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Zustand des Wattenmeeres
Miesmuscheln
Pazifische Auster, Blaukrabbe, japanischer Tang: Immer mehr exotische Arten siedeln sich im Wattenmeer vor der deutschen, dänischen und niederländischen Küste an. Dies belegt der Bericht über den Qualitätszustand des Wattenmeeres (Quality Status Report) von 2009. Gleichzeitig steigt mit der Anerkennung des Wattenmeeres als Weltnaturerbe die internationale Verantwortung für den Erhalt der natürlichen Artenvielfalt in diesem Gebiet. Am 26. August 2010 organsierte der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer (NLPV) in Zusammenarbeit mit dem Trilateralen Wattenmeersekretariat (CWSS) in Wilhelmshaven eine Tagung mit dem Thema "Neobiota im Wattenmeer - Herausforderungen für den Naturschutz."

Die Tagung sollte Einblicke in den aktuellen Stand von Forschung und Management, Monitoring, Bewertung, Vorbeugung und Bekämpfung der Neobiota geben. Zum Auftakt verdeutlichten Peter Südbeck (Leiter NLPV) und Jens Enemark (Leiter CWSS), dass eingeschleppte Arten eine zunehmende potenzielle Gefährdung für die heimische Artenvielfalt im Wattenmeer darstellen und das Problem auch in globaler Perspektive eine enorme Bedeutung erlangt hat. So haben bereits das UNESCO-Welterbekomitee - anlässlich der Anerkennung des Wattenmeeres als Weltnaturerbe - und die Minister der Wattenmeeranrainerstaaten die Fragen zur Behandlung der Neobiota auf die politische Tagesordnung gesetzt. Peter Ilsoe, Vorsitzender des trilateralen Wadden Sea Board, machte auf die ökonomischen Folgen von invasiven Arten aufmerksam und kündigte einen gemeinsamen Managementplan für das Wattenmeer an.

für ein zielgerichtetes Management muss man wissen, überwelche Wege die tierischen und pflanzlichen Neubürger zu uns gelangen und wie sie sich ausbreiten, und die Arten genau und frühzeitig erfassen. Hierzu lieferten die insgesamt neun Referenten wertvolle Beiträge. Die Hauptursachen für das Einschleppen gebietsfremder Arten sind bekannt:

Aquakulturen und der internationale Seeverkehr, der die "blinden Passagiere" im Ballastwasser oder als Bewuchs an der Bordwand in die Wattenmeerhäfen mitbringt. 2016 tritt eine Verordnung in Kraft, wonach das Ballastwasser mit Filteranlagen vorbehandelt werden muss.

Zusätzlich gibt es über legungen, Ballastwasser auf hoher See zu tauschen, so dass mitgeschleppte Organismen nicht an die empfindlichen Küsten gelangen können. Kerstin Stelzer (Brockmann Consult) stellte den "Ballast Water Risk Index" vor, ein System, mit dem Karten für eventuell geeignete Meeresgebiete erstellt werden können.

für die eigentliche Etablierung eingeschleppter Arten bei uns ist die Meereserwärmung verantwortlich. Christian Buschbaum (Alfred-Wegener-Institut) berichtete von "ökologischen Schläfern", Arten, die zwar seit den 1930er Jahren bereits ins Wattenmeer gelangten, sich aber erst in den letzten 20 Jahren infolge des Temperaturanstiegs auch hier vermehren können. Darüberhinaus gibt es inzwischen Synergieeffekte zwischen den verschiedenen Exoten: Die PazifischeAuster bildet Riffe, auf denen sich Japanischer Seetang ansiedelt, in dem sich wiederum der Gespensterkrebs wohlfühlt.

Um bei den Gegenmassnahmen richtige Prioritäten zu setzen, muss man die Gefahren abschätzen, die von den einzelnen exotischen Arten auf das hiesige Ökosystem ausgehen. So weiss man inzwischen, dass Miesmuscheln und Pazifische Austern sich miteinander arrangiert haben. Der Rückgang der Miesmuschelbestände war nicht direkt mit der Ausbreitung der Pazfischen Auster zu erklären. Beide scheinen innerhalb des gleichen Muschelriffs eine eigene ökologische Nische zu besetzen. für die Miesmuschelfischerei bleibt es jedoch ein Problem, da die Austern die Fischerei auf Saatmuscheln erschweren. Auch für den Tourismus, insbesondere bei Wattwanderungen oder beim Baden, sind die scharfkantigen Austernschalen ein Risiko.

Wesentlich für die Bekämpfung ist die Früherkennung von invasiven Arten. Arjan Gittenberger (GiMaris, Niederlande) hatte in einem Pilotprojekt mit verschiedensten Methoden (Absuchen von Bootsstegen, Tauchen, Unterwasserfotos und -videos) während eines Untersuchungszeitraumes von 3 Wochen 11 verschiedene neue Exoten entdeckt. Helene Nyegaard Hvid (Dänisches Umweltministerium) präsentierte das Projekt NOBANIS, ein Neobiota-Melde- und Frühwarnsystem, an dem 18 europäische Staaten beteiligt sind. Rainer Borcherding (Schutzstation Wattenmeer) stellte den "Beach Explorer" vor. Bei diesem Programm sind neben Wissenschaftlern besonders interessierte Laien, Touristen, Strandwanderer aufgerufen, nach Neobiota Ausschau zu halten. Mit Hilfe einer Datenbank sollen die Funde bestimmt und der zentralen Erfassung zugeleitet werden. Dadurch soll auch die Öffentlichkeit überdas Problem invasiver Arten im Wattenmeer besser informiert werden.

