RAOnline EDU - Biologie: Schweizer Wald - Sturmschäden - Sturm Lothar vom 26. Dezember 1999 - Regenerierung und Pflege 2001 bis 2011 Lehren aus den Sturmereignissen
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Sturmschäden: Sturm Lothar 1999
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Sturmschäden: Sturm Lothar vom 26. Dezember 1999

Am 26. Dezember 1999 fegte der Sturm Lothar über die Schweiz. Er forderte mehrere Menschenleben und vernichtete innert Minuten das Kapital vieler Waldeigentümerinnen und -eigentümer. Lothar wirkte sich auf den Holzmarkt sehr negativ aus, die Holzpreise brachen stark ein. In ökologischer Hinsicht hingegen brachte der Sturm Dynamik und erhöhte die Artenvielfalt. Aufgrund des Klimawandels sind in Zukunft häufigere Stürme zu erwarten, Prävention ist deshalb wichtig. Bund und Kantone bieten organisatorische Unterstützung und leisten finanzielle Beiträge für stabile Mischwälder.

Der Sturm Lothar zog am 26. Dezember 1999 in verschiedenen Etappen über die Schweiz hinweg. Er kam vom Jura her und überquerte das Mittelland, die Zentralschweiz sowie die Nordostschweiz. Die Südschweiz und die Südostschweiz wurden verschont. Die höchsten Windgeschwindigkeiten wurden gemessen auf dem Jungfraujoch mit 249 km/h und auf dem Uetliberg mit 241 km/h.

Während des Sturms Lothar kamen 14 Menschen ums Leben. Zudem starben 15 Personen bei Holzerntearbeiten allein im Jahr 2000. Auch die materiellen Schäden waren immens: 600 Millionen Franken Schäden an Gebäuden und 750 Millionen Franken Schäden und Folgekosten am Wald. 10 Millionen Bäume - rund 13 Millionen Kubikmeter Holz - wurden umgeworfen. Dabei gab es grosse regionale Unterschiede: In den Kantonen Bern, Freiburg, Luzern, Nidwalden beispielsweise warf Lothar auf einen Schlag eine vier- bis zehnfache Menge einer jährlichen Holznutzung zu Boden und vernichtete Kapital, welches während Jahrzehnten gewachsen war.

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Grosse ökonomische Auswirkungen

Weil wegen des Sturms in kurzer Zeit sehr viel Holz auf den Markt kam, brachen die Preise massiv ein. Sozusagen überNacht verlor beispielsweise das Säge-Rundholz durchschnittlich einen Drittel an Wert. Teilweise erlitten Waldeigentümer sogar Totalausfälle. Der Holzmarkt war trotz grosser Exporten nach Österreich und Italien überlängere Zeit aus dem Lot. Erst ab 2005 begannen sich die Holzpreise wieder zu erholen. Weit weniger empfindlich reagierten die Preise fürEnergieholz. Sie gaben nach Lothar nur wenig nach und weisen seit 2002 steigende Tendenz auf.

Zudem fielen erhebliche Folgekosten an: Weil die Schutzwälder ihre Schutzfunktion teilweise verloren, mussten Verbauungen erstellt werden. Die von den Holztransporten stark beanspruchten Waldstrassen mussten repariert werden. Und vielerorts sind die Wiederbewaldungsarbeiten sowie die Pflege des Jungwaldes auch heute noch nicht abgeschlossen. Bund, Kantone und Waldeigentümerinnen und -eigentümer haben im letzten Jahrzehnt viel Geld in eine naturnahe und stabile neue Waldgeneration investiert.

Die angespannte wirtschaftliche Situation führte dazu, dass verschiedene Forstbetriebe Betriebsgemeinschaften gegründet haben und mehrere über betriebliche Holzlogistik-Organisationen aufgebaut wurden. Dieser Umstrukturierungsprozess läuft weiter. Bund und Kantone leisten dazu befristete Anschubhilfen.

Sturm hat Artenvielfalt begünstigt

Profitiert von Lothar hat dagegen die Natur: Studien zeigen, dass sich auf Waldflächen, wo die Bäume vom Sturm gefällt wurden, eine höhere Artenvielfalt entwickelte. Hauptgrund dafür ist, dass mehr Licht den Waldboden erreicht. Die grösste Vielfalt von Lebensräumen und damit von Tieren und Pflanzen hat sich dort eingestellt, wo die Schadflächen nur teilweise geräumt und wiederhergestellt wurden. An mehreren Orten wurde die Gelegenheit genutzt, um Waldreservate mit viel Totholz einzurichten. Dass sich die Natur generell schnell erholt, ist auch an den rasch wieder eingewachsenen Lücken im Schweizer Mittelland zu erkennen.

Vorsorge für künftige Ereignisse

Wegen des Klimawandels muss künftig häufiger mit grossen Stürmen gerechnet werden. Deshalb ist eine langfristige Strategie wichtig, um vielfältige, vitale und stabile Wälder zu erhalten, denn naturnahe Mischwälder halten Stürmen in der Regel deutlich besser stand.

Aufgrund der Erfahrungen mit Lothar, aber auch des Hochwassers 2005 hat das BAFU zusammen mit anderen Bundesstellen und den Kantonen in organisatorischer Hinsicht Vorbereitungen getroffen, um vor Naturereignissen besser warnen zu können und Schäden zu vermindern. Zudem haben das BAFU und die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL dieses Jahr ein gemeinsames Forschungsprogramm gestartet. Darin werden die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald untersucht, um die Forstpraxis insbesondere bezüglich Verjüngung des Waldes und Baumartenmischung differenziert beraten zu können.
Sturmschäden in der Schweiz 1858 - 2007

Zwischen 1858 und 2007 ereigneten sich in der Schweiz 25 starke Winterstürme mit Schadholzmengen von jeweils mehr als 70'000 m3.

Zwischen 1958 und 2007 wurden doppelt so viele schwere Winterstürme registriert wie in den 50 Jahren zuvor. Die Stürme führten 1958 - 2007 zu 22 Mal mehr Schadholz als hundert Jahre zuvor.

Die Waldfläche der Schweiz nahm seit 1860 um über 60% zu und gleichzeitig steht heute fast dreimal so viel Holz auf einem Hektar Wald wie vor 150 Jahren.

Sturmschäden im Wald konzentrieren sich in 23 von 25 Fällen auf das Schweizer Mittelland und die nördlichen Voralpengebiete. "Vivian" war einer der seltenen Stürme, die vor allem in den Alpen wüteten.

Quelle: Text Bundesamt für Umwelt BAFU Schweiz 2009

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