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Menschen im Südsudan Schwieriger Alltag: Daheim und auf der Flucht 2016
Menschen im Südsudan Ein Kanu-Programm hilft zu überleben und rettet Leben 2016
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Afrika - Südsudan

2016: Menschen im Südsudan - Schwieriger Alltag: Daheim und auf der Flucht

Schulbildung im Flüchtlingslager Kakuma-Kolobeyei in Kenia

Seit die Kämpfe im Dezember 2013 im Südsudan ausgebrochen sind, haben sich Tausende von Menschen als Vertrieben ins Nachbarland Kenia abgesetzt. Ungefähr 85'000 Flüchtlinge leben gegenwärtig im Flüchtlingslager Kakuma im Nordwesten von Kenia. Mehr als 60% der neu ankommenden Flüchtlinge sind 17 Jahre alt oder jünger. Viele der Jugendlichen sind unbegleitet oder von ihren Familien getrennt unterwegs. Die gross Anzahl von jungen Flüchtlingen stellt die Lagerverantwortlichen vor grosse Probleme, denn im Lager gibt es nur sehr wenig Bildungseinrichtungen. Die Europäische Kommission hat dem Hilfswerk «Lutheran World Federation» 1 Million EUR für die Ausbildung der jungen Menschen zur Verfügung gestellt.

«Lutheran World Federation» betreibt innerhalb der Lagergrenzen eine Primarschule mit dem Namen «Peace Primary School». Im Oktober 2016 wurden 6'806 Schülerinnen und Schülerteilweise unter freiem Himmel auf einem staubigen Feld unterrichtet. 4'719 Schülerinnen und Schüler waren zu diesem Zeitpunkt älter als 15 Jahre alt. In der nebenan liegenden «Hope Primary School» ist der älteste Schüler bereits 37 Jahre alt. Es ist für die Bildungsverantwortlichen des Hilfswerks ausserordenlich schwierig, Schüler mit so einem grossen Altersunterschied zu unterrichten. Die jüngsten Schüler könnten durchaus die Kinder der ältesten Schüler sein.

Mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union wurde deshalb zehn neue Lernprogramme, die Accelerated Learning Programmes (ALP), entwickelt.In diesen Programmen können die älteren Schülern statt mit 8 Jahren Primarschule bereits mit 3 ALP-Schuljahren den Zugang zur «high school» erarbeiten.

Zahlreiche Schüler leben mit Kriegsbehinderungen. Es fehlt ihnen ein Arm oder ein anderer Körperteil. Einige bewegen sich an Krücken vorwärts. Die meisten können von schlimmen Erlebnissen in ihrer Heimat berichten.

Die älteren Schüler finden die altersgemischten Schulklassen entwürdigend. Sie es müde, neben den jüngeren Primarschülern in den Klassen zu sitzen. Viele von ihnen versuchen, das Lager zu verlassen und geraten in Streit mit dem Wachpersonal. Sie sind es nicht gewohnt, Regeln zu befolgen. In ihrer Vergangenheit hat ihnen niemand Anweisungen erteilt. Das Projekt verhilft auch Kindern aus Pflegefamilien oder aus Familien mit einem minderjährigen Familienoberhaupt zu einer Schulausbildung.
Die «Peace Primary School» ist eines der neuen Bildungsprojekte des Hilfswerks. Neben der Schulausbildung erhalten die jungen und die erwachsenen Schüler auch eine psychosoziale Betreuung, um ihre traumatischen Kriegserlebnisse zu verarbeiten. Mehr als 200 Kinder erhalten im Kakuma Camp eine Spezialausbildung, in welcher sie Lernen mit einer u.a. Behinderung umzugehen.

