Wohnbevölkerung ab dem 15. Altersjahr waren ohne Religionszugehörigkeit.
Datenquelle: BFS 2025

Historische Ereignisse im Kanton Glarus (Auswahl)

Das älteste Zeugnis der Glarner Landsgemeinde stammt vom 11. März 1387. Damals bekannten sich Ammann und Landleute zu Glarus zu den neuen Landessatzungen.Der Kanton Glarus trat 1352 zusammen mit den Kanton Zug dem Bund der Eidgenossen bei. Der Bund der Eidgenossenschaft bestand vor dem Beitritt der beiden Kantone aus 6 Mitgliedern. Der Kanton Glarus wurde vorübergehend von den Habsburgen besetzt. Zu den oft zitierten 5 Orten gehörten damals die 4 Gründerkantone des Bundes Uri, Schwyz, Nidwalden, Obwalden sowie Luzern.

Der älteste Hinweis auf die Glarner Landsgemeinde stammt vom 11. März 1387. Damals bekannten sich Ammann und Landleute zu Glarus zu den neuen Landessatzungen.

1388 besiegten die Glarner am 9. April mit Unterstützung der Eidgenossen das habsburgische Heerin der Schlacht von Näfels. An diesem für den Glarus historische wichtigen Datum zelebrieren die Glarner jedes Jahr die Näfelser Fahrt.

Der der Schlacht von Näfels folgende zwei Jahrzehnte ohne kriegerische Ereignisse erwarten die Glarner auch mit Zürcher Hilfe Rechte, welche zuvor dem Fridolinskloster Säckingen gehörten.

Die Vorstellung, das Land Glarus gehöre dem heiligen Fridolin, nahm in der Zeit der Kommunalisierung und der Befreiung im 13.-14. Jahrhundert feste Gestalt an. Insbesondere symbolisierten nach dem Sieg von Näfels 1388 das Fridolinsbanner und das Schlachtlied von Näfels eine vom Frü̈hmittelalter an bestehende enge Verbindung des Landes mit dem Fridolinskloster Säckingen am Hochrhein.

1393 wurde Glarus erstmals im Sempacherbrief als gleichberechtigte Partner der Eidgenossen erwähnt.

Schon im 13. Jahrhundert bestanden im Glarnerland herrschaftliche Struktur wie die Tagwen, das Amt des Ammann und Gerichte. Die Entstehung der Landsgemeinde ist nicht eindeutig dokumentiert.

Der Begriff der Landsgemeinde erschien erstmals im Handbuch von 1475-1481.

Die politische und verwaltungstechnische Organisation der Gemeinden mit Ammann, Kleiner Rat und Rat überlebte auch die Wirren der Reformation.

Am 2. Mai 1529 verankerte die Landsgemeinde die Reformation in Glarus im Gesetz.

Die Landsgemeinde vom Dezember 1531 fü̈hrte die Altäre und den alten Kultus in Linthal, Schwanden, Glarus und Näfels wieder ein. Glarus und Schwanden durften aber ihre reformierten Prediger behalten.

Der Erste Glarner Landesvertrag vom 21. November 1532 beendete die Religionsstreitigkeiten in Glarus fü̈r zweieinhalb Jahrzehnte. Die religiöse Minderheit der Katholiken erhielt eine Sonderstellung und gewisse Mitspracherechte.

Der Zweite Glarner Landesvertrag vom 3. Juli 1564 brachte für weitere Jahrzehnte ein erträgliches Zusammenleben der Konfessionen.Die Kirche von Glarus wurde beiden Konfessionen zur Nutzung zugeteilt.

1559-1564 unternahmen die Glarner Katholiken unter Fü̈hrung von Aegidius Tschudi und zeitweilig unterstü̈tzt von den fü̈nf Orten den Versuch im sogenannten Tschudikrieg, die Reformation in ganz Glarus rü̈ckgängig zu machen.

