| WTO
World Trade Organization - Welthandelsorganisation |
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und Wirtschaft |
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zwei Jahre findet eine WTO-Ministerkonferenz statt. An der WTO-Ministerkonferenz
werden die grossen Entscheide durch die Minister, also durch die politischen
Vertreter gefällt. Danach verhandeln die Handelsdiplomaten in Genf
zwei Jahre lang die Umsetzung dieser Entscheide. Zum Beispiel: Welche Bereiche
sollen dem internationalen Wettbewerb geöffnet werden? Wo können
noch mehr Zölle und Handelsschranken abgebaut werden? Wie erhalten
grosse Firmen einen besseren Zutritt in andere Länder?
Obwohl
die Entscheide von den Regierungen getroffen werden, sind diese Entscheidungen
stark beeinflusst von grossen Firmen, insbesondere von multinationalen
Konzernen. Beispielsweise ist das TRIPs-Abkommen das direkte Ergebnis einer
Forderung, welche ein Zusammenschluss von einflussreichen Konzernen, u.a.
Monsanto und General Motors, an ihre Regierungen gestellt hatten. Das Dienstleistungsabkommen
GATS wurde von der Diensteistungsindustrie, insbesondere durch den Bankensektor
entworfen. Auch das Landwirtschaftsabkommen wurde von grossen Agrarkonzernen
beeinflusst. Politische VertreterInnen und die Wirtschaft vertreten jedoch
unterschiedliche Ziele. Während die PolitikerInnen sich insbesondere
für das Wohl der Bevölkerung einsetzen sollten, ist das Hauptziel
von Firmen, Gewinne zu erzielen. Und was für die Firmen gut ist, ist
nicht immer das beste für die Bevölkerung.
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WTO
ohne Kontrolle |
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Das
Parlament hat bei der WTO keine Mitsprache, und die WTO untersteht keiner
Kontrolle, zum Beispiel einer UNO-Organisation.
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Das
Denken der WTO |
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Die
WTO vertritt die Ansicht, dass alle Länder auf der Welt in den Weltmarkt
eingebettet werden sollen, denn Handel bringe allen Wachstum, Entwicklung
und Wohlstand. Dazu müssten Handelsbarrieren wie Zölle oder Einfuhrverbote
aufgehoben werden. Jedes Land soll sich nach der Meinung der WTO auf die
Produktion derjenigen Güter oder Dienstleistungen konzentrieren, die
es besonders gut produzieren kann. Diese Güter sollen dann in andere
Länder transportiert, mit dem Fachausdruck exportiert werden. Gleichzeitig
sollen die Grenzen geöffnet werden für Güter und Dienstleistungen
aus dem Ausland: Es soll also importiert werden. |
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Probleme |
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Problem
1: Die 148 Länder haben einen ganz unterschiedlichen Entwicklungsstand.
So können zum Beispiel lokale Unternehmen in ärmeren Ländern
schwerlich mit internationalen Konzernen konkurrenzieren. Die Gefahr besteht,
dass sie ihre Existenz verlieren, ohne dass neue Arbeitsplätze geschaffen
werden.
Problem
2: Viele ärmere Länder können als einzigen sogenannten
Wettbewerbsvorteil ihre billigen Arbeitskräfte vorweisen. Die Folge
ist, dass die Produktion zum Beispiel von Massenprodukten wie Textilien,
Elektronik- und Spielzeugartikeln in solche Billiglohnländer verlegt
wird. Die Menschen dort haben dann wohl vorübergehend Arbeit, aber
unter schlechtesten Bedingungen: überlange Arbeitszeiten, keinen existenzsichernden
Lohn, keine Möglichkeit, sich gewerkschaftlich zu organisieren und
sich gegen diese Bedingungen zu wehren.
Problem
3: Die Umweltschäden werden bei der WTO nicht eingerechnet. Würden
alle Umweltbelastungen der Produktion von Hamburgern im Preis miteinbezogen,
müsste ein Hamburger um die 340 Franken kosten, wie das World-Watch-Institute
in den USA berechnet hat.
Problem
Nummer 4: Die WTO macht keine Unterscheidung, auf welche Art etwas
produziert wurde. Eine Tomate ist eine Tomate. Ob sie biologisch produziert
wurde oder unter Einsatz von Tonnen von Chemie, wird nicht unterschieden.
Somit hat auch die Nachfrage von Konsumierenden nach gesunden Nahrungsmitteln
keinen Platz im Denken der WTO.
