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Grafik Gletscher in der Schweiz
Alpen Prähistorische und frühgeschichtliche Funde
Eisfunde vom Schnidejoch 1'000 Jahre älter als Ötzi
Berner Oberland Abgestürzte Dakota vom Gauligletscher
Aletschgletscher Unfall nach 88 Jahren geklärt
Berner Oberland Eisfeld mit archäologische Funden
Bern Prähistorische Alpwirtschaft im Berner Oberland
Schmelzender Firn gibt auf dem Lötschenpass 4'000-jährige Bergausrüstung frei
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Thema Gletscher Geografie - Erdkunde Klima Klimawandel
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Einmalige archäologische Funde im Berner Oberland
Prähistorische und frühgeschichtliche Funde aus dem Eis
Statement von Regierungspräsident Mario Annoni, Erziehungsdirektor Kanton Bern
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Das Schnidejoch verläuft zwischen dem Schnidehorn (2'937 m ü.M.) und dem Wildhorn (3'248 m ü.M.) im Berner Oberland. Der Passübergang führt vom Kanton Bern in den Kanton Wallis.
Schnidehorn = Schnidehore = Schneidehorn
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Die Alpen sind vor knapp 200 Millionen Jahren entstanden. Die ältesten Vorfahren des heutigen Menschen lebten vor etwa 4 Millionen Jahren auf dem afrikanischen Kontinent.

In der Entstehungsgeschichte der Erde tritt der Mensch sehr spät auf. Vergleicht man die Zeitspanne von der Alpenfaltung bis zur Gegenwart mit dem Ablauf eines zwölfstündigen Tages, dann tritt der Mensch erst um 11 Uhr 45 in Erscheinung.

Die ersten von Neandertalern benutzte Werkzeuge aus dem Alpenraum datieren etwa 40'000 Jahre vor heute; sie erscheinen also erst knapp 9 Sekunden vor Zwölf.

Heute zeigen uns Funde aus dem Eis, dass Menschen seit mindestens 5'000 Jahren das Schnidejoch, einen mittlerweile in Vergessenheit geratenen Passübergang auf 2'756 m ü.M. im Berner Oberland, überquert haben, um vom Wallis [Sion] ins Berner Oberland [Lenk] - oder umgekehrt - zu gelangen.

Die Untersuchungen des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern der beiden vergangenen Jahre zeigen aber auch, dass dies nur in bestimmten "Zeitfenstern", nämlich während klimatischen Warmphasen, möglich war. Die Passfunde aus dem Eis dienen so auch massgeblich der Klimarekonstruktion.

Die Untersuchungen, die Ihnen anschliessend Mitarbeitenden des Archäologischen Dienstes vorstellen werden, wurden - wie viele wichtige Dinge im Leben - durch Zufall ausgelöst. Im Herbst 2003 übergab Frau Ursula Leuenberger aus Thun (via dem Bernischen Historischen Museum) dem Archäologischen Dienst des Kantons Bern ein Objekt aus Rindenbahnen, das sie bei einer Wanderung über das Schnidejoch gefunden und mitgenommen hatte. Die Archäologen waren zunächst etwas ratlos. Um was handelte es sich bei diesem Objekt überhaupt? - vielleicht um ein Fragment eines Köchers? Und wie alt konnte es überhaupt sein? - angesichts seiner ausserordentlich guten Erhaltung wohl kaum sehr alt. Erst das C14-Datum (siehe: Radiokarbon-Methode zur Altersbestimmung) brachte die Überraschung - das Köcherfragment wurde vor nahezu 5'000 Jahren verloren.

Vielleicht fragen Sie sich, warum der Archäologische Dienst diesen sensationellen Fund der Öffentlichkeit - übrigens auch mir - ziemlich genau 2 Jahre lang vorenthalten hat. Dazu gibt es verschiedene gute Gründe:

- Erstens war die Fundstelle erst knapp ein Jahr nach dem Erstfund wieder schneefrei und begehbar.

- Zweitens beanspruchten sowohl die beigezogenen Naturwissenschafter zur Analyse und zur Datierung der zahlreichen geborgenen Objekte als auch die Restauratoren zur Konservierung der Funde ihre Zeit.

- Und drittens verschaffte das absichtliche Schweigen den Archäologen die Möglichkeit, die Felduntersuchung im Sommer 2005 weitgehend ungestört fortzusetzen.

In den letzten Jahren haben wir - in Form von Medienmitteillungen, Publikationen und einer Wanderausstellung- immer wieder davon Kenntnis genommen, dass der Archäologische Dienst bemerkenswerte Forschungsergebnisse zur Pfahlbau-Archäologie hervorbringt. Zudem ist er federführend im Projekt, die zirkumalpinen Pfahlbauten als serielles Projekt zum UNESCO-Weltkulturerbe zu erheben. Und jetzt hat die gleiche Fachstelle der Erziehungsdirektion des Kantons Bern wertvolle Zeugen unserer Vergangenheit aus dem Eis der Alpen geborgen und tritt mit diesen sensationellen Funden aus dem Eis an die Öffentlichkeit. Dies zeigt uns einmal mehr, wie wichtig ein gut funktionierender Archäologischer Dienst ist. Seine Tätigkeit im Feld und in der Forschung geschieht sowohl im Interesse der Öffentlichkeit als auch der Geschichtsschreibung. Diese wichtige kulturelle Aufgabe erfordert auch in Zukunft unsere Aufmerksamkeit und Unterstützung.

Quelle: Text Kanton Bern, 11. November 2005
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Wildhorn: Tungelgletscher (Kanton Bern) - 2008
Das Schnidejoch verläuft zwischen dem Schnidehorn (2'937 m ü. M.) - linke Bildhhälfte - und dem Wildhorn (3'248 m ü.M.).
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Weitere Informationen
Eisfeld im Berner Oberland gibt einmalige archäologische Funde preis
Bilder von der Fundstelle
Prähistorische Alpwirtschaft im Berner Oberland
Externer Link
Arbeit des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern
Kanton Bern
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