Quelle: European Commission's Directorate-General for European Civil Protection and Humanitarian Aid Operations ECHO , 4. Oktober 2016
Text: RAOnline
Südsudan 2016 Weiterhin Kriegsverbrechen

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Ein Kanu-Programm bewahrt die Lebensgrundlagen und rettet Leben

Die Stadt Nyal liegt in der Panyijar Region im Teilstaat Unity. Das Gebiet liegt in einem ausgedehnten Sumpfgebiet. Die Bewohner der Stadt haben jahrelang ihr beschauliches Leben inmitten der Mangobäume und den Palmen genossen. In den vergangenen zwei Jahren haben heftige Kampfhandlungen zwischen den miteinander verfeindeten Bürgerkriegsparteien viele Menschen aus den umliegenden Dörfer in die Stadt vertrieben. Manche Dorfbewohner haben sich vor den Brutalitäten der Soldaten auf Sumpfinseln versteckt.

Die Einwohner verfügen nicht mehr über ausreichend Nahrung. Besonders hart unter dem Lebensmittelmangel leiden die Flüchtlinge. Vor allem die Frauen und die Kinder begeben sich jeden Tag auf die Suche nach Hilfe und Nahrung. Sie legen dabei sehr lange Distanzen zu Fuss zurück. Leute, welche auf den abgelegenen Inseln verblieben sind, wandern lange Wege in die Stadt, wo ihnen von den Hilfswerken medizinische Behandlungen angeboten und Lebensmittel verteilt werden.

Das britische Hilfswerk Oxfam hat zusammen mit Irish Aid für diese Menschen Transportmöglichkeiten geschaffen. Die mittellosen Flüchtlinge können nun auf ihrem Weg in die Stadt unentgeltlich Kanus als Fähren über die Flussarme benützen. Der Fährbetrieb wird von Kanukooperativen gewährleistet. Die Kosten für den Betrieb, den Unterhalt und die Schulung des Personals tragen die beiden Hilfswerke. Notleidende Menschen erhalten Transportgutscheine. Das Kanuprogramm ermöglicht den Menschen in Not, rasch Hilfe zu holen. Die Betreiber der Kanufähren verdienen mit ihrem Geschäft Geld, um ihre Familien zu unterstützen. Viele der im Kanu-Programm Beschäftigten sind Frauen.

Die Stadt- und die Dorfbewohner vertrauen dem Personal vom Fährdienst. Beide Seiten kennen sich seit langem. Wenn die Bürgerkriegswirren wieder die Dörfer erreichen, benützen die fliehenden Bewohner ebenfalls die Kanus.

Jal Banyiei ist eine der Frauen und Männer, welche im Fährdienst von Oxfam beschäftigt sind. Jal ist selbst eine Vertriebene. Seit 6 Jahren verdient sie ihr Geld mit einer Kanufähre. Wie in diesem Teil von Afrika üblich, hört Jal auf die Anweisungen ihres Ehemannes, dem Vater ihrer Kinder. Jal möchte mit dieser Arbeit ihrer Familie eine bessere Lebenszukunft ermöglichen. Sie verfolgt auch die Absicht, etwas Geld für besondere Notfälle anzusparen. Seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 2013 konnte Jal noch kein Geld auf die Seite legen. Das verdiente Geld wurde gleich wieder zum Kauf von Nahrung und Waren zum Abdecken der Grundbedürfnisse ausgegeben.

Martha Nyabany ist Mutter von 5 Kindern. Sie ist in Nyal geboren und aufgewachsen. Sie lebt am Rand des Sudds, einem ausgedehnten Sumpfgebiet. Martha betreut ein eigenes Feld, wo sie Nahrungspflanzen ansät und erntet. Der Fischfang gehört auch zu ihren Haushaltspflichten. Martha ist schon seit 10 Jahren im Kanugeschäft. Bevor sie ins Gutschein-Programm von Oxfam aufgenommen wurde, hat sie ihre Kanufähre auf eigene Rechnung betrieben. Martha wird von den Gemeindemitgliedern sehr geschätzt. Als Oxfam erfahrene Leute für ihre Fährdienst-Programm mit den Gutscheinen gesucht hat, wurde Martha bei einer Umfrage mehrheitlich als erste Anwärterin genannt. Einmal von Oxfam ausgewählt, hat Martha Ausbildungskurse besucht. In den Kursen lernte das Fährdienstpersonal, wie man die Menschen im weitläufigen Sumpfgebiet findet und wie man diesen helfen kann. Dem Personal wurde auch das Gutscheinsystem erklärt. Die Arbeit der Kanubesatzung ist nicht immer einfach. Besonders ermüdend ist die Arbeit, wenn der Wasserspiegel tief ist. Bei solchen Verhältnissen kann eine Fahrt wesentlich länger dauern als bei hohem Wasserstand. Manchmal sind die Kanus so überladen, dass sogar Passagiere und ihre Ladungen ins Wasser fallen. Meistens ertragen die Betroffenen das Missgeschick mit Ruhe und Gleichmut, denn sie wurden vor der Fahrt vor den möglichen Folgen gewarnt. Mit diesen Risiken muss das Kanupersonal leben.