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WTO
fordert die öffnung der Grenzen für Importe |
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In
der WTO werden die landwirtschaftlichen Produkte als eine gewöhnliche
handelbare Ware angesehen. Die WTO-Mitglieder müssen sich durch das
WTOLandwirtschaftsabkommen dazu verpflichten, ihre Grenzen für Produkte
aus anderen Ländern (Importe) zu öffnen. Das hat zum Beispiel
die philippinische Regierung in grossem Ausmass getan. Obwohl auf den Philippinen
genügend Reis produziert wurde, um die Bevölkerung zu ernähren,
importierte man immer mehr Reis: 1998 wurden 40% der lokalen Produktion
importiert. Die Regierung erteilt nun auch die Erlaubnis, dass andere Basisprodukte
wie Mais, Zwiebeln, Knoblauch, Kartoffeln, Kabis und Fleisch aus dem Ausland
eingeführt werden, zu einem billigeren Preis. Dadurch können
vor allem die kleinen philippinischen Gemüsebäuerinnen und -bauern
ihre eigenen Produkte nicht mehr verkaufen. Ihre Existenz ist durch die
billigen Importe bedroht.
Ein
grosser Anteil der Kleinbäuerinnen sind Frauen. Aufgrund ihrer Stellung
in der Gesellschaft haben sie oft einen schlechteren Zugang zu Land und
Krediten. Beides wäre notwendig, um sich im Exportgeschäft betätigen
zu können. Sie müssen zudem oftmals die ganze Familie versorgen. |
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WTO
setzt einseitig auf den Export |
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Die
WTO fördert die Ausrichtung der Landwirtschaft auf den Export. Auf
den Philippinen hat die Regierung Anfang der Neunzigerjahre unter anderem
im Hinblick auf ihre WTO-Mitgliedschaft eine änderung der Landwirtschaftspolitik
angeordnet. Viele kleinere Landplätze wurden zusammengelegt und gelangten
in den Besitz einiger transnationaler Unternehmen und einiger Grossgrundbesitzer.
Der Anteil des Landes, auf dem landwirtschaftliche Produkte für den
inländischen Verbrauch angepflanzt wurden, verkleinerte sich von Jahr
zu Jahr. Statt dessen muss nun für den Export angepflanzt werden:
Blumen, Spargeln, Brokkoli, Blumenkohl, Birnen, Ananas, Bananen. Das Landwirtschaftsabkommen
der WTO ist nicht allein für diese Veränderung verantwortlich.
Es fördert aber die Politik, dass immer mehr für den Export anstatt
für den Inlandverbrauch produziert werden soll. Teile des fruchtbaren
Landes wurden in Industriezonen umgewandelt und ausländischen Investoren
zur Verfügung gestellt, um darauf Golfplätze oder Vergnügungsparks
einzurichten. Insbesondere die ärmere Bevölkerung protestiert
gegen diese Entwicklung. |
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Ärmere
Länder als Rohstofflieferanten |
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Den
ärmeren Ländern wird seit Anfang der Achtzigerjahre auch von
den zwei anderen prägenden internationalen Organisationen, dem Internationalen
Währungsfonds und der Weltbank vorgeschrieben, sich auf wenige Exportprodukte
zu spezialisieren. Dabei befinden sich viele Länder des Südens
weiterhin in der Rolle des Rohstofflieferanten an Industrieländer.
Das Beispiel des Kaffees zeigt den Teufelskreis solcher Rohstofflieferanten.
Zahlreichen südlichen Ländern wurde seit den Achtzigerjahren
nahegelegt, Kaffee für den Export anzupflanzen. Weil daraufhin immer
mehr Länder Kaffee anpflanzten und dadurch zu viel Kaffeebohnen produzierten,
sank der Kaffeepreis auf den tiefsten Stand seit 30 Jahren. Dieser Preiszerfall
führt noch mehr zur Verarmung der Bevölkerung in Ländern
wie Uganda oder äthiopien, wo ein Viertel oder gar die Hälfte
der Exporteinnahmen mit dem Verkauf von Kaffee erwirtschaftet werden. Je
mehr die Rohstoffe verarbeitet werden, desto höher sind die Zolltarife
der Industrieländer angesetzt. Dadurch werden die Entwicklungsländer
daran gehindert, Fertigprodukte in die Industrieländer zu verschicken.
Das heisst, dass zum Beispiel die Schweiz für importierten Kakao viel
tiefere Zölle verlangt als für eine in Afrika produzierte Schokolade.
Dadurch kann sie die Schweizer Schokoladenindustrie schützen. |
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Förderung
einer industriellen Landwirtschaft |
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Die
einseitige Ausrichtung auf den Export fördert eine industrielle Landwirtschaft,
die viel Chemikalien anwendet, um höhere Erträge zu erzielen.
Der Einsatz von Chemikalien schadet der Umwelt und der Gesundheit. Aber
auch hier stehen sich die Gesundheitsanliegen der Bevölkerung und
die Aussicht auf Profite von Firmen gegenüber. Die Produktion von
Unkrautvertilgungsmitteln (Herbizide genannt) machen rund die Hälfte
des weltweiten Agrochemiemarktes aus. Die schweizerische Herbizidmarktes
für sich beanspruchen. Zum Beispiel wird das Mittel Paraquat, das
alle Unkräuter vernichtet, in über hundert Ländern verkauft.
