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Folgen der Umwandlung von Regenwald

Agrarflächen im Regenwald: Weniger Artenvielfalt, höheres Einkommen

Die Umwandlung von tropischem Regenwald in Agrarlandschaften führt einerseits zu einem Rückgang an Artenvielfalt und Ökosystemleistungen, andererseits zu erhöhtem Einkommen und damit zu besseren sozialen Bedingungen für die lokalen Bauern. Zu diesem Ergebnis sind Wissenschaftler der Universität Göttingen gekommen.

Die Forscherinnen und Forscher untersuchten in Indonesien die Umwandlung von Tieflandregenwäldern in Ölpalmplantagen, Kautschukplantagen und Kautschuk-Agroforstsysteme. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Philosophical Transactions of the Royal Society B erschienen.

Tropische Regenwälder werden weltweit mit hoher Geschwindigkeit in grossflächige Agrarsysteme umgewandelt. Das internationale Team von Wissenschaftlern untersucht seit vier Jahren in einem interdisziplinären Sonderforschungsbereich gemeinsam mit indonesischen Partnern die ökologischen und sozio-ökonomischen Folgen der veränderten Landnutzung in Zentral-Sumatra. "Ein umfassendes Verständnis der Folgen von veränderter Landnutzung soll eine nachhaltigere Bewirtschaftung tropischer Agrarflächen ermöglichen, die sowohl natürlichen Ökosystemleistungen als auch dem menschlichen Wohlbefinden entgegenkommt", erklärt der Sprecher des "EFForTS"-Projekts an der Universität Göttingen, Prof. Dr. Stefan Scheu.

"Die Umwandlung von Wald zu Kautschuk- und Ölpalm-Monokulturen führt zu drastischen Veränderungen zahlreicher Umweltfaktoren wie Klima, Biodiversität, Vegetationsstruktur und Kohlenstoffaustausch", erläutert der Erstautor der nun veröffentlichten Studie, Dr. Jochen Drescher. "Agroforstsysteme zeigen hingegen meist Werte zwischen Wald und Plantagen."

Die ökologischen Veränderungen beinhalten unter anderem die erhöhte Freisetzung von Treibhausgasen, eine schlechtere Luft- und Wasserqualität sowie stärkere Bodenerosion. "Dies könnte auf lange Sicht die verbesserten ökonomischen Erträge der Plantagenwirtschaft und die verbesserten Lebensbedingungen der Bauern beeinträchtigen", ergänzt Dr. Katja Rembold.

Überraschenderweise erzeugen Kautschuk-Agroforste und Plantagen pro Hektar Fläche mehr finanzielles Einkommen als Ölpalmplantagen, sind jedoch auch arbeitsaufwändiger.

Ölpalmplantagen lohnen sich somit vor allem dann, wenn Arbeitskräfte knapp sind. Der Anbau von Kautschuk bietet sich umgekehrt dann an, wenn Land knapp ist, aber Arbeitskräfte ausreichend vorhanden sind. Eine verbesserte Lebenssituation durch höheres Einkommen ist jedoch in erster Linie den Landbesitzern vorbehalten. Landlose Bevölkerungsschichten profitieren insgesamt weniger, sind aber genauso wie Landbesitzer betroffen von den Nachteilen der Plantagenwirtschaft wie sinkende Grundwasserspiegel und erhöhte Lebensmittelpreise.

In den kommenden Jahren wollen die Wissenschaftler einen umfassenden Datensatz erstellen, der Entscheidungsträgern vor Ort helfen soll, ökonomische Interessen und ökologische Nachhaltigkeit in tropischen Agrarlandschaften besser in Einklang zu bringen. Das Projekt "Ökologische und sozioökonomische Funktionen tropischer Tieflandregenwald-Transformationssysteme" (EFForTS) ist aus einem Sonderforschungsbereich an der Universität Göttingen hervorgegangen und eine Kooperation mit den drei indonesischen Universitäten Bogor, Jambi und Tadulako sowie weiteren indonesische Einrichtungen. Weitere Informationen sind unter www.uni-goettingen.de/efforts zu finden.

Originalveröffentlichung

Jochen Drescher et al (2016). Ecological and socio-economic functions across tropical land use systems after rainforest conversion. Philosophical Transactions of the Royal Society B. 371:20150275. Doi: 10.1098/rstb.2015.0275.

Quelle: Text Universität Göttingen , Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie, April 2016
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