Mit dem Dritten Glarner Landesvertrag von 1623 ging die Kompetenz, die Teilnahme an Kriegszügen in fremdem Sold zu bewilligen, auf die einzelnen Konfessionen ü̈ber, die von da an acht Tage vor der allgemeinen ihre eigenen Landsgemeinden in Schwanden (Reformierte) und Näfels (Katholiken) abhielten. Trotz der religösen Zweiteilung hielten die Glarner an einer gemeinsamen Regierung fest. Der Landammann, der Vorsitzende der Regierung, war jeweils fü̈r zwei Jahre ein Katholik, fü̈r drei Jahre ein Reformierter.

Vor dem ersten Villmergerkrieg von 1656 brach zwischen den beiden Konfessionsgruppen ein Streit darüber aus, wie die Feier - der jährlichen Feier zum Gedenken an die in der Schlacht bei Näfels 1388 gefallenen Glarner, die Näfelser Fahrt, gestaltet werden sollte. 1655 beschlossen die Reformierten, inskünftig auf eine Teilnahme zu verzichten. (siehe auch: 2. Villmergkrieg)

Ein französisches Heer erobert 1798 das Gebiet der heutigen Schweiz. Die alte Eidgenossenschaft geht unter und macht der Helvetischen Republik mit einer von Frankreich aufgezwungenen zentralistischen Einheitsverfassung Platz. Der französische Kaiser Napoleon diktierte der Schweiz 1803 unter dem Titel Mediation [Vermittlung] eine föderalistische Verfassung, in der die Kantone AG, SG, TG, TI, VD und GR zu gleichberechtigten Mitgliedern der Eidgenossenschaft wurden.

1803 erarbeitete der Stand Glarus mit Unterstützung des französischen Herrschers Napoleon Bonaparte, dessen Truppen 1798 die Eidgenossenschaft erobert hatten, eine neue Verfassung. Je eine Landsgemeinde der evangelischen und der katholischen Bürger/innen wählte ihre eigenen Behörden, Beamten und Richter. Die gemeinsame Landsgemeinde war zuständig für Gesetzgebung und Steuern.

1836-1837 wurde die Glarner Verfassung nach Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Konfessionsgruppe im Zusammenhang mit der Neugestaltung der Näfelser Fahrt erneut überarbeitet. Der Widerstand in den katholischen Zentren in Näfels und Oberurnen gegen die neue Verfassung wurden mit einem Truppeneinsatz begegnet. Die konfessionell ausgerichteten Landsgemeinden verschwanden.Die Organisationen des Parlaments (Landrat), der Regierung und der Kommissionen wurde neu geregelt. Die Gerichte blieben getrennt von den anderen Staatsgewalten. Auf der Gemeindeebene blieb die Bürgergemeinde (Tagwen) bestehen. Im Tagwen bestimmten die ortsansässigen Bürger jeweils alleine über die Sachgeschäfte. Die Ortsgemeinden hatten vorerst noch wenig Gewicht neben den Tagwen.

Textquelle: Historisches Lexikon der Schweiz, Zitate aus Glarus (Kanton), Version vom: 30.05.2017

Textquelle: Zitate Hans Laupper; Martin Peter Schindler; Ernst Tremp; Rolf Kamm; Karin Marti-Weissenbach; Anne-Lise Head-König; August Rohr: "Glarus (Kanton)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 30.05.2017. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/007374/2017-05-30/
Zitatauswahl: RAOnline

Lebendige Traditionen im Kanton Glarus

Glarner Landsgemeinde

Jeden ersten Sonntag im Mai versammeln sich die stimmberechtigten Glarnerinnen und Glarner bei zumutbaren Wetterverhältnisse auf dem Zaunplatz in Glarus. Die Landsgemeinde findet gesichert seit 1387 statt. An der Landsgemeinde in Glarus werden Vorlagen diskutiert und Gesetze beschlossen sowie Richterinnen oder Richter gewählt. Die Bürgerinnen und Bürger haben das Recht, vor Ort Änderungsanträge zu stellen, über welche im Anschluss an die Diskussionin offener Abstimmung entschieden wird. Die öffentlichen Verkehrsträger sind am Landsgemeindesonntag für die Stimmberechtigten gratis. Anträge, diese Vergünstigung abzuschaffen, wurden bisher abgelehnt.