Es kommt auf Bananen-, Kakao-, Kaffee-, Baumwoll-, Palmöl- oder Ananasplantagen
zur Anwendung. Dort klagen ArbeiterInnen über stechende Bauch- und
Kopfschmerzen, Nasenbluten, Sehschwächen, Atemnot und Hautverletzungen. |
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WTO
fördert die Patentierung von Lebewesen |
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über
Generationen hinweg haben Bäuerinnen und Bauern in allen Ländern
die verschiedensten Pflanzensorten gepflegt, gezüchtet und untereinander
getauscht. Wenn nun aber Saatgut patentiert werden kann, so wird dieses
Saatgut zum Eigentum privater Firmen. Dadurch verlieren die Bauern und
Bäuerinnen ihr Recht auf das eigene Saatgut. Sie müssen es jedes
Jahr neu kaufen und werden abhängig von Firmen. |
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WTO
leistet der Biopiraterie Vorschub |
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Obwohl
die Länder des Südens den überwiegenden Teil der reichhaltigen
weltweiten Pflanzenwelt beherbergen und bewahren, sind es die Firmen des
Nordens, welche genau diese Ressourcen mittels Patenten als ihr Eigentum
beanspruchen wollen. Oft hat gerade die einheimische Bevölkerung ein
ungeheures Wissen über die Pflanzen, die zum Beispiel auch als Heilmittel
verwendet werden. So dient zum Beispiel der Hoodia-Kaktus der San Bevölkerung
im südlichen Afrika dazu, ihren Hunger und Durst während der
langen Wanderungen zu stillen, denn sein Wirkstoff wirkt als Appetitzügler.
Inzwischen hat ein britisches Unternehmen diesen Wirkstoff des Kaktus isoliert
und möchte ihn zu einem Bestseller unter den Schlankheitsmitteln machen.
Die San Bevölkerung wurde anfänglich nicht gefragt. Erst nach
Protesten und vielen Gesprächen zeigte sich das Unternehmen bereit,
die San Bevölkerung künftig am Gewinn zu beteiligen. Mit der
Einführung von geistigen Eigentumsrechten auf Saatgut und lebende
Organismen greift das euro-amerikanische Patentsystem tief in Gesellschaftssysteme
südlicher Länder ein. Diese betrachten die Natur nicht als Eigentum,
sondern als ein gemeinsames Gut, zu dem man gemeinsam Sorge tragen muss |
| Gesundheit
gegen Freihandel |
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| Seit
1988 verbietet die EU aus gesundheitlichen Gründen den Import von
amerikanischem Rindfleisch, das mit gewissen Wachstumshormonen behandelt
wurde. Die USA, die dadurch ihr mit Hormonen behandeltes Fleisch nicht
in die EU verkaufen darf, hat bei der WTO Klage eingereicht. Die WTO hat
das Importverbot der EU kritisiert und forderte von der EU, sie müsse
wissenschaftlich beweisen, dass hormonbehandeltes Fleisch gesundheitsschädigend
ist. Ein Verdacht oder die Sorge um die Bevölkerung genügt also
nicht, um Massnahmen treffen zu können, das heisst,das so genannte
Vorsorgeprinzip wird nicht anerkannt. |
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Weltgericht
für Handelsfragen |
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Die
WTO ist auch darum ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt, weil sie
die einzige internationale Wirtschaftsorganisation mit einer eigenen Rechtssprechung
ist. Die WTO übernimmt die Aufgabe, in Streitfällen zwischen
Mitgliedern zu schlichten und allfällige Strafen auszusprechen, wenn
sich die WTO-Mitglieder nicht an die WTO-Regeln halten. Dadurch ist die
WTO auch ein Weltgericht in allen Handelsfragen. Problem: Das internationale
Schiedsgericht der WTO ist keine unparteiische Instanz, denn es besteht
lediglich aus Handelsexperten. Andere Experten, etwa aus dem Umwelt- oder
Menschenrechtsbereich, werden nicht in gleichem Masse angehört.
Zwei
Beispiele der WTO-Rechtsprechung: Unterstützung ärmerer Länder
nicht möglich
Zur
Unterstützung ihrer ehemaligen Kolonien verpflichtete sich die EU,
einen grossen Teil der Bananen aus den Ländern des Pazifik, von Afrika
und der Karibik zu importieren, um ihnen ein Auskommen zu garantieren.
Dagegen wehrten sich die USA, weil dadurch weniger «Dollarbananen»,
produziert von den multinationalen Unternehmen Chiquita oder Dole, in die
EU-Staaten importiert werden konnten. Das WTO-Schiedsgericht entschied
den Streit zugunsten der USA und ihrer Dollarbananen. Nun muss die EU entweder
ihre Bananenmarktordnung ändern oder sie muss den USA zahlen, damit
sie ihre Produkte in die USA liefern dürfen. |
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| Namenswechsel, von "Erklärung von Bern (EvB)" in "Public Eye" |
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