Elizabeth Nyajoka Gai, eine weitere «Kanufrau», hat Tragisches erlebt. 2015 wurde ihr Ehemann von Soldaten in Nyal umgebracht. Der Angriff fand am Morgen um 5 Uhrin Guak statt. Weil die Familie vor dem Angriff gewarnt wurde, konnte sie sich vorgängig auf eine Insel retten. Die Soldaten haben allerdings ihren Mann gefunden. Die Soldaten raubten der Familie alles, das sie besassen, so auch die Kühe, die Betten, die Stühle und sogar die Moskitonetze. Elisabeth hat erfahren, dass die Kühe auf Weiden in Leer gebracht wurden. Die Kühe wurden nie mehr zurückgebracht. Seit dem Tod ihres Ehemannes ist Elisabeth für die Versorgung der Familie allein verantwortlich. Elisabeth schätzt sich glücklich, dass sie neben ihrer Feldarbeit noch im Fährdienst arbeiten kann. Elisabeth ist eine starke Frau, welche mit ihrem Kanu schon zahlreiche Inseln wie jene von Payat, Meer und Nyuat angesteuert hat. Elisabeth wird gerufen, wenn jemand notfallmässig ins Krankenhaus gebracht werden muss, oder wenn die Leute nach einer Lebensmittelverteilung ihre Waren wieder in ihre Dörfer transportieren müssen. Elisabeth ist vom Gutscheinsystem begeistert. Die Gutscheine haben sie in ihr zuvor unbekannte Gebiete gebracht. Sie konnte damit mehr Menschen befördern und so ihr Einkommen zum Wohl ihrer Familie etwas verbessern.

Thomas Boum ist ein 45 Jahre alter Mann, welcher bereits seit 1991 mit dem Kanu Waren und Leute transportiert. Thomas musste nach kriegerischen Ereignissen in einem Konflikt vor 1991 unter Todesgefahr flüchten. Seine Viehherde wurde ihm gestohlen. In der Gegend von Nyal fand er vorübergehend wieder Sicherheit. Thomas war ohne Arbeit und Ausbildung. Er konnte seine Familie nicht mehr ernähren. Er lernte wie man ein Kanu bedient und steuert. Das Geschäft von Thomas lief gut, bis im Dezember 2013 die gegenwärtige Krise ausbrach und sich die Verhältnisse schlagartig änderten. Die Transportwege um Nyal wurden unsicher. Die Leute haben jetzt kein Geld mehr, um mit den Kanus zu fahren. Sie laufen lieber mit ihren schweren Lasten auf dem Rücken zu Fuss zurück in ihre Dörfer. Das Gutscheinsystem hat die Lage für Thomas verbessert. Nun verdient er wieder etwas Geld zum Überleben. Selbst, wenn er genug Geld sparen könnte, würde damit keine Kühe mehr kaufen, sagt er. Beim nächsten Durchzug von Soldaten würde ihm das Vieh mit Sicherheit wieder geraubt. Der einzige Weg, um das Ganze zu überleben,sei zu arbeiten, die Familie mit den Kindern zu ernähren und von einer friedlichen Zukunft zu träumen, meint Thomas.

Quelle: Oxfam , 29. September 2016
Text: RAOnline

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Coalition to Stop the Use of Child Soldiers United Nations Mission in South Sudan (UNMISS)
Amnesty International WFP Famine Early Warning System Network FEWS
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