Eröffnungsrede an der Glarner Landsgemeinde vom 4. Mai 2025
Burgkapppelle Bürgli Die barocke Kapelle, welche dem Heiligen Michael geweiht und der katholischen Pfarrei St. Fridolin Glarus-Riedern-Ennenda gehört, steht auf einem Bergsturzhügel.
Anna Göldi Anna Göldi wurde am 13. Juni 1782 durch das Schwert im Kanton St. Gallen angeheuerten Scharfrichter hingerichtet. Der Evangelische Rat von Glarus verurteilte Anna Göldi am 6. Juni 1782 zum Tod durch das Schwert. Der Frau wurde zuvor wegen einem Giftmord angeklagt. Die Hinrichtung von Anna Göldi gilt aus heutiger Sicht und aktuellem Kenntnisstand als Justizirrtum und Justizmord.

Die Geschichte von Anna Göldi beleuchtet die im 18. Jahrhundert insbesondere im Kanton Glarus vorherrschenden sozialen, religiösen und politischen Vorstellungen, Denkweisen und Machtverhältnisse. Die Geschichte gibt Hinweise auf das Rechtsempfinden und die Rechtsprechung der Amtsträger in der damaligen Zeit.

Näfelser Fahrt

Die Näfelser Fahrt erinnert an die in der Schlacht von Näfels am 9. April 1388 gefallenen Glarnern und Eidgenossen. An diesem für das Land Glarus historisch wichtigen Feiertag, dem Jahrestag der Schlacht von Näfels,zelebrieren die Glarner jedes Jahr die Näfelser Fahrt mit einem Gedenkgottesdienst, einer Prozession und einer politischen Festansprache. Die Näfelser Fahrt findet jedes Jahr in der Regel amDatum der Schlacht statt. Im Jahr 2025 wurde am 3. April 2025 an die Opfer der Schlacht gedacht.

Die Feier verbindet religiöse Vorstellungen aus dem Spätmittelalter mit weltlich-patriotischen Gedankengut. Sie folgt der Tradition der Schlachtfeiern aus dem 19. Jahrhundert.

Fahrtsrede 2025 an der Näfelser Fahrt 3. April 2015
Schlacht von Näfels Am 9. April 1388 besiegten die Glarner mit Unterstützung der Eidgenossen das überlegene habsburgische Heer in der Schlacht von Näfels.
Freulerpalast Historisches Museum des Landes Glarus
Der Freulerpalast ist einer der prächtigsten Schweizer Wohnbauten des 17. Jahrhunderts. Der Bauherr dieses prunkvollen Palais war der Näfelser Unternehmer Kaspar Freuler (1595 -1651).
Liste der lebendigen Traditionen der Schweiz: Kanton Glarus
Anna Göldi
Glarner Muster und Tücher
Glarner Chor- und Orchesterwesen
Glarner Landsgemeinde
Näfelser Fahrt
Externer Link
Lebendige Traditionen in der Schweiz
Geschichte, Kultur und Politik im Kanton Glarus
Weitere Informationen über die Geschichte, die Kultur und die Politik im Kanton Glarus finden sich auf den nachfolgenden Links zu den entsprechenden Webseiten.
Externe Links
Historisches Lexikon der Schweiz
Glarner Landsgemeinde
Gemeinde Glarus Geschichte
Kanton Glarus
Freulerpalast Näfels
Anna Göldi Museum Ennenda

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Geschichte der Schweizerischen Eidgenossenschaft 1291 - 1874 Bundesverfassungen
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Externe Links
Bundesamt für Kultur BAK Lebendige Traditionen in der Schweiz
Kanton Glarus Historisches Lexikon der Schweiz
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