Quelle: Text Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer 2010
WWF: Aliens stoppen

Schutzstation Wattenmeer und WWF fordern Verbot für Muschelimporte

Die Schutzstation Wattenmeer und WWF fordern ein sofortiges Ende der Importe gebietsfremder Miesmuscheln in das Wattenmeer. Seit Jahren importieren Fischer tausende von Tonnen an sogenannten Saatmuscheln (junge Miesmuscheln) aus Irland und Grossbritannien. Die Muscheln werden in den Nationalpark gebracht. Nach dem Heranwachsen werden sie abgefischt und für den Verzehr verkauft. Nach Ansicht der Naturschutzorganisationen besteht die grosse Gefahr, dass mit den Muscheln gebietsfremde Arten in das Wattenmeer eingeschleppt werden.

Die Muschelfischerei möchte mit dem Import der aus ihrer Sicht zu geringen natürlichen Produktion an Saatmuscheln im Wattenmeer begegnen. "Eine nachhaltige Muschelfischerei muss sich besonders in einem Schutzgebiet an den natürlichen Gegebenheiten orientieren", sagte Silvia Gaus, Naturschutzexpertin bei der Schutzstation Wattenmeer. "Wenn im Nationalpark Wattenmeer nicht genügend Saatmuscheln entstehen, muss sich die Fischerei einschränken."

Der Import ist mit erheblichen Risiken verbunden. In Begleitung der Muscheln reisen andere Arten mit: Sie haften an ihnen, schwimmen als Larven im Begleitwasser, oder leben als Parasiten in den Muscheln. Viele dieser "blinden Passagiere" sind nicht sichtbar und können weder erkannt noch sicher entfernt werden. Und stets sind darunter gebietsfremde Arten, die so in neue, von ihnen noch nicht besiedelte Gebiete eingeschleppt werden können. "Im Wattenmeer gibt es durch die Sünden der Vergangenheit schon viel zu viele Bioinvasoren, die immer mehr dazu führen, dass wir keine heimische, sondern eine globalisierte Natur vorfinden", sagte Hans-Ulrich Rösner, Leiter des Wattenmeerbüros beim WWF. "Eine solche Globalisierung steht im Gegensatz zum Schutz der bisher noch einmaligen Natur des Wattenmeeres." Zu den bekanntesten eingeschleppten Arten an der Nordseeküste gehören die Pazifische Auster, die Amerikanische Schwertmuschel, die Pantoffelschnecke und die Wollhandkrabbe. Sie alle vermehren sich massenhaft.

Schutzstation Wattenmeer und WWF erwarten, dass bei der Entwicklung der Muschelfischerei streng auf Nachhaltigkeit geachtete wird. Die Fischerei dürfe den Schutz des Wattenmeeres nicht beeinträchtigen. Deshalb müsse es zu einem sofortigen Stopp für das Aussetzen gebietsfremder Miesmuscheln in die Natur kommen. In den Niederlanden ist dies der Fall, dort dürfen Miesmuscheln aus der benachbarten Oosterschelde nicht in das Wattenmeer gebracht werden. für sinnvoll halten die Naturschutzverbände die Bemühungen, Saatmuscheln an ausgehängten Leinen zu gewinnen, an denen sich die Muschellarven festsetzen. Wenn die Methode erfolgreich sei und keine neuen Probleme verursache, müsse mit ihr die Fischerei auf die Saatmuscheln am Boden ersetzt und so künftig alle natürlichen Muschelbänke geschont werden.

Quelle: Text WWF Deutschland 2010

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Seegras

Im Sommer 2009 hat die Wattenmeerstation Sylt des Alfred-Wegener-Instituts erneut die Watten von Schleswig-Holstein über flogen, um im Auftrag des LKN SH das Vorkommen der aus der Luft erkennbaren Seegraswiesen zu bestimmen.

Seegräser werden als sensible Indikatoren für anthropogene Nährstoffeinträge in Küstengewässern angesehen.

Je mehr Seegras, desto besser die Umweltqualität im Wattenmeer.

Die Gruppe um Prof. Karsten Reise hat die folgenden Ergebnisse vorgelegt:

Traditionell liegt der Verbreitungsschwerpunkt der Wiesen in Nordfriesland. Im August konnten dort auf 122 km2 Seegraswiesen ermittelt werden. Das entspricht 13% der gesamten Wattfläche Nordfrieslands und ist die stärkste Ausbreitung seit Beginn der regelmässigen Erfassungen 1992. Zudem war auf drei Vierteln der Seegraswiesenfläche eine starke Ausprägung zu beobachten. Hier wurde ein Bedeckungsgrad von mehr als 60% festgestellt.

Der Seegrasbestand in Nordfriesland ist demnach in einem gutem Zustand. Trotzdem sind kleinräumig unterschiedliche Tendenzen festzustellen. So gehen auf dem Watt nördlich des Hinderburgdamms die Seegrasbestände seit einigen Jahren leicht zurück, während es entlang der Festlandküste Nordfrieslands deutliche Zuwächse gibt.

Im Dithmarscher Watt sind die Seegrasvorkommen deutlich geringer: Nur auf 1,3 km2 -oder 0,4 %- der Dithmarscher Wattfläche sind Seegraswiesen zu finden. Die einzige dicht bewachsene Wiese befindet sich im Schutz des Blauortsands. Auch wenn die Seegrasvorkommen bei unseren Nachbarn in den Niederlanden, Dänemark und Niedersachsen zunehmen, beheimatet Schleswig-Holstein nach wie vor mehr als 90% aller Seegraswiesen des Wattenmeeres. Dies ist nach Auffassung der Wissenschaftler auch ein Zeichen einer verbesserten Gewässerqualität.

Quelle: Text Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer 2010

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